Deutschland-Dinner: Merkel warnt vor Geiselhaft durch Banken

Deutschland-DinnerMerkel warnt vor Geiselhaft durch Banken

Im Gespräch mit Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart bezieht Bundeskanzlerin Angela Merkel klar Stellung: Die Politik sollte ihre Abhängigkeit von der Finanzindustrie verringern. Dazu müssten die Schulden sinken.

DüsseldorfBundeskanzlerin Angela Merkel will die in der Schuldenkrise gewachsene Abhängigkeit der Staaten von den Banken wieder reduzieren. „Eine Bank darf in der Tat nicht die gesamte Gesellschaft und Wirtschaft gleichsam zur Geisel nehmen können“, sagte Merkel bei einem Interview mit dem Handelsblatt. Dazu sei es zentrale Aufgabe für die Politik den Kurs des Schuldenmachens zu ändern. „Wir werden als Staaten und Politiker dann am besten von den Banken unabhängig, wenn wir keine Schulden mehr machen“, so die Kanzlerin.

Laut Merkel gibt es viele Gründe für den Abbau von Schulden. „Einmal, um unabhängiger von internationalen Finanzmarktakteuren zu werden. Zum Zweiten, weil Banken dazu neigen, erst Staatsanleihen zu kaufen, bevor sie der Wirtschaft Kredite geben“. Sie zeigte sich besorgt, dass die Versorgung mit Krediten „in Ländern mit hoher Staatsverschuldung immer schwieriger sein“ werde.  

Die Euro-Krise hält die Bundeskanzlerin noch nicht für beendet. Sie habe, so Merkel, „mit Bedacht nie gesagt, diese Krise am Ende sei, sondern nur, dass wir eine beachtliche Wegstrecke zurückgelegt haben“. Es müssten aber „noch viele weitere Schritte“ gegangen werden.

Die Umsetzung der Energiewende hält Merkel für machbar. „Wenn unser Land es nicht schaffen würde, bis 2022 zwanzig Gigawatt Leistung mittels Kohle- und Gaskraftwerken zu ersetzen, dann wären wir ein schlechtes Hochtechnologieland.“ Erneuerbare und konventionelle Energien müssten in ein vernünftiges Verhältnis gebracht werden. Merkel: „Wir müssen den Ausbau der erneuerbaren Energien kontrolliert vorantreiben, außerdem den Ausbau grundlastfähiger Kraftwerke koordinieren und natürlich die für den Energietransport notwendigen Leitungen errichten.“

Kommentare zu " Deutschland-Dinner: Merkel warnt vor Geiselhaft durch Banken"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 7:30 bis 21 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • 2008 wurde für alle offensichtlich, wohin uns insbesondere die von Frau Merkel unterstützte und gewollte, „beachtliche Wegstrecke“ der Politik der Deregulierung der „Märkte“ geführt hat. Im Jahre 2013 liest man von dieser Person u.a. nun im „Handelsblatt“: „… ‚Eine Bank darf … nicht die gesamte Gesellschaft und Wirtschaft … zur Geisel nehmen können‘ … ‚Wir werden als Staaten und Politiker dann am besten von den Banken unabhängig, wenn wir keine Schulden mehr machen‘ [sic! laut „Handelsblatt“] … Laut Merkel gibt es viele Gründe für den Abbau von Schulden. ‚Einmal, um unabhängiger von internationalen Finanzmarktakteuren zu werden. Zum Zweiten, weil Banken dazu neigen, erst Staatsanleihen zu kaufen, bevor sie der Wirtschaft Kredite geben‘. [sic! laut „Handelsblatt“] … Sie zeigte sich besorgt, dass die Versorgung mit Krediten ‚in Ländern mit hoher Staatsverschuldung immer schwieriger sein‘ werde. … [Merkel] habe … ‚mit Bedacht nie gesagt, [daß] diese Krise am Ende sei, sondern nur, dass wir eine beachtliche Wegstrecke zurückgelegt haben‘. Es müssten aber ‚noch viele weitere Schritte‘ gegangen werden. …“

    Nun, es sind beispielsweise obige Äußerungen, die den besorgniserregenden Zustand „unseres“ politisch „führenden“ Personals preisgeben – wenn auch ungewollt.

    „… [Merkel] habe … ‚… gesagt …, dass wir eine beachtliche Wegstrecke zurückgelegt haben‘. …“

    Ja, das ist wohl so, daß wir durch sie eine „beachtliche Wegstrecke“ in der falschen Richtung zurückgelegt haben.

    Mit freundlichen Grüßen, Joachim Endemann

  • Wenn Sie die AfD wählen (nach Kommentaren scheinbar sehr beliebt hier), dann sollten sie sich bitte auch INTENSIV mit denen beschäftigen, also nicht nur das, was sie selbst über sich verkunden, sondern was investigative Journalisten/Blogger über die Personen, ihr Denken und Handeln, ihre Glaubwürdigkeit, etc... herausbekommen haben.

    Leider wird nämlich wie z.B. hier im Handelsblatt die AfD als die Lösung mit den Genies schlechthin dargestellt und dem kann ich nach mehrwöchiger Recherche zur AfD nicht mal im Ansatz zustimmen. Ich würde sie am ehesten als noch radikalere CDU/FDP Mischung sehen, die noch stärker an das Dogma und Ideologie des Marktes glauben und eine weitergehende neoliberale Politik wünschen (Privatisierung, Sozialstaat abschaffen, Löhne/Gehälter bei der Masse klein halten, Vermögen/Kapital möglichst gering besteuern, etc...). Also das, was die letzten 20 Jahre in Deutschland schon ablief in noch schnellerem Tempo und dann am besten in der ganzen EU.

  • Worten müssen Taten folgen.
    Gerne möchte ich mit Frau Merkel über die Realität sprechen. Informationen zu den konkreten Hintergründen habe ich an Herrn Steingart geschickt. Ich bin gespannt.

Serviceangebote