Deutsche Sprache ins Grundgesetz?
Deutsch-Vorstoß löst Patriotismus-Debatte aus

Der Vorstoß der CDU zur Verankerung der deutschen Sprache im Grundgesetz hat eine Debatte über den Umgang mit nationalen Symbolen ausgelöst. Kritiker halten eine abermalige Diskussion über eine deutsche Leitkultur für falsch. Der Zentralrat der Juden befürwortet dagegen im Gespräch mit Handelsblatt.com einen „gesunden Patriotismus“ in Deutschland.

DÜSSELDORF. „Die deutsche Sprache gehört auch zur nationalen Identität“, sagte der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, im Gespräch mit Handelsblatt.com. Er halte es daher für „völlig legitim und möglicherweise sogar auch für hilfreich“, wenn die deutsche Sprache Verfassungsrang erhalte. „Das dient nicht der Ausgrenzung sondern im Gegenteil der Identifikation mit unserem Land.“

Im Übrigen, so Kramer weiter, täten sich die Deutschen keinen Gefallen, „wenn wir alle Symbole unserer Nation immer mit dem Hinweis auf das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte zerreden“. Nur wer selbstbewusst eine eigene und gefestigte Identität habe, der könne auch anderen gegenüber mit Respekt und Anerkennung begegnen. Es gebe eben nicht nur eine europäische, sondern auch eine deutsche Identität, betonte Kramer und fügte hinzu: „Ein bisschen mehr gesunder Patriotismus, aber natürlich kein chauvinistischer Nationalismus, würde uns Deutschen gelegentlich gut tun. Wir sind eine gesunde Demokratie sollten stolz darauf sein und dürfen dies auch zeigen.“

Die Grünen kritisierten dagegen den CDU-Vorstoß scharf. „Die Debatte ist großer Quatsch, als ob wir keine anderen Sorgen hätten“, sagte der Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker Beck, im Gespräch mit Handelsblatt.com. Dahinter verberge sich „deutschtümelnde Wahlkampffolklore für die geschundene CDU-Parteiseele“. Dass Deutsch die Amts- und Gerichtssprache ist, stehe schon im Bundesgesetzblatt, betonte der Grünen-Politiker. „Dazu braucht es keine großartige Verfassungsreform. Oder sollen in Zukunft noch weitere Selbstverständlichkeiten in die Verfassung: ‚Deutschland liegt in Europa’ wäre auch ein schöner Satz und ist nicht falsch“, so Beck.

Der Zentralrat der Muslime nannte das Vorhaben „lächerlich und kleinlich“ und warf der CDU einen Rückfall in die Debatte über eine deutsche Leitkultur vor. „Diese Diskussion hat unendlich viel Schaden angerichtet und schien längst überwunden“, sagte der Zentralrats-Vorsitzende Ayyub Axel Köhler der in Hannover erscheinenden „Neue Presse“. Auch aus anderen Parteien und in den eigenen Reihen wurde Kritik an dem Vorschlag laut.

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