Deutscher Strafvollzug Jeder dritte Jurastudent fordert Todesstrafe

Der Wunsch nach harten Strafen wächst: Ein Drittel der Jurastudenten kann sich laut einer Studie die Wiedereinführung der Todesstrafe vorstellen. Mehr als die Hälfte befürwortet Folter – unter bestimmten Bedingungen.
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Eine Todeszelle in einem Gefängnis in Texas: Jeder dritte Jurastudent am Anfang seiner Ausbildung will heute die Todesstrafe zurück. Quelle: dpa

Eine Todeszelle in einem Gefängnis in Texas: Jeder dritte Jurastudent am Anfang seiner Ausbildung will heute die Todesstrafe zurück.

(Foto: dpa)

ErlangenDie Zahl der Morde und Totschläge sinkt in Deutschland seit Jahren. Die Leute fühlen sich so sicher wie fast nie zuvor. Und dennoch wächst bei jungen Jurastudenten der Wunsch nach immer härteren Strafen. Ein Drittel von ihnen befürwortet laut einer Studie sogar die Todesstrafe. Etwa gleich viele finden, dass selbst eine lebenslange Haft bei manchen Straftaten noch zu mild ist. Und die Hälfte der Befragten würde einen Verdächtigen foltern, wenn damit ein Menschenleben gerettet oder die Allgemeinheit beschützt werden könnte.

Für seine Langzeitstudie hat der Erlanger Jura-Professor Franz Streng zwischen 1989 und 2012 etwa 3100 Jurastudenten befragt, die gerade mit ihrem Studium begonnen hatten. „Das sind Ausbildungsanfänger, die noch durch die Schule, ihr Elternhaus und die Medien in ihren Ansichten geformt sind“, sagt Streng.

Die befragten Studenten schätzten das Risiko, selbst Opfer eines Angriffs zu werden, im Lauf der Jahre als immer geringer ein. Gleichzeitig würden sie für ein bestimmtes Delikt heute deutlich höhere Strafen verhängen als früher. Dies zeigte sich an einem fiktiven Beispiel: Ein Totschlag im Affekt nach der Trennung eines Pärchens. Wurden 1989 im Schnitt noch etwa sechs Jahre Haft als angemessene Strafe betrachtet, waren es 2012 fast neuneinhalb Jahre.

Mit Blick auf die Kriminalstatistik lässt sich dies nicht erklären. Demnach sinkt seit 2007 die Zahl der Gewalttaten. „Das Bemerkenswerte ist, dass die ganz schweren Straftaten in Deutschland langfristig immer weiter abgenommen haben“, sagt Streng. „Die Befragten fühlen sich heute so sicher wie kaum jemals.“ Und dennoch werden von den angehenden Juristen höhere Strafen gewollt.

Vor 37 Jahren wollte mehr als ein Drittel der Jura-Anfänger die lebenslange Freiheitsstrafe ganz abschaffen, weil sie als zu hart empfunden wurde. Heute wollen das nur noch zwei Prozent. Die Todesstrafe wurde 1977 von knapp 12 Prozent der Befragten befürwortet. Vor vier Jahren dagegen wollte sie jeder dritte Student zurück.

Einen weiteren Punkt gibt Streng zu bedenken: „Wir wissen inzwischen, dass hohe Strafen gar keinen Sinn haben.“ Sie helfen demnach weder bei der Resozialisierung noch verhindern sie Straftaten. Eine Strafe müsse vor allem angemessen sein und dürfe die Straftat nicht bagatellisieren. „Aber sie soll zugleich Rücksicht nehmen auf das künftige Leben des Bestraften.“

„Die Todesstrafe ist eine fiktive Geschichte“
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22 Kommentare zu "Deutscher Strafvollzug: Jeder dritte Jurastudent fordert Todesstrafe"

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  • Sie haben vielleicht Nerven!

    Im Falle von rückfällig gewordenen Intensivstraftätern, werden die Resozialisierungs-Befürworter dann wegen der Folgen (Mord, Vergewaltigung etc.) belangt???

    Und kommt der Richter, der ein mildes Urteil gefällt hat, für die Schäden auf, die der Freigelassene danach (wie häufig zu beoachten) verursacht???

