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11.06.2008 
Bildungsbericht

Deutschland investiert einen immer kleineren Teil des BIP in Schulen

von Barbara Gillmann

Bildungsforscher schlagen Alarm: Die Ausgaben Deutschlands für Bildung wachsen zwar, aber deutlich langsamer als die Wirtschaftskraft-bei der Weiterbildung wird sogar drastisch gekürzt. Das geht aus dem zweiten nationalen Bildungsbericht hervor, der dem Handelsblatt vorliegt.

BERLIN. Mitte der 90er Jahre flossen noch 6,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes in die Bildung - 2006 waren es nur noch 6,2 Prozent. Im internationalen Vergleich liegt die Bundesrepublik damit unter dem OECD-Schnitt, heißt es in dem Bericht, den die Kultusminister am Donnerstag offiziell vorstellen.

Die Finanzlücke klafft vor allem bei den allgemein bildenden Schulen: 1995 investierten die Länder hier noch 2,5 Prozent des Inlandsproduktes - zehn Jahre später waren es nur noch 2,2 Prozent. Der Anteil, der in die Berufsausbildung fließt, ist dagegen auf dem gleichen Niveau geblieben. Einen Niedergang erlebt das lebenslange Lernen: Die Ausgaben für die betriebliche Weiterbildung sind in einem Jahrzehnt von 0,5 auf 0,3 Prozent des BIP gefallen Der Bildungsbericht erschien erstmals 2006 und soll einen besseren Überblick über Stärken und vor allem Schwächen des durch die Zuständigkeit der Länder unübersichtliche Bildungssystem schaffen.

Inhaltlich verweisen die Autoren im 2. Bericht auf drei Schwachpunkte: Die Berufsausbildung verliert ihre Fähigkeit, schwache Jugendliche zu integrieren und Migranten-Kinder werden in der Schule noch viel zu wenig gefördert. Schließlich droht der Mangel an qualifizierten Lehrern die Reformen in der Schule ernsthaft zu gefährden - gerade auch in Mathematik und Naturwissenschaften.

Vor allem Jugendliche, die nur einen Hauptschulabschluss oder gar keinen Abschluss haben, schaffen nur mit Mühe den Sprung in den Beruf: Selbst zweieinhalb Jahre nach Schulschluss haben erst 60 Prozent eine vollwertige Ausbildung begonnen. Der Rest hat aufgegeben oder vertrödelt noch mehr Zeit in den Warteschleifen der Arbeitsämter. Da sie zum Teil mehrere Maßnahmen hintereinander besuchen, mahnen die Autoren des Bildungsberichtes dringend eine höhere "Effizienz des Übergangssystem" an.

Das Problem der mangelnden Integration der Migrantenkinder ist seit Jahren bekannt - dennoch habe sich deren "Kompetenzrückstand seit der ersten Pisa-Studie nicht verringert", kritisiert der Bericht. Das sei umso schlimmer, als der Anteil der Migranten von Schuljahr zu Schuljahr steigt - in einigen Regionen Westdeutschlands und Berlins sind es schon mehr als 50 Prozent. Das Problem beginnt früh: fast jedes dritte Migrantenkind geht in einen Kindergarten, in dem mehr als die Hälfte der Kinder zu Hause auch kein Deutsch sprechen Zwar prüfen mittlerweile alle Länder die Kinder vor der Einschulung auf ihre Deutschkenntnisse. Allerdings ist der Test nicht überall Pflicht, kritisiert der Bericht. Zudem ist die Förderung für die Kinder mit Nachholbedarf sehr unterschiedlich und reicht von lediglich 40 bis zu 400 Stunden.

Ein "ernsthaftes Problem" sei der Zusatzbedarf an Erzieherinnen und an Lehrern. Vor allem beim Versuch, Mathematik, Technik und Naturwissenschaften zu stärken, gebe es zwar erste Erfolge. Diese würde jedoch zunichte gemacht, wenn nicht genug qualifizierte Lehrer rekrutiert werden können. "Gegenwärtig spricht jedoch alles dafür, dass schon quantitativ der Ersatzbedarf nicht gedeckt werden kann", warnen die Autoren.

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