Deutschlandtag der JU
Unionsnachwuchs wartet vergeblich

Wo bist Du, Angie? - Der Frust über den abgesagten Auftritt von Kanzlerin Angela Merkel auf dem Deutschlandtag der Jungen Union sitzt tief. Eine Videobotschaft hätte doch wenigstens drin sein müssen, findet der Unionsnachwuchs.
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HB MÜNSTER. Im Wahlkampf standen sie für ihre Kanzlerin in den Fußgängerzonen, machten selbst im kleinsten Winkel der Republik unermüdlich Werbung für CDU und CSU - und dann kommt Angela Merkel nicht zum Deutschlandtag, dem wichtigsten Treffen der Jungen Union. Der - wenn auch mäßige - Sieg bei der Bundestagswahl und eine künftige bürgerliche Regierung scheint die junge Basis kaum zu besänftigen, geht es doch in Münster mehr um Partei-Seele und um ein Dankeschön.

„Wo bist Du, Angie?“, fragt ein Plakat und fragen sich die nach Münster gereisten rund 300 Delegierten. In deren Reihen kommt wenig Verständnis auf für die heiße Phase der Koalitionsverhandlungen im rund 500 Kilometer entfernten Berlin.

Daran können auch die als Ersatzredner noch eilig nach Münster entsandten Vertreter der Mutterparteien, Edmund Stoiber (CSU) und Ole von Beust (CDU), nichts ändern. Diese sehen Merkels Platz zwar derzeit eindeutig in der Hauptstadt. Für die jungen Leute bleibt der abgesagte Merkel-Auftritt in Münster dennoch ein „Schlag ins Gesicht“. Eine Videobotschaft hätte doch wenigstens drin sein müssen, findet der Unionsnachwuchs, der mit knapp 127 000 Mitgliedern mehr Anhänger hat als Grüne und FDP zusammen. Und: Angela Merkel sei „zu viel Bundeskanzlerin und zu wenig Parteivorsitzende“, formuliert es JU'ler Oliver Wernersbach aus Rheinland-Pfalz.

Die Landesverbände finden damit schärfere Worte als ihr Bundeschef Philipp Mißfelder, der eher moderate Töne anschlägt und - als Präsidiumsmitglieder bei der CDU-Mutter - wiederholt lediglich von „Enttäuschung“ spricht.

Der jungen Garde der Union geht es an diesem Wochenende in Münster aber nicht nur um die Massage ihrer Parteiseele. Sie stellen die Zukunftsfrage der „Volkspartei“ CDU: „Knapp über 30 Prozent ist eindeutig zu wenig.“ Darüber müsse man reden, den Finger in die Wunde legen, fordert auch Marie Jordan (29), Delegierte aus Niedersachsen.

Ungeachtet der schwarz-gelben Zukunft im Bund fühlt sich die Parteibasis an 2005 erinnert, als die Parteichefin schon einmal eine Wahlanalyse versprochen habe. Damals blieb man ruhig, als nichts passierte, wusste man doch um die Schwierigkeiten für Angela Merkel in der großen Koalition mit der SPD. Nun ist das Wahlergebnis noch einmal leicht abgesackt: „Ich habe Bedenken, dass wieder nichts passiert“, meint Sebastian Newiadomsky (28) aus Leverkusen.

Breite Unterstützung gab es denn auch für einen Antrag der meisten Landesverbände, „unverzüglich“ einen Parteitag einzuberufen und das „unbefriedigende“ Unionsergebnis zu diskutieren. Der Parteitag wird wohl kommen. Ob es dabei aber um mehr als das „Abnicken des Koalitionsvertrages“ gehen wird, ist offen und wird in Münster bezweifelt.

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