Deutschen Telekom
Bundesregierung wartet ab

Die Bundesregierung hat offensichtlich noch keine Entscheidung darüber getroffen, wie sie ihren Ausstieg als Aktionär der Deutschen Telekom weiter gestalten will. „Warum sollte nicht auch ein privater russischer Investor genauso wie Blackstone als strategischer Investor einsteigen?“, hieß es in Regierungskreisen.

BERLIN. Ein Sprecher von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat den bekannt gewordenen Plan von Sistema, bei dem deutschen Konzern einzusteigen, zunächst zurückgewiesen. Generell und auf alle Zeiten wollen aber weder Steinbrück noch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dem Oligarchen Wladimir Jewtuschenkow und seinem Unterhändler, Ex-Telekom-Chef Ron Sommer, die Tür vor der Nase zuschlagen. „Warum sollte nicht auch ein privater russischer Investor genauso wie Blackstone als strategischer Investor einsteigen?“, hieß es in Regierungskreisen.

Vor allem Steinbrück und sein Staatsekretär Thomas Mirow, der für den Bund im Aufsichtsrat der Telekom sitzt, lassen immer wieder Sympathien dafür erkennen, für die Telekom einen sowohl finanzkräftigen als auch branchennahen Großinvestor zu finden. Im Frühjahr, bevor Blackstone für 2,7 Mrd. Euro einen 4,5-Prozent-Anteil kaufte, habe der Minister bei Banken vorgefühlt, ob sich ein Konsortium aus Finanzinvestoren schmieden ließe, um den gesamten Anteil von Bund und der staatseigenen KFW-Bankengruppe – über 30 Prozent, damals 18 Mrd. Euro wert – finden ließe. Ein Grund, dieses Vorhaben nicht weiter zu verfolgen, war, dass eine derart große Einmaleinnahme im Haushalt nur Begehrlichkeiten geweckt hätte.

Im weiteren Umfeld von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) finden sich in der SPD Befürworter gerade auch eines Einstiegs russischer Oligarchen. Diese hätten Geld und zumeist ein langfristiges strategisches Interesse. Auch sei es ein Fehler der Telekom gewesen, aus dem russischen Mobilfunkmarkt wieder auszusteigen, heißt es in diesen Kreisen. Wenn ein russischer Oligarch und ein angelsächsischer Finanzinvestor gemeinsam die Führung bei der Telekom übernähmen, könne dies das Unternehmen eher auf Zukunftskurs bringen als das heutige Management um Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke, hieß es.

Regierungsmitglieder allerdings fürchten, dass genau dieses Szenario bei den Wählern nicht gut ankommen könnte. Vor allem aus dem Bundeskanzleramt kommen zweifelnde Stimmen, sobald es um mehr geht als einen Anteil in der Blackstone-Größenordnung. Offenbar herrscht auch noch Unsicherheit darüber, wie stark der Kreml-Einfluss bei den einzelnen russischen Konglomeraten ist – und wie sich dies nach den russischen Wahlen 2008, zu denen Putin nach der Verfassung nicht wieder antreten kann, auswirken wird.

Zudem hat niemand in der Bundesregierung Interesse daran, Konflikte mit der russischen Regierung entstehen zu lassen – zu wichtig ist das Land als Energielieferant. Auch in Merkels Umfeld sind viele nicht dagegen, private russische Investoren genauso zu akzeptieren, wie deutsche Unternehmen in Russland investieren können: Es gehe um Reziprozität, hieß es.

Schnelle Entscheidungen über einen russischen Einstieg sind vor diesem Hintergrund zunächst nicht zu erwarten. In den vergangenen Wochen verwies Steinbrück mehrfach darauf, dass er beim derzeitigen Kursniveau die Bundesaktien nicht verkaufen will: Dies sei ein Verkauf unter Wert, sagte er.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%