Deutschland Dinner

Merkel ungeschminkt

Beim Deutschland Dinner des Handelsblatts in Berlin plaudert eine entspannte Bundeskanzlerin über Physiker, Europa und Helmut Kohl. Nur in Sachen Energiewende hat Angela Merkel eine eindeutige Botschaft.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel vor dem Dinner mit Handelsblatt-Verleger Dieter von Holtzbrinck (l.) und Handelsblatt-Geschäftsführer Gabor Steingart. Quelle: Dominik Butzmann

Bundeskanzlerin Angela Merkel vor dem Dinner mit Handelsblatt-Verleger Dieter von Holtzbrinck (l.) und Handelsblatt-Geschäftsführer Gabor Steingart.

(Foto: Dominik Butzmann)

BerlinNatürlich kennen wir Angela Merkel. Die Sture, die immer nur so viel Boden preis gibt, wie sie braucht, um ihre Macht zu erhalten. Die Kanzlerin, deren nach unten gleitende Mundwinkel Markenzeichen für ein strenges Deutschland geworden sind. Die Dame im Hosenanzug, die keine Konkurrenten duldet. Die Unfassbare, die jahrelang auf der Stelle verharrt, um dann den politischen Gegner mit seinen eigenen Themen zu überholen, beim Atomausstieg etwa.

Beim Deutschland Dinner des Handelsblatts im prachtvollen Innenhof des Deutschen Historischen Museums in Berlin saß eine andere Frau auf der Bühne: Keine wirklich Leutselige, keine schreiend Komische, keine Welterklärerin. Aber eine schlagfertige Legendenaufräumerin, eine, die beim Reden mit Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart knapp, aber bereitwillig berichtet, wie sie wurde, was sie ist.

Impressionen vom Deutschland Dinner
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Gut 600 Leserinnen und Leser folgten der Einladung in den festlich geschmückten Schlüterhof - darunter viele Wirtschaftsgrößen.

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Dieses Deutschland Dinner ließ sich natürlich auch Handelsblatt-Verleger Dieter von Holtzbrinck (links, mit Gabor Steingart (Mitte) und Andreas F. Wilkes, rechts) nicht entgehen.

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Unter den Gästen waren auch Bert Rürup, Ingobert Waltenberger und Gernot Fiedler (NXP) (von links).

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Die Spannung war groß, schließlich war der Ehrengast Angela Merkel.

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Moderatorin Jessica Schwarzer kündigte deshalb auch nicht Gabor Steingarts „Bericht zur Lage der Nation“ an.

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Dieses Privileg gebührt in Berlin der Kanzlerin. Handelsblatt-Herausgeber Steingart musste sich ausnahmsweise mit „Anmerkungen zur Lage der Nation“ begnügen.

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Seiner Rede tat das keinen Abbruch. Merkel könne sich entspannen, ausnahmsweise wolle an diesem Abend niemand ihr Geld. Er hoffe allerdings, Merkel wolle auch nicht das Geld der Anwesenden. Der Beifall war groß.

Helmut Kohl hat sie entdeckt. Irgendwann beförderte sie dann ihren Entdecker ins politische Abseits. Ob sie etwas von ihm gelernt habe, will Steingart wissen. „Zwei Dinge“, antwortet die Kanzlerin. Kohl habe immer Terminkalender und Portemonnaie dabei gehabt und sei damit sozusagen „satisfaktionsfähig“ gewesen. Und zweitens: Er habe in großen Linien gedacht. Die Sätze klingen so, als habe Merkel mit Kohl ihren Frieden gemacht.

Sie denke die Dinge vom Ende her, werde ihr mit dem Verweis darauf, dass sie ja Physikerin sei, unterstellt. Merkel lächelt und räumt auf mit dieser Legende: „Physiker sind Wissenschaftler, Wissenschaftler sind Forscher“, sagt sie und das Wesen der Forschung sei nun einmal, dass niemand wisse, was am Ende dabei herauskomme. Den Schluss, dass es vielleicht das Wesen erfolgreicher Politiker sein könnte, Dinge mitsamt ihrem wahrscheinlichen Endergebnis zu bedenken, überlässt sie ihren Zuhörern. Mehr als 600 Handelsblatt-Leser waren gekommen, saßen bei Variationen von Garnele mit Spargel und Wildkräutern an den langen blumengeschmückten Tafeln im Museums-Innenhof.

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61 Kommentare zu "Deutschland Dinner: Merkel ungeschminkt"

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  • Indigene Deutsche ? Manchmal verzweifle ich am beliebigen Gebrauch von Schlagworten.Es gibt indigene Völker in Europa,aber ganz gewiss zählen die Deutschen nicht dazu.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Indigene_V%C3%B6lker_Europas

  • @mikejo@gmx.net

    Sie haben vollkommen und in Gänze recht.

    Ich möchte mich ihnen ganz herzlich für ihren analytisch scharfen Kommentar bedanken.

    Deutschland ist wirklich eine Diktatur der etablierten Parteien. Eine Dikatur die gestützt auf eine Medienlandschaft, die entweder direkt von den Parteien kontrolliert wird, oder eng mit den Parteien (oder den Eliten, die diese repräsentieren) verbunden ist, direkt an den Interessen der deutschen Mehrheitsbevölkerung vorbei regieren kann.

