Deutscher Katholikentag
Kanzlerin fordert Gottesbezug in der EU-Verfassung

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat dem 96. Deutschen Katholikentag in Saarbrücken einen Besuch abgestattet. In einer Ansprache bekräftigte sie, den bislang nicht durchsetzbaren Gottesbezug in der angestrebten EU-Verfassung noch einmal ins Gespräch bringen zu wollen.

HB SAARBRÜCKEN. „Ich persönlich glaube, dass wir am Thema dran bleiben sollten“, sagte sie beim Deutschen Katholikentag am Donnerstag in Saarbrücken. Es sei wichtig, sich „zur eigenen Kultur und zu den eigenen Wurzeln“ zu bekennen. Deutschland übernimmt 2007 die EU-Ratspräsidentschaft.

An diesem Wochenende wollen sich die Außenminister der 25 EU- Mitgliedsstaaten in Wien treffen, um über eine Lösung der EU- Verfassungskrise zu beraten. Die EU-Verfassung war nach Volksabstimmungen der Franzosen und Niederländer im Jahr 2005 gescheitert.

Beim Katholikentag diskutierte die Kanzlerin mit Jugendlichen aus mehreren Ländern über die Europäische Union. Zuvor hatte Merkel am zentralen Open-Air-Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt mit 11 000 Menschen teilgenommen. Anschließend besuchte sie mehrere Infostände von katholischen Einrichtungen auf der „Kirchenmeile“.

Dabei bekräftigte sie die Absicht der Bundesregierung, im Kampf gegen die Massenarbeitslosigkeit nicht nachzulassen. Das Schlimmste wäre Gleichgültigkeit. Über die „große Lücke“ bei Ausbildungsplätzen werde das Kabinett noch einmal beraten, sagte die Kanzlerin und verwies auf den am Montag bevorstehenden „Tag der Ausbildung“. „Wir fühlen uns gefordert.“

Negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt könnte nach Ansicht der Regierungschefin die Einführung von Mindestlöhnen haben, wie sie die Gewerkschaften fordern. Die Gesellschaft müsse sich fragen, ob es sinnvoller sei, möglichst hohe Mindestlöhne zu fordern und damit vielleicht noch mehr Menschen aus der Arbeit herauszudrängen, oder ob es Möglichkeiten des Teilens gebe.

Die Bundeskanzlerin äußerte sich zurückhaltend über weitere Beitrittswünsche in die EU. „Eine Aufgabe wird sein, festzulegen, wie können wir mit Nachbarn auch eng kooperieren, ohne dass jeder gleich Mitglied der EU wird.“ Bei der Türkei, mit der EU- Beitrittsverhandlungen geführt werden, werde es noch „sehr lang“ dauern. Aber auch die Ukraine, Moldawien und viele andere Länder wollten in die EU, sagte Merkel. „Ich glaube, das werden wir nicht schaffen, das wird die Menschen verängstigen.“

Der Familienbund der Katholiken übte bei einer Katholikentags- Diskussion massive Kritik an der Bundesregierung. Nach wie vor herrsche „strukturelle Rücksichtslosigkeit“ gegenüber Familien, sagte Elisabeth Bußmann, Präsidentin des Verbandes. „Familien sind nach wie vor die vergessenen Leistungsträger in unserem Land.“ Bußmann kritisierte insbesondere das von der großen Koalition geplante Elterngeld. „Es gibt ein Leitbild von Familie, das ausschließlich beide Eltern als erwerbstätig sieht.“ Der Staat könne in die Familien aber „nicht einfach von oben hineinregieren und Modelle diktieren“.

Der Katholikentag war am Mittwochabend mit der Forderung nach mehr sozialer Gerechtigkeit und Kritik an einem ungezügelten Kapitalismus eröffnet worden. Das fünftägige Christentreffen mit rund 26 000 Dauerteilnehmern steht unter dem Motto „Gerechtigkeit vor Gottes Angesicht“ und stellt vor allem soziale Fragen in den Mittelpunkt. An diesem Freitag wird Bundespräsident Horst Köhler in Saarbrücken erwartet.

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