Deutsche Kernkraftwerke
Länder halten Notstromversorgung für sicher

Nach dem Störfall im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark sehen die Atomaufsichten mehrerer Bundesländer keine vergleichbaren Risiken beim Betrieb deutscher Reaktoren. Ob sich Bundesumweltminister Sigmar Gabriel dieser Bewertung anschließt, blieb allerdings offen.

dc BERLIN. Nach allen bislang vorliegenden Erkenntnissen gebe es „keine Hinweise auf eine Vergleichbarkeit“, sagte Hessens Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU). Auch die Landesministerien in Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein schlossen einen ähnlichen Störfall aus.

Ob sich Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) dieser Bewertung anschließt, blieb am Dienstag allerdings offen. Er will seine zusammenfassende Einschätzung am heutigen Mittwoch in Berlin der Öffentlichkeit darlegen. Dazu hat er nach Angaben des Ministeriums kurzfristig seinen Urlaub unterbrochen. Gabriel hatte die Bundesländer nach dem Störfall am 25. Juli in Schweden zu einer kurzfristigen Sicherheitsüberprüfung der deutschen Kernkraftwerke aufgefordert. Die Meldungen über die Ergebnisse sollten bis Dienstag in Berlin eintreffen.

Im schwedischen Forsmark hatte nach den nun vorliegenden Erkenntnissen ein Kurzschluss außerhalb des Kernkraftwerks zu Problemen bei der Stromversorgung für wichtige Überwachungseinrichtungen geführt. Von den insgesamt vier verfügbaren Notstrom-Dieselaggregaten sprangen nur zwei auf Anhieb an, die anderen zwei konnten erst 20 Minuten später per Hand gestartet werden. Der Vorfall hatte in Deutschland die Debatte um den 2001 vereinbarten Atomausstieg neu entfacht und schien die Gegner längerer Kraftwerkslaufzeiten zu bestätigen.

Hessens Umweltminister Dietzel wies allerdings darauf hin, dass die Notstromversorgung des Kraftwerks Biblis anders konstruiert sei als bei dem schwedischen Reaktor. Insbesondere stütze sich die Notstromversorgung der beiden Biblis-Blöcke auf Batterien mit „wesentlich höherer“ Kapazität als in Forsmark. Damit funktioniere zu einen der automatische Start der Notstromdiesel zuverlässiger, zugleich sei die Stromversorgung der Überwachungstechnik besser gewährleistet. Zudem wies die hessische Atomaufsicht darauf hin, dass in den vergangenen 20 Jahren in Biblis nur zwei Notstromfälle aufgetreten seien: in den Jahren 1998 und 2004. In beiden Fällen habe die Notstromversorgung einwandfrei funktioniert.

Ein Sprecher des baden-württembergischen Landesumweltministeriums in Stuttgart betonte ebenfalls, dass die Notstromsysteme der vier Kernkraftwerke im Südwesten mit denen in Forsmark nicht vergleichbar seien. „Der wesentliche Unterschied ist, dass Steuerungssystem und Instrumente im Falle eines Stromausfalls über Batterien versorgt werden. In Forsmark hingen Steuerungssystem und Instrumente an den ausgefallenen Notstromaggregaten“, erläuterte der Sprecher.

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