Deutschland Dinner
Merkel ungeschminkt

Beim Deutschland Dinner des Handelsblatts in Berlin plaudert eine entspannte Bundeskanzlerin über Physiker, Europa und Helmut Kohl. Nur in Sachen Energiewende hat Angela Merkel eine eindeutige Botschaft.
  • 61

BerlinNatürlich kennen wir Angela Merkel. Die Sture, die immer nur so viel Boden preis gibt, wie sie braucht, um ihre Macht zu erhalten. Die Kanzlerin, deren nach unten gleitende Mundwinkel Markenzeichen für ein strenges Deutschland geworden sind. Die Dame im Hosenanzug, die keine Konkurrenten duldet. Die Unfassbare, die jahrelang auf der Stelle verharrt, um dann den politischen Gegner mit seinen eigenen Themen zu überholen, beim Atomausstieg etwa.

Beim Deutschland Dinner des Handelsblatts im prachtvollen Innenhof des Deutschen Historischen Museums in Berlin saß eine andere Frau auf der Bühne: Keine wirklich Leutselige, keine schreiend Komische, keine Welterklärerin. Aber eine schlagfertige Legendenaufräumerin, eine, die beim Reden mit Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart knapp, aber bereitwillig berichtet, wie sie wurde, was sie ist.

Helmut Kohl hat sie entdeckt. Irgendwann beförderte sie dann ihren Entdecker ins politische Abseits. Ob sie etwas von ihm gelernt habe, will Steingart wissen. „Zwei Dinge“, antwortet die Kanzlerin. Kohl habe immer Terminkalender und Portemonnaie dabei gehabt und sei damit sozusagen „satisfaktionsfähig“ gewesen. Und zweitens: Er habe in großen Linien gedacht. Die Sätze klingen so, als habe Merkel mit Kohl ihren Frieden gemacht.

Sie denke die Dinge vom Ende her, werde ihr mit dem Verweis darauf, dass sie ja Physikerin sei, unterstellt. Merkel lächelt und räumt auf mit dieser Legende: „Physiker sind Wissenschaftler, Wissenschaftler sind Forscher“, sagt sie und das Wesen der Forschung sei nun einmal, dass niemand wisse, was am Ende dabei herauskomme. Den Schluss, dass es vielleicht das Wesen erfolgreicher Politiker sein könnte, Dinge mitsamt ihrem wahrscheinlichen Endergebnis zu bedenken, überlässt sie ihren Zuhörern. Mehr als 600 Handelsblatt-Leser waren gekommen, saßen bei Variationen von Garnele mit Spargel und Wildkräutern an den langen blumengeschmückten Tafeln im Museums-Innenhof.

Kommentare zu " Deutschland Dinner: Merkel ungeschminkt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Indigene Deutsche ? Manchmal verzweifle ich am beliebigen Gebrauch von Schlagworten.Es gibt indigene Völker in Europa,aber ganz gewiss zählen die Deutschen nicht dazu.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Indigene_V%C3%B6lker_Europas

  • @mikejo@gmx.net

    Sie haben vollkommen und in Gänze recht.

    Ich möchte mich ihnen ganz herzlich für ihren analytisch scharfen Kommentar bedanken.

    Deutschland ist wirklich eine Diktatur der etablierten Parteien. Eine Dikatur die gestützt auf eine Medienlandschaft, die entweder direkt von den Parteien kontrolliert wird, oder eng mit den Parteien (oder den Eliten, die diese repräsentieren) verbunden ist, direkt an den Interessen der deutschen Mehrheitsbevölkerung vorbei regieren kann.

  • Merkel hat ja auch schon angekündigt, dass das deutsche Volk, oder besser gesagt, dass, was jahrhundertelang als solches verstanden wurde keine Zukunft haben wird. Deutschland wird und s o l l -noch mehr wie heute- in einen Vielvölerstaat umgewandelt werden. Den indigenen Deutschen hält Merkel in ihren Reden die gleiche Zukunft vor Augen, wie sie den Tibetern in China bevorsteht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%