Deutschland im Visier
„Spekulanten wetten auf den Weltuntergang“

In der Schuldenkrise könnte auch Deutschland in schwieriges Fahrwasser geraten. Darauf deuten die gestiegen Kosten für Kreditausfallversicherungen hin. Ein Ökonom schlägt Alarm und fordert, die Angriffe abzuwehren.
  • 14

DüsseldorfAngesichts der Finanzmarktspekulationen gegen Frankreich und Deutschland fordert der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, ein verbot des Handels mit Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, kurz: CDS). Die einzig rationale Motivation der Anbieter und Käufer von CDS könne gegenwärtig nur deren gewinnträchtiger Weiterverkauf an Gutgläubige sein. „Das aber ist kein produktiver Handel, sondern ein mieses Wettspiel, das  schlicht verboten gehört“, sagte Horn Handelsblatt Online.

Unter Investoren geht nicht nur die Angst um, dass die Euro-Schuldenkrise weitere Länder erfasst und in den Abwärtsstrudel reißt. Zudem bezweifeln immer mehr Anleger, dass europäische Politiker die Krise in den Griff kriegen. In Bankenkreisen gilt es daher als wahrscheinlich, dass die Lage an den Refinanzierungsmärkten vorerst schwierig bleibt. Verschärft wird die Krise durch spekulative Investoren, die auf den Kollaps von Staaten und Banken wetten.

„Wenn Panik herrscht, setzt der Verstand aus, denn diese CDS sind gleichsam Wetten auf den Weltuntergang“, sagte IMK-Chef Horn dazu. Wenn sowohl die Bundesregierung  als auch die französische Regierung  in die Verlegenheit  kämen, ihre Schulden nicht  mehr  bedienen zu können, dann seien die meisten Regierungen  inklusive  der USA und Japan schon längst zahlungsunfähig. „Es  gehört nicht viel Phantasie dazu vorherzusagen, dass dann die Finanzmärkte  insgesamt zusammengebrochen sein werden“, so Horn. „Daher würden die  Besitzer einer CDS in dieser Situation mit hoher Wahrscheinlichkeit  völlig leer ausgehen, weil diejenigen, die die CDS begeben haben, selbst pleite sind.“

Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW), Michael Hüther, machte die Politik für die momentanen teilweise scharfen Marktreaktionen mitverantwortlich. „Wir erleben in diesen Tagen, wie eine fundamentale Neubewertung der Staatsverschuldung und weitgehende Zweifel an der politischen Handlungsfähigkeit vieler Staaten die Finanzmärkte in Übertreibungen führt", sagte Hüther Handelsblatt Online. "Die Laxheit der letzten Dekade führt nun zu einer völligen Schuldenintoleranz." Dabei hätten Finanzinnovationen, wie bestimmte Ordertechniken eine besondere Bedeutung erhalten. Politik kann dagegen nicht aber schnell wirksam agieren. "Spekulanten verlieren dann ihre Grundlage, wenn die Erwartungen gebrochen werden", sagte der IW-Chef. Deutschland und Frankreich seien Herren ihrer Staatsfinanzen. Die Konsolidierungszwänge seien erkannt und adressiert. "Insofern daran keine Zweifel begründet sind, sollten sich auch die Märkte beruhigen." Manchmal müsse man einfach abwarten, so Hüther.

Kommentare zu " Deutschland im Visier: „Spekulanten wetten auf den Weltuntergang“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Bundesregierung muss endlich erkennen, dass das KRIEG ist. Hier spekulieren nicht ein paar Anleger.

    Das ist ein gezielt von den USA gesteuerter KRIEG gegen Europa.

    Dagegen dürfen unsere Politiker nicht halbherzig vorgehen! Da gehört zurückgeschossen (bildlich gesprochen).

    USA muss aufgefordert werden, mitzuhelfen, CDS WELTWEIT zu verbieten. Wenn USA da nicht mitmacht ist es offensichtlich:

    Die USA ist unser GEGNER in diesem KRIEG.

  • Herr Hüther hat unrecht: Deutschland und Frankreich sind eben nicht Herr ihrer Finanzen, falls beide Parlamente den neuen unbefristeten Rettungsschirm ESM verabschieden würden. Nach diesem Vertrag entscheidet der ESM dann ganz allein, wieviel Geld er braucht - geliefert werden muss innerhalb von 5 Tagen. Und wenn ein Land nicht liefern kann, müssen die anderen einspringen. So steht es im ESM-Vertrag. Ein bashing von Finanzinstrumenten ist doch irrelevante Spiegelfechterei, wenn die nationalen Parlamente gerade ihr Budgetrecht in den Orkus schreiben...

  • Mit allem Verständnis für freien Journalismus, dieser Beitrag schlägt dem Fass den Boden aus. Derjenige der CDS verbietet verursacht sofort den Crash des globalen Finanzsystems, die reine Ankündigung würde schon genügen. Es ist eine Sache theoretisch zu flanieren und zu wissen welche gewaltige Sprengkraft CDS-Konstruktionen haben. Eine andere Sache ist es aber ein neues globales Finanzsystem ohne CDS zu designen und einzuführen. CDS sind dabei nur eine Komponente unter vielen, die Funktionen im modernen Finanzsystem übernehmen. Man sollte jetzt mal Farbe bekennen und nicht weiter rumdoktern an CDS und Ratingagenturen. Es geht um eine Masteranalyse und Masterplan eines neuen Finanzsystems. Nicht einmal ein Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK)erkennt die wahre Dimension der systemischen Krise, das ist erschreckend!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%