Auch im Bahnverkehr müssen Pendler und Reisende mit massiven Einschränkungen rechnen. Die Lokführergewerkschaft GDL will vom kommenden Montag an in allen drei Transportbereichen der Bahn in einen „unbefristeten Totalstreik“ treten. Die Streiks im Fernverkehr, Güterverkehr und bei S-Bahnen würden auch nicht mehr für neue Verhandlungen unterbrochen, kündigte GDL-Chef Manfred Schell an. „Am kommenden Montag stehen die Räder still“, sagte Schell.
Ob und wie lange gestreikt werde, habe die Bahn in der Hand. Sollte der Tarifabschluss mit den Lokführern vorher unterschrieben sein, werde der Arbeitskampf nicht stattfinden. Einen Grundlagen-Tarifvertrag, wie ihn die Bahn zur Bedingung gemacht hatte, werde die GDL nicht mehr akzeptieren. Diese Chance habe die Bahn verspielt.
Die Bahn habe noch bis Sonntagabend Zeit, ein neues Angebot zu unterbreiten. Dann sei die GDL verhandlungsbereit. Der Streik könne aber nur noch abgewendet werden, wenn die Bahn den Tarifvertrag ohne Bedingungen unterschreibe.
Am Montagabend hatte die GDL die Verhandlungen mit der Bahn abgebrochen, nachdem sich beide Seiten nicht auf einen Grundlagentarifvertrag einigen konnten. Die Bahn macht dieses Vertragswerk zur Bedingung für den Tarifabschluss. Sie will damit für die Zukunft sicherstellen, dass es keine Widersprüche zwischen den Tarifverträgen mit der GDL und mit der Tarifgemeinschaft aus Transnet und GDBA gibt. Die GDL sieht darin hingegen eine unzulässige Einschränkung ihrer Unabhängigkeit. Die Tarifgespräche zwischen Bahn und GDL waren in den vergangenen Monaten mehrfach kurz vor dem Abschluss gescheitert.
Bahn-Chef Hartmut Mehdorn bezeichnetet die angekündigte Arbeitsniederlegung als „reinen Irrsinn“. Offenkundig wollten die GDL-Funktionäre allein aus machttaktischen Gründen ein Verkehrschaos riskieren. Damit würden sie dem Unternehmen, Millionen Kunden und dem Standort Deutschland massiv schaden. Die Bahn habe der GDL unter anderem elf Prozent mehr Lohn zugestanden, erklärte Mehdorn. Auch habe sie den von der GDL vertretenen Lokführern für März eine Abschlagzahlung von 100 Euro zugesichert. Zudem sei bereits eine Einmalzahlung von 800 Euro angewiesen worden. „All dies zeigt unseren guten Willen.“
Scharfe Kritik kam auch von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU). Er warnte die Lokführergewerkschaft davor, mit einem weiteren Arbeitskampf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes zu gefährden. "Ein neuerlicher Bahnstreik würde für die Konjunktur in Deutschland zu einer weiteren Belastungsprobe werden", sagte Glos dem Handelsblatt. "Ein Streik kann nur das letzte Mittel in einer Auseinandersetzung zwischen Tarifpartnern sein", meinte Glos. "Weitere Streiks schaden uns allen und zuletzt auch der Tarifautonomie."
Glos drängte die Beteiligten zu einer "endgültigen Einigung". Nach Ansicht des Wirtschaftsministers können Bahn und GdL inzwischen auch nicht mehr auf die Zustimmung der Bevölkerung hoffen. "Sollten ab Montag die Züge wieder stillstehen, würden wohl die wenigsten Fahrgäste und Pendler dafür noch Verständnis aufbringen können", kritisierte Glos.
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