Deutsche Unternehmen laufen in die „Altersfalle"
Fachkräftemangel kostet Wachstum

Vielen Unternehmen fehlt ein Konzept für den demographischen Wandel. Experten fordern zudem verstärkte Weiterbildung.

BERLIN. Für das neue Werk in Leipzig hat BMW die Älteren wieder entdeckt. „Ein Unternehmen braucht eine ausgewogene Altersstruktur“, sagt Rudolf Reichenauer, Personalchef in Leipzig. Deshalb wolle das Unternehmen einen Teil der 5 000 Stellen gezielt mit Arbeitnehmern über 40 Jahre besetzen. Bei über 20 % der bisherigen Einstellungen hat Reichenauer sein Versprechen wahr gemacht. Für Bewerber ab 50 bleibt allerdings auch bei BMW die Luft dünn. Vier bis fünf Prozent betrage der Anteil dieser Altersgruppe, räumt Reichenauer ein.

Trotzdem ist BMW eine löbliche Ausnahme. Denn in vielen Personalabteilungen herrscht der Jugendwahn. Bewerber ab 35 Jahre haben kaum eine Chance. Dass BMW es anders macht, betrachtet Reichenauer als ein Stück Zukunftsvorsorge. „Die Fachkräfte werden knapp“, ahnt der Personalexperte.

Bevölkerungsexperten warnen: Spätestens zu Beginn des nächsten Jahrzehnts schlägt die Vergreisung der Deutschen auf den Arbeitsmarkt durch. Das Durchschnittsalter der Arbeitskräfte steigt, vor allem aber fehlt der qualifizierte Nachwuchs. Nach einer Studie des Forschungsinstituts IAB der Bundesagentur für Arbeit sinkt bis 2015 die Zahl junger Akademiker bis 34 Jahre um mehr als ein Viertel. Das Stuttgarter Fraunhofer- Institut warnt bereits, deutsche Unternehmen liefen in die „Altersfalle“. Wer keine nachhaltigen Konzepte im Umgang mit alternden Belegschaften entwickele, der laufe Gefahr, an Innovationskraft und Leistungsfähigkeit zu verlieren, beobachtet Fraunhofer-Experte Hartmut Buck.

Konzerne wie BMW haben das Risiko erkannt und beginnen gegenzusteuern. Denn im Werk Regensburg hat der Autobauer die Erfahrung gemacht, was passiert, wenn das Thema Alterung einfach ausgeblendet wird. Dort war vor 20 Jahren eine fast ausschließlich junge Belegschaft eingestellt worden. Seitdem altert diese Generation gemeinsam der Rente entgegen, mit der Folge, dass der kontinuierliche Personalaustausch klemmt. „Da fehlt dann die Mischung, weil wir über Jahre keine jungen Leute nachschieben können“, sagt Reichenauer. Auch wolle BMW heute nicht mehr auf die Erfahrung älterer Kollegen verzichten.

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