Deutsche Konjunktur

Das Wachstum schwächt sich ab

Europas Konjunkturlokomotive drosselt ihr Tempo unerwartet deutlich. Die exportorientierte deutsche Wirtschaft wächst im dritten Quartal langsamer als der Euro-Raum insgesamt. Was bedeutet das für das Gesamtjahr?
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Vor allem bei den Exporten wurde zuletzt weniger Umsatz gemacht. Quelle: dpa
Konjunktur in Deutschland

Vor allem bei den Exporten wurde zuletzt weniger Umsatz gemacht.

(Foto: dpa)

WiesbadenSinkende Exporte und die Verunsicherung der Unternehmen nach dem Brexit-Schock haben die deutsche Wirtschaft in den Sommermonaten unerwartet kräftig gebremst. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im ersten vollen Quartal nach der Entscheidung der Briten um 0,2 Prozent gegenüber dem zweiten Vierteljahr, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in einer ersten Schätzung mitteilte. Es war das schwächste Wachstum seit einem Jahr und weniger als im Euro-Raum insgesamt. Im Frühjahr hatte die deutsche Wirtschaft noch um 0,4 Prozent zugelegt.

Ökonomen hatten mit einem etwas stärkeren Plus im dritten Quartal gerechnet. Sie sind aber zuversichtlich, dass es sich nur um einen Ausreißer handelt. „Die deutsche Wirtschaft ist angesichts des Brexit-Schocks mit einem blauen Auge über den Sommer gekommen“, sagte Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der Bank KfW. Da sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft zuletzt quer durch alle Branchen überraschend kräftig verbessert hatte, rechnen die Experten mit einem stärkeren Wachstum zum Jahresende. „Der deutliche Anstieg der Stimmungsindikatoren spricht für ein wieder höheres Plus im vierten Quartal“, argumentierte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Was im September teurer und was billiger wurde
Preissteigerung
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FIm September 2016 lagen die Verbraucherpreise um 0,7 Prozent höher als im September 2015. Die Inflationsrate liegt damit auf ihrem höchsten Wert seit Mai 2015. Im Vergleich zum August 2016 steigt der Verbraucherpreisindex um 0,1 Prozent und bestätigt damit die vorläufigen Gesamtergebnisse, die das Statistische Bundesamt am 29. September 2016 herausgegeben hatte Für europäische Zwecke wird zudem der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) berechnet. Dieser lag im September 2016 um 0,5 Prozent über dem Wert im Vorjahr. Im Vergleich zum Vormonat August 2016 veränderte sich der Index nicht.

Energiepreise sinken
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Die Energiepreise gingen im September 2016, im Vergleich zum Vorjahr, um 3,6 Prozent zurück. Damit schwächt sich der Rückgang der Energiepreise im Vergleich zu den Vormonaten etwas ab, im Juli 2016 wurde noch ein Rückgang von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet. Kraftstoffe und Haushaltsenergie waren im September 2016 um 3,5 beziehungsweise 3,7 Prozent günstiger als im Vorjahr. Am stärksten vergünstigte sich mit einem Rückgang von 12,5 Prozent leichtes Heizöl. Die Umlagen für Zentralheizung und Fernwärme gingen um 8,1 Prozent zurück, Gas vergünstigte sich um 3,2 Prozent und feste Brennstoffe um 0,8 Prozent. Lediglich beim Strom ist eine Verteuerung von 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zu verzeichnen.

Nahrungsmittel waren teurer
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Die Preise für Nahrungsmittel haben sich im September 2016 im Vergleich zum Vorjahresmonat verteuert. Zwar lag die Preiserhöhung für Nahrungsmittel insgesamt bei nur 0,4 Prozent, einzelne Nahrungsmittel wurden jedoch deutlich teurer. So lagen die Preise für Speiseöle um 6,5 Prozent höher, die für Butter um zwölf Prozent und Olivenöl verteuerte sich um 9,4 Prozent. Obst verteuerte sich um 3,5 Prozent, Fisch um 3,1 Prozent. Lediglich Molkereiprodukte wurden günstiger, insgesamt war ein Rückgang um sechs Prozent zu verzeichnen. Quark wurde sogar um 17,8 Prozent günstiger, H-Milch um 11,7 Prozent und Schnittkäse um 6,9 Prozent.

Tabakwaren teurer
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Die Warenpreise sanken im September 2016 insgesamt um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Tabakwaren wurden um 3,3 Prozent teurer, Schmuck und Uhren stiegen im Preis um 2,9 Prozent. Zeitungen und Zeitschriften verteuerten sich um 3,9 Prozent. Vergünstigt haben sich hingegen Bekleidungsartikel um 1,0 Prozent, Geräte der Unterhaltungselektronik vergünstigten sich um 2,9 Prozent.

