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Deutschland-Dinner: Merkel warnt vor Geiselhaft durch Banken

exklusivIm Gespräch mit Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart bezieht Bundeskanzlerin Angela Merkel klar Stellung: Die Politik sollte ihre Abhängigkeit von der Finanzindustrie verringern. Dazu müssten die Schulden sinken.

Bundeskanzlerin Angela Merkel unterhält sich mit Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart. Quelle: Dominik Butzmann
Bundeskanzlerin Angela Merkel unterhält sich mit Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart. Quelle: Dominik Butzmann

DüsseldorfBundeskanzlerin Angela Merkel will die in der Schuldenkrise gewachsene Abhängigkeit der Staaten von den Banken wieder reduzieren. „Eine Bank darf in der Tat nicht die gesamte Gesellschaft und Wirtschaft gleichsam zur Geisel nehmen können“, sagte Merkel bei einem Interview mit dem Handelsblatt. Dazu sei es zentrale Aufgabe für die Politik den Kurs des Schuldenmachens zu ändern. „Wir werden als Staaten und Politiker dann am besten von den Banken unabhängig, wenn wir keine Schulden mehr machen“, so die Kanzlerin.

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Laut Merkel gibt es viele Gründe für den Abbau von Schulden. „Einmal, um unabhängiger von internationalen Finanzmarktakteuren zu werden. Zum Zweiten, weil Banken dazu neigen, erst Staatsanleihen zu kaufen, bevor sie der Wirtschaft Kredite geben“. Sie zeigte sich besorgt, dass die Versorgung mit Krediten „in Ländern mit hoher Staatsverschuldung immer schwieriger sein“ werde.  

Interview zum Download „Es muss auch Vergebung geben“

Beim Deutschland-Dinner des Handelsblatts diskutiert Bundeskanzlerin Angela Merkel über die Risiken der Euro-Rettung, die Kosten der Energiewende – und Barmherzigkeit als Tugend der Politik. Das Gespräch im Wortlaut.

Interview zum Download: „Es muss auch Vergebung geben“

Die Euro-Krise hält die Bundeskanzlerin noch nicht für beendet. Sie habe, so Merkel, „mit Bedacht nie gesagt, diese Krise am Ende sei, sondern nur, dass wir eine beachtliche Wegstrecke zurückgelegt haben“. Es müssten aber „noch viele weitere Schritte“ gegangen werden.

Die Umsetzung der Energiewende hält Merkel für machbar. „Wenn unser Land es nicht schaffen würde, bis 2022 zwanzig Gigawatt Leistung mittels Kohle- und Gaskraftwerken zu ersetzen, dann wären wir ein schlechtes Hochtechnologieland.“ Erneuerbare und konventionelle Energien müssten in ein vernünftiges Verhältnis gebracht werden. Merkel: „Wir müssen den Ausbau der erneuerbaren Energien kontrolliert vorantreiben, außerdem den Ausbau grundlastfähiger Kraftwerke koordinieren und natürlich die für den Energietransport notwendigen Leitungen errichten.“

115 Kommentare

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  • 25.04.2013, 23:58 UhrJoCit

    2008 wurde für alle offensichtlich, wohin uns insbesondere die von Frau Merkel unterstützte und gewollte, „beachtliche Wegstrecke“ der Politik der Deregulierung der „Märkte“ geführt hat. Im Jahre 2013 liest man von dieser Person u.a. nun im „Handelsblatt“: „… ‚Eine Bank darf … nicht die gesamte Gesellschaft und Wirtschaft … zur Geisel nehmen können‘ … ‚Wir werden als Staaten und Politiker dann am besten von den Banken unabhängig, wenn wir keine Schulden mehr machen‘ [sic! laut „Handelsblatt“] … Laut Merkel gibt es viele Gründe für den Abbau von Schulden. ‚Einmal, um unabhängiger von internationalen Finanzmarktakteuren zu werden. Zum Zweiten, weil Banken dazu neigen, erst Staatsanleihen zu kaufen, bevor sie der Wirtschaft Kredite geben‘. [sic! laut „Handelsblatt“] … Sie zeigte sich besorgt, dass die Versorgung mit Krediten ‚in Ländern mit hoher Staatsverschuldung immer schwieriger sein‘ werde. … [Merkel] habe … ‚mit Bedacht nie gesagt, [daß] diese Krise am Ende sei, sondern nur, dass wir eine beachtliche Wegstrecke zurückgelegt haben‘. Es müssten aber ‚noch viele weitere Schritte‘ gegangen werden. …“

    Nun, es sind beispielsweise obige Äußerungen, die den besorgniserregenden Zustand „unseres“ politisch „führenden“ Personals preisgeben – wenn auch ungewollt.

    „… [Merkel] habe … ‚… gesagt …, dass wir eine beachtliche Wegstrecke zurückgelegt haben‘. …“

    Ja, das ist wohl so, daß wir durch sie eine „beachtliche Wegstrecke“ in der falschen Richtung zurückgelegt haben.

    Mit freundlichen Grüßen, Joachim Endemann

  • 24.04.2013, 15:13 UhrUmdenker

    Wenn Sie die AfD wählen (nach Kommentaren scheinbar sehr beliebt hier), dann sollten sie sich bitte auch INTENSIV mit denen beschäftigen, also nicht nur das, was sie selbst über sich verkunden, sondern was investigative Journalisten/Blogger über die Personen, ihr Denken und Handeln, ihre Glaubwürdigkeit, etc... herausbekommen haben.

    Leider wird nämlich wie z.B. hier im Handelsblatt die AfD als die Lösung mit den Genies schlechthin dargestellt und dem kann ich nach mehrwöchiger Recherche zur AfD nicht mal im Ansatz zustimmen. Ich würde sie am ehesten als noch radikalere CDU/FDP Mischung sehen, die noch stärker an das Dogma und Ideologie des Marktes glauben und eine weitergehende neoliberale Politik wünschen (Privatisierung, Sozialstaat abschaffen, Löhne/Gehälter bei der Masse klein halten, Vermögen/Kapital möglichst gering besteuern, etc...). Also das, was die letzten 20 Jahre in Deutschland schon ablief in noch schnellerem Tempo und dann am besten in der ganzen EU.

  • 24.04.2013, 08:50 UhrGast3455

    Ich habe auch das gefühl. dass die Politiker sich gegenseitig beleidigen, beschimpfen, den Tod wünschen wie in einer Satire und dann hinter den Kameras ist alles verziehen und vergessen. Diese dumm... geplapper ist einfach unerträglich

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