Deutsches Modell noch erfolgreich
Ausbildungsmarkt droht Nachwuchsmangel

Beim jährlichen Berufsbildungsbericht loben sich Wirtschaft und Regierung, Opposition und Gewerkschaften klagen. International steht Deutschland gut dar, doch die Zukunft birgt enorme Herausforderungen.
  • 4

In Europa ist fast jeder vierte junge Mensch unter 25 arbeitslos. In Griechenland und Spanien ist es sogar mehr als jeder zweite. In Deutschland liegt die Jugendarbeitslosenquote gerade mal bei 7,6 Prozent. Das deutsche duale System der Berufsbildung mit dem engen Zusammenspiel von betrieblicher Ausbildung und staatlicher Berufsschule ist deswegen ins Blickfeld vieler europäischer Regierungen geraten.

Noch nie registrierten Bundesbildungsministerium und Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) so viele Expertenanfragen aus dem Ausland wie derzeit. „Das duale System hat eine hohe Integrationskraft“, lobte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) am Mittwoch die Bilanz im dem neuen, vom Kabinett verabschiedeten Berufsbildungsbericht 2013. Und tatsächlich scheint in der Bundesrepublik jungen Menschen der Übergang von der Schule in den Beruf zur Zeit viel besser zu gelingen als in vielen anderen Industrienationen.

Doch Experten warnen auch vor voreiligen Schlüssen. Ein solches über Jahrzehnte gewachsenes Ausbildungssystem wie das deutsche lasse sich nicht einfach kopieren. Denn in nur wenigen anderen Staaten gibt es ebenfalls eine so traditionsreiche, ja fast noch ständische Kammerkultur mit den Selbstverwaltungsstrukturen von Industrie, Verwaltung und Handwerk wie in Deutschland.

Und als typisch deutsch gilt auch das relativ harmonische Zusammenspiel von Arbeitgebern und Gewerkschaften bei der Entwicklung und Modernisierung von Ausbildungsberufen. Man hat sich eingerichtet. Dabei machen die Tarifpartner nicht selten gemeinsam Front gegen das Bundeswirtschaftsministerium, das neue Ausbildungsordnungen genehmigen muss.

Doch wo viel Licht ist, da ist auch Schatten - wie ein genauerer Blick in die vielen hundert Seiten des ebenfalls am Mittwoch vom Bundesinstituts veröffentlichten Datenreports für 2013 zeigt. Die Ausbildungsbereitschaft der deutschen Wirtschaft ist auf einen neuen Tiefstand gesunken. Nur knapp 468 000 der annähernd rund 2,1 Millionen Unternehmen in Deutschland bilden überhaupt noch aus - was einer Quote von 21,7 Prozent entspricht. 2009 lag diese Quote noch bei 23,5 Prozent. Vor allem Kleinunternehmer ziehen sich zurück. Allerdings sind im Westen heute nur rund 60 Prozent der Unternehmen ausbildungsberechtigt, im Osten etwa 52 Prozent.

Seite 1:

Ausbildungsmarkt droht Nachwuchsmangel

Seite 2:

Immer weniger Bewerber

Kommentare zu " Deutsches Modell noch erfolgreich: Ausbildungsmarkt droht Nachwuchsmangel"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Soll hier schon wieder die alte Lüge vom Fachkräftemangel aufgewärmt werden? Diesmal fehlt nur noch die obligatorische Zuwanderungspropaganda.


    Nochmal zum mitschreiben:

    Den Fachkräftemangel gibt es nicht
    Den Fachkräftemangel gibt es nicht
    Den Fachkräftemangel gibt es nicht




    Wir haben einen ARBEITSPLÄTZEMÄNGEL. Mit der Lüge vom Fachkräftemangel soll unter anderem durch Zuwanderung ein Überangebot an Arbeitspkätzen geschaffen werden, durch Arbeitnehmerrechte-Abbau und dauerhafte Niedriglöhne durchgesetzt werden sollen.

    Siehe:
    http://www.politaia.org/wirtschaft/die-luge-vom-fachkraftemangel/

    oder

    http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/fachkraeftemangel-wer-hat-angst-vor-der-killerstatistik-a-791288.html


  • Wieder mal das Märchen des Fachkräftemangels - diesmal fehlen also Azubis. Vielleicht fehlt den Arbeitgebern auch schlicht ein Überangebot an gut qualifizierten Schulabgängern, mit dem man prima die Ausbildungsvergütungen drücken kann? Que sera, que sera...

  • Wo? in allen Bundesländern oder in der Uckermark?

    "Über alle Berufe hinweg sind die Engpässe bei der Fachkrankenpflege am massivsten."
    Kein Wunder, wenn die Gehälter so niedrig sind, dass nach der Ausbildung aufgestockt werden muss.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%