Dienstleistungen verteuern sich
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Bei den Dienstleistungen ist eine Preiserhöhung um insgesamt 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat erkennbar. Die Erhöhung der Nettokaltmieten um 1,3 Prozent trägt maßgeblich dazu bei, da private Haushalte etwa ein Fünftel ihrer Konsumausgaben dafür aufwenden. Dienstleistungen sozialer Einrichtungen verteuerten sich sogar um 4,2 Prozent, Versicherungsdienstleistungen um 3,2 Prozent und Freizeit- und Kulturdienstleistungen um 2 Prozent. Nur wenige Dienstleistungsbereiche, wie die Telekommunikationsdienstleistungen vergünstigten sich um 1,5 Prozent.

Verteuerung im Vergleich zum Vormonat
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Betrachtet man die Zahlen im Vergleich zum Vormonat August 2016, ergeben sich in einigen Bereichen deutliche Verteuerungen. So kosteten Schuhe und Schuhzubehör im Vormonatsvergleich 7,5 Prozent mehr, Bekleidungsartikel verteuerten sich um 6,6 Prozent. Dies liegt vor allem in der Umstellung auf die Herbst- und Winterkollektion begründet. Außerdem ist eine Preissteigerung in den Bereichen Energie um 0,7 Prozent, Kraftstoffe um 1,5 Prozent und Heizöl um 2,6 Prozent zu verzeichnen. Die Nahrungsmittelpreise stiegen nur leicht um 0,1 Prozent.

Günstigere Pauschalreisen
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Mit dem Ende der Ferien fallen auch die Preise der Pauschalreisen wieder. Insgesamt gingen die Preise um zwölf Prozent zurück, Reisen ins Inland vergünstigten sich um 6,3 Prozent, Reisen ins Ausland um 12,4 Prozent. Preise für Flugtickets sanken im Vergleich zum Vormonat um 1,9 Prozent.

Bremspuren hinterließ von Juli bis September der Außenhandel. Die Exporte sanken nach Angaben der Wiesbadener Behörde gegenüber dem Vorquartal leicht. Die Importe stiegen hingegen. Zuletzt war die Nachfrage nach Produkten „Made in Germany“ außerhalb der Europäischen Union zurückgegangen. Die Welthandelsorganisation WTO rechnet in diesem Jahr mit dem langsamsten Wachstum des globalen Handels seit der Finanzkrise 2009.

Verunsichert wurde die Wirtschaft nach Angaben des Außenhandelsverbandes BGA auch durch die Entscheidung der Briten, die EU zu verlassen. Zugleich hielten sich die Unternehmen mit Investitionen in Maschinen und Ausrüstungen zurück.

Die Briten hatten am 23. Juni für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt. Der offizielle Antrag wird 2017 erwartet.

Getragen wurde die Konjunktur von Juli bis September vor allem vom Konsum der Verbraucher und den Ausgaben des Staates unter anderem für die Versorgung und Unterbringung Hunderttausender Flüchtlinge. Zwar trübte sich die Kauflaune der Verbraucher angesichts höherer Preise an den Zapfsäulen und allmählich steigender Inflation zuletzt etwas ein, sie ist aber immer noch hoch. Dazu trägt auch die historisch günstige Lage auf dem Arbeitsmarkt bei. Der Bau profitierte von der starken Immobiliennachfrage in der Zinsflaute.

Europas Konjunkturlokomotive schaltete im Gegensatz zum Euroraum insgesamt einen Gang zurück. Nach Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat war das Bruttoinlandsprodukt im gemeinsamen Währungsraum von Juli bis September um 0,3 Prozent und damit genauso stark wie im zweiten Vierteljahr gestiegen.

Auch im Jahresvergleich verlor die deutsche Wirtschaft an Schwung. Bereinigt um die unterschiedliche Zahl von Arbeitstagen stieg das BIP im dritten Quartal um 1,7 Prozent. Im Frühjahr hatte es noch um 1,8 Prozent und zum Jahresauftakt um 1,9 Prozent zugelegt.

Gestützt von der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt und dem Konsum wird die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung führender deutscher Ökonomen in diesem Jahr dennoch insgesamt um 1,9 Prozent wachsen. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch die EU-Kommission.

  • dpa
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  • Stimmt nicht. Die einzige Spielregel die es gibt, sind keine Kinder. Ansonsten ist meine Herzdame (inzw. sogar Verlobte) absolut gleichberechtigt. Und wird nach der Uni als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten. Wenn ich mit spätestens Mitte 40 mit dem Börsenzeugs aufhöre, und als GT3 -Fahrer im selbst finanzierten Team in der VLN mit einem R8 LMSultra teilnehme

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