  • Merkel hat ja auch schon angekündigt, dass das deutsche Volk, oder besser gesagt, dass, was jahrhundertelang als solches verstanden wurde keine Zukunft haben wird. Deutschland wird und s o l l -noch mehr wie heute- in einen Vielvölerstaat umgewandelt werden. Den indigenen Deutschen hält Merkel in ihren Reden die gleiche Zukunft vor Augen, wie sie den Tibetern in China bevorsteht.

  • MERKEL UNGESCHMINKT ZUM DEMOGRAPHISCHEN VERDRÄNDUNG DER DEUTSCHEN.

    Merkel spricht auch zu anderen Gelegenheit vergleichsweise ungeschminkt. So hat sie am 10. 4 anlässlich eines Festakts „60 Jahre Bundesamt für Migration und Flüchtlinge offen über ihre Vorstellungen und die ihrer Partei von der Zukunft Deutschlands und der "Biodeutschen" gesprochen.

    In Merkels eigenen Worten (das Phrasenschweinchen platzt mal wieder vor Überfüllung):

    >>In Deutschland leben nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts rund 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Das ist etwa ein Fünftel unserer Bevölkerung. Die Zuwanderung ausländischer Mitbürgerinnen und Mitbürger ist sozusagen kein vorübergehendes Phänomen, wie lange angenommen wurde, sondern eine dauerhafte Realität. Deshalb dürfen wir nicht dabei stehen bleiben, dass wir ein Land sind, das eine hohe Migrationsrate hat, sondern wir wollen ein Integrationsland werden. Integration – das ist ein Wort für einen verstärkten Zusammenhalt. ...

    In Zeiten von Globalisierung, aber auch in Zeiten des demografischen Wandels, den wir in Deutschland sehen, ist das von allergrößter Bedeutung. Denn in den nächsten Jahrzehnten wird sich unsere Bevölkerung noch einmal stark verändern. Wir werden weniger werden, wir werden im Durchschnitt älter werden und wir werden in unserer Bevölkerungsstruktur vielfältiger werden. ... Und unser Land und sein Bild in der Welt werden auch dadurch geprägt, wie wir miteinander umgehen.<<

    Merkel spricht hier unmissverständlich aus, dass die „Struktur“ der „Bevölkerung“ aufgrund der Zuwanderung und der sie begleitenden demographischen Dynamik innerhalb der nächsten Jahrzehnte zu Ungunsten der deutschen Noch-Mehrheit kippen wird. Sie sagt ganz offen, dass sich Deutschland in einen Vielvölkerstaat verwandeln wird,und daß diese Entwicklung nicht aufzuhalten sei, sondern vielmehr noch aktiv voranzutreiben sei.

  • @mikejo@gmx.net
    Meine lange Antwort ist ins Nirvana verschwunden, weil der Mailserever ausgefallen war. Daher nur kurz, nur zum Teil Zustimmung. Zur Meinungsvielfalt: Sehen Sie sich SPON an. 7 verschiedene Kolumnisten, ganz links bis recht. Wenn der Augstein schreibt, dann geht der Shitstorm von Recht los und wenn der Fleischauer schreibt, dann umgekehrt.
    Hier handelt es sich nur um einen Artikel in HB. Es gibt auch andere, wenn zB. Henkel oder Tichy oder andere schreiben. Mit dieser Meinungsvielfalt kann ich gut leben.

  • Vicario, achten Sie auf Ihren Blutdruck! Permanente Aufregung schadet der Gesundheit und versaut das Leben!

  • Das Buch welches Steingart geschrieben hat (wir diskutierten ja gestern darüber) und er die Fehler in Deutshland anprangert und die Lobhudelei jetzt mit Merkel, passen irgendwie nicht zusammen.
    Da muß ich mich fragen, ob Steingart gar keinen eigene Linie hat odr eben nur stromlinienförmig ist

  • mikejo@gmx.net
    sehr gut beschrieben.
    Beim WDR z. B. muß man, wenn man sich dort bewirbt und genommen wird, unterschreiben, dass man nur die polit. Meinung des Senders vertritt und die ist ja, wie bekannt, stramm links.
    Mir wurde das vor einiger Zeit so berichtet.
    Da kann man eigentlich nur noch entsetzt fragen Wo leben wir inzwischen?

  • mikejo@gmx.net
    Was Sie schreiben, paßt doch zu den Aussagen von dem Staatsrechtler von Arnim
    Wir haben de facto keine Demokratie, sondern einen Parteienstaat, eine Parteiendiktatur.
    Die Parteien haben sich unser Land untereinander aufgeteilt und halten es wie eine große Krake im Griff
    Unser Wahlen z. B. sind eine Farce. Mehr als 1/3 der Bundestagsabgeordneten sind nie von uns gewählt z. B.
    Dohnani habe ich in letzter Zeit ein paar Mal in Talk Shows gesehen und war entsetzt über sein Gerede.
    Er scheint ein absoluter Merkel-Anhänger zu sein.
    Gerade ein Mann wie er, sollte wissen, wohin so ein diktatorisches Machtstreben wie Merkel es praktiziert, führen kann

  • HoffmannM
    "ZUM WOHLE DES DEUTSCHEN VOLK"
    Diese Formel wird sicherlich auch bundesweit demnächst abgeschafft.
    In NRW wurde sie es schon

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