  • Unbeschadet Pro oder Kontra zur Todesstrafe:
    Kommt dann aber ein Richter der einen Unschuldigen verurteilt für dessen Schaden auf?
    Und im Falle eines (Fehl-)Todesurteils werden die Befürworter dann wegen vorsätzlichem Mord belangt?

  • @ Enrico "FatFinger" Caruso

    "Kaum verstößt mal einer gegen die politische Korrektheit,... "

    Sie sind nicht politisch unkorrekt; Sie beführworten einfach nur eine Unrechsstaat.

  • @ G. Nampf
    Sehen Sie, so geht das!
    Kaum verstößt mal einer gegen die politische Korrektheit, und schon kommt so jemand wie Sie aufgeregt daher und wirft einem vor, chinesische oder saudi-arabische Verhältnisse haben zu wollen, und zudem Journalisten "exekutieren" zu wollen. Und selbstverständlich fehlt auch nicht der Hinweis auf unsere Vergangenheit.

    Danke für Ihre schonungslose Selbstentblößung!

  • "Das größte Problem sehe ich in dem immer noch gewaltigen Einfluß der deutschen Medien, die geschlossen gegen die Todesstrafe auftreten.

    Mit Ihrem "Rechsverständnis" könnte man diese Journalisten gleich mit exekutieren, denn sie sind ja "Volkszersetzer".

    Mein Güte, ich dacht diese Zeiten hätten wir hinter uns.

  • Dann gehen Sie doch nach China (Exekutionen wg. mittelschwerem Diebstahl) oder nach Saudi-Arabien (Exekutionen wg. irgendetwas).

    Beides Super-Rechtsstaaten nach Ihrem Verständnis.

  • @ Herr Cal Andersen

    Je unwissender und dümmer die Menschen, desto primitiver und gewalttätiger ihr handeln.
    Wer steht über dem? Wer hat einen Nutzen davon?
    Wir driften erneut von einer Hochkultur in die Barbarei. Und weil dieser Verlauf gegenwärtig eher schleichend einhergeht, begreift es die Masse nicht. Nur einige wenige Sehende erkennen die Gefahr, werden jedoch wie immer übertönt und verdrängt.

  • @ Alexander Knoll
    In einer "gesunden Gesellschaft" gibt es also keine Kapitalverbrechen?
    Ich weiß nicht, auf welchem Gebiet Sie sich auskennen, von Menschen (und ihren kriminellen Neigungen) haben Sie jedenfalls nicht die geringste Ahnung!

  • Trotz DNA-Analyse kommen Irrtümer vor. Das ist aber nicht der springende Punkt. Die Todesstrafe ist ist keine Strafe sondern gesellschaftliche Rache. Man entledigt sich eines Problems ohne es zu adressieren und etwas dagegen zu tun. Kapitalverbrechen sind in der ersten Linie ein Indiz für die Gesundheit (bzw. Krankheit) einer Gesellschaft. Das Bestrafen der Täter somit nur eine Bekämpfung der Symptome, wenn die Strafe nicht eine Resozialisierung beinhaltet. Tote können nicht resozialisiert werden. Das Ergebnis einer derartigen Justiz sehen wir in den USA. Die Todesstrafe schreckt auch nicht ab. Denn wie sonst sind die immense Menge an Verbrechen in den USA zu erklären, die trotz Todesstrafe verübt wird.

    Ein Jurist, der die Einführung der Todesstrafe fordert, hat bereits kapituliert und ist nach meiner Meinung fehl am Platz.

  • Gefaehrliche Taeter nach einer minimal Strafe wieder laufen zu lassen ist eines Rechtstaates unwuerdig. Der Schutz der Allgemeinheit sollte vor dem Schutz eines Gewalttaeters stehen, egal wie schwer dessen Kindheit war und ob er Migrationshintergrund hat.
    Da ist mir die Rechtssprechung in den USA schon lieber. Dort werden Gewalttaeter noch hart bestraft und in der Regel nicht sofort wieder auf die Allgemeinheit los gelassen. Justizskandale gibt es dort zwar auch, aber nicht in dem Umfang wie in Deutschland wo fast jeder Todschlaeger eine Bewaehrungsstrafe bekommt.

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