Deutscher Gewerkschaftsbund
Sommer strebt dritte Amtszeit als DGB-Chef an

Von Amtsmüdigkeit keine Spur: Michael Sommer, seit 2002 Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), will es noch einmal wissen – und meldet frühzeitig sein Interesse an einer weiteren vierjährigen Amtszeit als Chef des gewerkschaftlichen Dachverbands an.

BERLIN. „Ich stehe für eine erneute Kandidatur zur Verfügung“, sagte Sommer dem Handelsblatt. „Ich trete noch einmal an, weil ich weiter für die kleinen Leute streiten möchte – in Deutschland, in Europa, aber auch auf internationaler Ebene.“ Damit tritt er bereits vorab möglichen Nachfolgediskussionen entgegen, die in den verbleibenden elf Monaten bis zum DGB-Bundeskongress 2010 entbrennen könnten. Nach Informationen des Handelsblatts aus Gewerkschaftskreisen ist der 57-Jährige von den Chefs der Einzelgewerkschaften im DGB-Bundesvorstand zwar bisher nicht förmlich aufgefordert worden. Man habe Sommer aber signalisiert, dass es an ihm liege, sein Interesse zu bekunden.

„Ich will weiter kämpfen für Mindestlöhne und gegen prekäre Beschäftigung, für gute, existenzsichernde Arbeit für Millionen von Menschen“, umreißt der seinen Antrieb. Immerhin seien es die Arbeitnehmer, die in der Wirtschaftskrise am meisten zu verlieren hätten. „Und daher brauchen sie gerade in dieser Situation eine starke Stimme, eine klare Vertretung ihrer Interessen“, sagt Sommer.

In Personaldingen waren Gleichklang und Harmonie beim DGB in letzter Zeit freilich nicht selbstverständlich: Auf dem Kongress 2006 kam es zum Krach, als sich die langjährige DGB-Vizechefin Ursula Engelen-Kefer per Kampfkandidatur gegen ihre von den Gewerkschaftschefs betriebene Ablösung wehrte – und damit immerhin 42 Prozent der Delegierten auf ihre Seite zog. Einen Preis für die Reibereien musste auch Sommer damals zahlen: mit einem mageren Wahlergebnis von 78,4 Prozent.

Das soll nun im Rückblick aber nur noch Ausgangspunkt eines Fortschritts sein: „Bei meiner Wiederwahl 2006 habe ich gesagt, dass ich alles tun werde, um unsere Organisation zusammenzuhalten“, erinnert er – eine Mission, die durchaus ambitioniert erschien. Seine Zwischenbilanz nach drei Jahren: Es sei gelungen, die Einigkeit wieder „deutlich zu stärken“ und damit auch den Dachverband. „Wir – der DGB und die Gewerkschaften – sind ein anerkannter und geachteter Gesprächspartner in Politik und Wirtschaft.“

Dass es für den DGB schwieriger geworden ist, Profil zu zeigen, hat indes auch mit ganz praktischen Verschiebungen zu tun: Eine Fusionswelle – Höhepunkt war die Gründung von Verdi aus fünf Einzelorganisationen – hat die Zahl der DGB-Gewerkschaften seit Mitte der 90er-Jahre von 16 auf acht halbiert. Das verringert die Freiheitsgrade für den Dachverband, eigene Linien zu prägen, sofern es die Großmitglieder IG Metall und Verdi nicht wollen. Dazu kommt ein latenter Richtungsstreit zwischen einem linken Lager um Verdi und Pragmatikern um die Chemie-Gewerkschaft IG BCE – die sich gemeinhin nicht vordrängen, wenn Sommers innigste Anhänger aufgerufen werden.

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