_

Deutschland: Familie und Bildung Top-Themen im Wahlkampf

Für deutsche Eltern ist Familien- und Bildungspolitik mindestens ebenso wichtig wie die Bewältigung der Wirtschaftskrise. Doch von der Politik fühlt sich die Mehrheit im Stich gelassen. Sie fordern grundlegende Reformen statt neuer Fördertöpfe.

Nachholbedarf: Für die Mehrheit der Eltern ist von einer "Betreuungsoffensive" nichts zu spüren Quelle: dpa
Nachholbedarf: Für die Mehrheit der Eltern ist von einer "Betreuungsoffensive" nichts zu spüren Quelle: dpa

BERLIN. 14 Millionen Minderjährige leben in Deutschland, deren Eltern am 27. September über die familien- und bildungspolitischen Programme der Parteien abstimmen können. Nach einer aktuellen Forsa-Studie im Auftrag der Zeitschrift „Eltern“ verfehlen aber nahezu alle Parteien mit ihren Wahlprogrammen die Interessen der Familien. Gut ein Viertel der befragten Eltern gab daher an, gar nicht wählen zu wollen. „Damit zeigen die Eltern ihren Unmut über Angebote der Politik“, sagte Forsa-Chef Manfred Güllner.

Anzeige

Besonders die immer noch schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf und das föderale Bildungssystem stoßen bei den Eltern auf Kritik. Die von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) ausgerufene Bildungsoffensive wird von gut zwei Drittel der Befragten bislang überhaupt nicht wahrgenommen. Zwar hat die Bundesregierung in den vergangenen Jahren viele neue Fördertöpfe für die Familien geöffnet, doch die überwiegende Mehrheit hat nicht das Gefühl, dass dieses Geld auch bei Ihnen ankommt. Besonders Eltern mit einem mittleren Einkommen kritisieren die Familienförderung als „Augenwischerei": 82 Prozent glauben, dass sie Geld erhalten, das ihnen zuvor über Steuern und Abgaben weggenommen wurde.

Verglichen mit dem Bundesdurchschnitt würden Eltern bei der Bundestagswahl eher links wählen. Forderungen nach einer Grundsicherung für jedes Kind, wie die Grünen sie vorschlagen, kommen bei gut einem Drittel der Eltern gut an. Doch statt noch mehr Fördertöpfe aufzumachen, fordern Eltern grundlegende Reformen, die die Familien finanziell entlasten. Dazu gehört die Abschaffung des Einverdiener-Modells ebenso wie die Aufwertung der Teilzeitarbeit. Denkbar wäre hier die Einführung von Arbeitszeitkonten, die es Eltern ermöglichen, während der Betreuungszeit weniger zu arbeiten und diese Zeit wieder aufzuholen, sobald die Kinder in die Schule gehen. 37 Prozent der Eltern befürworten die Möglichkeit, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Knapp ein Drittel der Befragten wünscht sich zudem mehr Unternehmen, die Vätern und Müttern auch in Teilzeitpositionen Aufstiegsmöglichkeiten bieten.

Die finanzielle Entlastung der Familien durch ein Betreuungsgeld befürworten knapp zwei Drittel der Befragten. Damit zeige sich, dass das von der CSU befürwortete Betreuungsgeld von den Familien nicht grundsätzlich als „Herdprämie“ abgelehnt werde, sagte Marie-Luise Lewicki, Chefredakteurin der „Eltern“. Wenn die Familienarbeit aber wie die Erwerbstätigkeit entlohnt und damit gleichgestellt würde, würde dies die Wahlfreiheit des Lebensmodells unterstützen.

Die Abschaffung des föderalen Bildungssystems steht bei den Eltern ebenfalls ganz oben auf der Wunschliste. 91 Prozent der Eltern wünschen sich einheitliche Lehrpläne und Anforderungen, damit ein Umzug der Familie in ein anderes Bundesland für das Kind nicht nachteilig ist. Gut die Hälfte der Eltern würde ihr Kind zudem aus dem öffentlichen Schulsystem herausnehmen, wenn sie sich eine Privatschule leisten könnten. Besonders Eltern mit Hauptschulabschluss kritisieren das staatliche System mit der dreigliedrigen Struktur. Die Politik setzt stattdessen auf die verstärkte Förderung lernschwacher Kinder und den Ausbau der Ganztagsschulen. Bildung soll vorerst Ländersache bleiben.

  • Die aktuellen Top-Themen
Die Linke: Ulrich Maurer greift Parteispitze an

Ulrich Maurer greift Parteispitze an

In der Linken mehrt sich der Protest gegen die Parteispitze und den Zustand der Partei. Fraktionsvize Ulrich Mauer fordert eine radikale Verjüngungskur - und mehr Frauen. Denn in diesem Punkt hapert es gewaltig.

Gastkommentar: Die CDU muss weiter nach links rücken

Die CDU muss weiter nach links rücken

Nach der NRW-Wahl muss die Union neue Prioritäten setzen: Sie muss auf die Sorgen der Menschen reagieren. Sonst verliert sie noch mehr Vertrauen - und ihren Status als Volkspartei.

Studie: Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Wenn zwei Unternehmen um ein anderes streiten, bedeutet das oft nicht Gutes für den Gewinner. Denn bei Übernahmen können die Sieger die Erwartungen oft nicht erfüllen. Profiteur ist - der Verlierer.