Deutschland und Russland
„Da ist viel kaputt gegangen“

Das deutsch-russische Verhältnis schwankt schon seit langem, auch künftig wird es offenbar keine Entspannung geben. Der Konflikt in und um die Ukraine ist der Hauptgrund dafür. Matthias Platzeck fordert deshalb Klarheit.
  • 36

MoskauDer Chef des Deutsch-Russischen Forums, Matthias Platzeck (SPD), hält die aktuelle Lage in der Ukraine für „hochgefährlich“ und glaubt nicht, dass sich das Verhältnis zwischen Deutschland und Russland in den kommenden Jahren komplett entspannt. „Da ist viel kaputt gegangen“, sagte der ehemalige Ministerpräsident Brandenburgs und SPD-Bundesvorsitzende in einem Interview mit dem Handelsblatt (Freitagausgabe) in Moskau.

Um aus der „Spirale der Sanktionen“ herauszukommen, müsse zunächst die Krimfrage „völkerrechtlich hinnehmbar“ geregelt werden, betonte Platzeck. Moskau und Kiew müssten darüber verhandeln, zu welchem Staat die durch Russland annektierte Halbinsel Krim künftig gehören wird. „Vielleicht mit einem erneuten Referendum, oder mit Debatten über eine finanzielle Entschädigung von Russland an die Ukraine“, sagte der 60-Jährige. Außerdem schlug er vor, dass der Westen Russland einen neuen Dialog in der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) anbietet, der die russischen Bedrohungsängste gegenüber der Nato aufnimmt.

„Ich möchte mir Russland als zweitgrößte Nuklearmacht der Welt nicht in einem politisch instabilen Zustand vorstellen“, sagte Platzeck. „Wenn die wirtschaftlichen Sanktionen für soziale Unruhen sorgen und die jetzige Regierung stürzen, wird völlig ungewiss, wer dann die Hand an den Atomwaffen hat. Das sollte man immer vor Augen haben, wenn wir über Russland reden!“

Deshalb wolle er „mit Vernunft und Menschenverstand alles dafür tun, dass uns Russland nicht verloren geht.“ Zwar sei die Annexion der Krim ein klarer Bruch gegen das Völkerrecht gewesen. Doch ohne Russland werde es keine langfristig gute, wirtschaftliche Entwicklung in Europa geben. „Und auch keine tragfähige Sicherheitsarchitektur.“

Platzeck sieht das Assoziierungsabkommen zwischen der Europäischen Union und der Ukraine als einen Grund dafür, warum Deutschland und Russland „zurzeit nicht freundschaftlich verbunden“ sind. Er hätte sich gewünscht, dass die Russen bei den Verhandlungen „mit am Tisch“ gewesen wären. Vorherige Vorschläge Russlands zu mehr Zusammenarbeit mit Europa seien nicht erhört wurden. „Nicht selten waren unsere amerikanischen Freunde diejenigen, die da geblockt haben.“ Platzeck ist seit März dieses Jahres Vorstandsvorsitzender des Deutsch-Russischen Forums, der bekanntesten Organisation, die sich um das deutsch-russische Verhältnis bemüht.

Kommentare zu " Deutschland und Russland: „Da ist viel kaputt gegangen“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @Queri

    Zumindest kann man Ihnen zugestehen, einmal auf persönliche Angriffe zu verzichten.

    Sie stellen hier viele Tatsachenbehauptungen auf, die nicht nur mit einem Großteil der Pressemeldungen nicht übereinstimmt, zudem real schwer vorstellbar sind und drittens sogar gegen die offiziellen Verlautbarungen aus Russland und von den Separatisten sind . Ich verweise z.B. auf die Antwort von Herrn Podgacki hier im Diskussionsforum. Übrigens haben auch nur die Separatisten OSZE-Beobachter gekidnappt, und zwar unbestritten!

    Zudem möchte ich noch auf den Unterschied von Söldnern und Soldaten hinweisen, das sollte man nicht in einen Topf werfen. Und noch was, wenn Blackwater dort wirklich ernsthaft aktiv wäre, hätte sich das mit den Separatisten so gut wie erledigt. Wenn Sie dem nicht folgen möchten, müssen Sie allerdings zugeben, dass bei einem ernsthaften Blackwater-Engagement es zumindest so hohe Verluste (meinetwegen auf beiden Seiten) gäbe, dass dies extrem auffallen würde.

    Noch was, auch wenn Sie meinen es war keine Boden-Luft-Rakete, sondern eine Bordkanone. Mein Argument war, dass die Streitkräfte, die als einzige über eine Luftwaffe verfügen, überhaupt keine Flugzeuge abschiessen, weil sie ja den Gegner damit nicht treffen können, sondern maximal sich selbst oder eben Unbeteiligte. Währenddessen diejenigen, die damit rechnen müssen aus der Luft attackiert zu werden, extrem nervös auf jede Flugbewegung reagieren werden (um nicht zu sagen in Todesangst) und natürlich Flugzeuge abschiessen.

    Ich möchte die "Junta" hier nicht als die Guten darstellen und habe das auch hier nie getan, und verurteile jede Gewaltanwendung an Zivilisten. Aber: wären die Separatisten nicht auf die glorreiche Idee gekommen, die OSZE-Beobachter zu kidnappen, dann könnten wir auch besser verfolgen was dort vor sich geht!

  • Geschwätz oft auf Stammtischniveau wenn man manche Kommentare liest .Platzeck hat leider recht was unsere
    Regierung ob aus Dummheit oder auf Anordnung der USA verbockt haben ist nicht zu begreifen Zum Schaden der
    Menschen hier wie in der Ukraine und Russland Wir Menschen sollten auf Dauer nicht hinnehmen das Politiker
    ob aus Selbstsucht Macht Geilheit den Völkern schaden
    Die Sanktionen gegen Russland sind ebenso ein Verbrechen
    denn sie treffen doch nur die kleinen Leute wie die
    Ermordung der Menschen auf dem Maidan oder in Odessa oder
    Ostukraine Alle verantwortlichen Politiker ob Obama Putin
    Merkel oder wie sie noch alle heißen haben hier Blut an den Händen und sind in meinen Augen Verbrecher und für das Morden verantwortlich daraus dürfen wir sie nicht entlassen

  • @Herr Vittorio Queri


    >> dann hat die ganze Welt Soldaten ohne Hoheitszeichen gesehen. >>

    Jawohl, die Welt hat sie gesehen. Es waren Soldaten der Ukrainischen Armee, die zu der abtrünnigen Republik Krim übergelaufen sind. Russische Uniformen konnte sie ja schlecht tragen. Die Krim ist auch viel später in der RF aufgegangen.
    Die 25.000 auf der Krim stationierten Russen trugen auch russische Uniformen.

    Was hat die Welt daran auszusetzen ?


    Auch für die Lernresistenten Kommentatoren nochmals zur Info:

    HB Online vom 17.08.2014
    Der Regierungschef der selbsternannten Volksrepublik Donezk, Alexander Sachartschenko, hatte am Samstag eingeräumt, dass die prorussischen Milizen Militärhilfe aus Russland erhalten haben. 1200 in Russland ausgebildete Kämpfer sowie 30 Panzer und andere gepanzerte Fahrzeuge seien in das von den Separatisten kontrollierte Gebiet geschafft worden, sagte Sachartschenko in einem im Internet veröffentlichten Video.


    Das hat die Welt daran auszusetzen!!!

    Schönen Tag noch.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%