Deutsche Luftstreitkräfte Neuer Kampfjet soll den Tornado ablösen

Im kommenden Jahr will die Bundeswehr die Planungen für ein neues Kampfflugzeug aufnehmen. Ob es bemannt oder unbemannt fliegen soll, ist noch unklar. Das Verteidigungsministerium setzt auf eine europäische Kooperation.
Das Kampfflugzeug ist in die Jahre gekommen und soll abgelöst werden. Quelle: dpa
Deutscher Tornado

Das Kampfflugzeug ist in die Jahre gekommen und soll abgelöst werden.

(Foto: dpa)

BerlinDas Bundesverteidigungsministerium plant die Entwicklung eines neuen Kampfflugzeuges, das langfristig die Tornado-Jets ersetzen und möglicherweise unbemannt fliegen soll. 2016 seien erste Gespräche mit den europäischen Partnern zu den Anforderungen beabsichtigt, heißt es im Entwurf des Ministeriums für eine „Militärische Luftfahrtstrategie“, der Reuters am Sonntag vorlag. Eine europäische Kooperation sei sinnvoll, da ein nationaler Alleingang für Waffensysteme dieser Komplexität nicht mehr möglich erscheine.

Unklar ist dem Dokument zufolge bislang, ob das neue Kampfflugzeug bemannt oder unbemannt sein soll. Möglich sei auch, dass das Fluggerät, das bei der Bundeswehr unter der Bezeichnung „Next Generation Weapon System“ läuft, auf beide Optionen ausgelegt wird und dann je nach Einsatzart mit oder ohne Pilot fliegt. „Eine Festlegung hierzu ist im Rahmen weiterer Analysen und im Kontext einer europäischen Lösung zu treffen“, heißt es in dem Papier.

Zugleich prüft die Bundeswehr eine längere Nutzung ihrer Tornado-Kampfjets, die nach bisheriger Planung Mitte der 20er Jahre ausgemustert werden sollen. Es werde untersucht, ob die Nutzung bis in die Mitte der 30er Jahre ausgedehnt werden könne, heißt es in dem Strategiepapier. Das neue europäische Kampfflugzeug soll einsatzfähig sein, wenn die Tornados außer Dienst gehen.

Der Jagdbomber im Rentenalter
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Am Donnerstagabend ist ein Tornado in der Eifel bei einem Übungsflug abgestürzt. Beide Piloten konnte sich mit dem Schleudersitz noch rechtzeitig aus dem Kampfflugzeug retten.

Bundeswehr-Tornado abgestürzt
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Der Pilot stürzte in einen Baum und zog sich leichte Verletzungen zu, der Copilot blieb unverletzt. Munition habe sich nicht an Bord befunden, wie ein Sprecher der Bundeswehr mitteilte.

Bundeswehr-Tornado
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Die Entwicklung des Tornado-Kampfjets begann am 20. Juli 1970. Bereits 1967 hatten sich die Niederlande, Belgien, Kanada, Italien und die Bundesrepublik Deutschland zur F-104-Replacement-Group zusammengeschlossen. Kanada, Belgien und die Niederlande zogen ihre Beteiligung aber wenig später zurück. Bei der Konzeption hatte sich letztendlich Großbritannien mit dem Konzept zweisitzigen zweistrahligen Flugzeugs durchgesetzt. Die am Programm beteiligten Industriekonzerne, British Aircraft Corporation (BAC), Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) und Fiat, schlossen sich in der unabhängigen internationalen Panavia Aircraft GmbH mit Sitz in München zusammen.

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Die Endmontage der ebenfalls an unterschiedlichen Orten hergestellten Einzelteile fand ab 1973 auf den drei Linien in Warton (Großbritannien), Manching (Deutschland) und Turin (Italien) statt. In Manching fand am 14. August 1974 auch der Erstflug des Kampfjets statt, 1976 erhielt das bis dahin als MRCA bezeichnete Flugzeug den Namen Tornado.

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Ein einheitliches „Tornado“-Modell gibt es nicht, auf nationaler Ebene wurden eine Reihe von Veränderungen vorgenommen. Letztlich gibt es noch zwei Hauptvarianten, die sich deutlich voneinander Unterschieden: den Tornado IDS und den Tornado ADV. Aus ersterem gab es später verschiedene Ableitungen unter anderem für die Aufklärung.

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Der Tornado wurde von der deutschen Luftwaffe sowohl im Bosnien-Konflikt als auch im Kosovo-Krieg zu Aufklärungszwecken sowie für die Bekämpfung feindlicher Radarstellungen eingesetzt.

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Die folgenden Daten beziehen sich auf den Tornado IDS:

Länge: 16,72 m

Spannweite: 13,91 m

Leergewicht: 14.092 kg

Steigrate:165 m/s

Maximale Höhe: 15.240 m

Die Bundeswehr fliegt den Jet seit 1981 und hatte ursprünglich über 350 Exemplare davon beschafft. Die Tornados sind bisher auch dafür vorgesehen, im Falle eines Krieges mit amerikanischen Atomwaffen ausgerüstet zu werden. Neben dem Tornado verfügt die Luftwaffe über den neueren Kampfjet Eurofighter.

Das Strategiepapier gibt auch Empfehlungen dazu ab, wie multinationale Rüstungsprojekte künftig besser gestaltet werden können. In der Vergangenheit kam es bei diesen Vorhaben wegen nationaler Eitelkeiten, industriepolitischer Interessen und komplizierter Zuständigkeiten immer wieder zu massiven Problemen.

Zentraler Punkt sei, dass künftig eine Nation die Führungsrolle für ein Projekt übernehme, heißt es dazu in dem Dokument. Zudem solle sich die Verteilung der Arbeitsanteile danach richten, wo das Know-how für eine bestimmte Technologie liege, und nicht mehr hauptsächlich nach Länder-Proporz. Daneben sollten die Militärs der unterschiedlichen Länder sich auf möglichst einheitliche Anforderungen an Waffensysteme einigen, damit die Produktion nicht durch viele unterschiedliche Versionen teurer und komplizierter werde.

Das Verteidigungsministerium verwies darauf, dass es sich bei der Strategie um eine sehr komplexe Betrachtung der Entwicklung der deutschen Luftstreitkräfte handle. „Das Dokument ist aber noch nicht mit den anderen Ministerien abgestimmt, daher können wir dazu noch keine Äußerungen treffen“, sagte ein Sprecher.

  • rtr
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