Deutschland-Besuch
Bush kommt und keiner darf hin

Zum dritten Mal besucht US-Präsident George W. Bush die Bundesrepublik. Am Mittwochabend ist er angekommen. Doch von dem Besuch wird kaum ein Otto-Normalbürger etwas hautnah mitbekommen. Ein riesiges Polizeiaufgebot schirmt den Staatsgast ab. Am meisten haben die Stralsunder zu leiden.

STRALSUND. Die Straßen rund um den Alten Markt in der Hafenstadt Stralsund, wo Bush kurz vor 10 Uhr von Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßt werden soll, wirkten in der Nacht zu Donnerstag wie ausgestorben. Autos waren entfernt worden; auch Fahrräder mussten weggeschoben werden. Polizisten kontrollierten und versiegelten Briefkästen. Nur sehr wenige Passanten waren auf den Straßen unterwegs.

Nur zwei Autos hätten abgeschleppt werden müssen, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstagmorgen. An den Kontrollpunkten zum Eingang in die Sicherheitszone sei es zu kurzen Staus gekommen, fügte er hinzu. Wer nicht in der Innenstadt wohnt oder arbeitet, hat keine Chance, durchgelassen zu werden. Anwohner der abgesperrten Zone müssen sich ausweisen und werden von Beamten zu ihren Häusern begleitet.

Otto-Normalbürger muss draußen bleiben

Zum Schutz des US-Präsidenten setzt der Staat rund 13 000 Polizisten und Sicherheitsbeamte ein. Zum Empfang auf dem Alten Markt in Stralsund sind nur 1 000 ausgewählte Gästen und Bundeswehrsoldaten zugelassen; der Rest muss draußen bleiben. Die Sicherheitskosten werden auf bis zu 20 Mill. Euro geschätzt.

Ein Bündnis aus Friedensgruppen, Parteivertretern und Gewerkschaften hat Proteste gegen Bushs Besuch angekündigt. Die Reihe der bundesweit 60 geplanten Protestaktionen gegen den Besuch wurde von Greenpeace-Aktivisten eröffnet, die von der Stralsunder Marienkirche ein Transparent entrollten. Zur zentralen Protestkundgebung in Stralsund werden am heutigen Donnerstag mehrere tausend Teilnehmer erwartet. Dort will auch Mecklenburg-Vorpommerns Vize-Ministerpräsident Wolfgang Methling von der Linkspartei reden.

Übernachtung in Ostseebad

Das Präsidentenflugzeug „Air Force One“ war um 21.33 Uhr auf dem massiv gesicherten Flughafen Rostock-Laage gelandet. Der Präsident und seine Ehefrau Laura wurden an der Gangway von Mecklenburg- Vorpommerns Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) und einer Ehrenformation der Bundesmarine empfangen. Bush flog mit einem Hubschrauber weiter ins kleine Ostseebad Heiligendamm, wo er bis zu seiner Abreise am Freitag übernachtet. Unmittelbar zuvor war US-Außenministerin Condoleezza Rice in Parchim bei Schwerin gelandet.

Für Donnerstag sind neben politischen Gesprächen mit Merkel ein umfangreiches Besichtigungsprogramm in Stralsund und ein Grillabend in dem Dorf Trinwillershagen geplant. Am Freitag reist Bush weiter zum G-8-Gipfel in St. Petersburg.

Die Kanzlerin will beim Präsidenten vor allem für ein gemeinsames Vorgehen im Atomkonflikt mit dem Iran werben. Die Lage hatte sich in den vergangenen Tagen zugespitzt, weil Teheran sich nach wie vor nicht eindeutig zum Angebot des Westens zur Konfliktlösung geäußert hat. Merkel und Bush wollen aber auch die explosive Lage im Nahen Osten erörtern; dort sind israelische Truppen in den Libanon eingerückt. Außerdem stehen die Themen Afghanistan, Irak und die weltweite Energieversorgung auf der Tagesordnung.

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