Deutschlandtrend
Merkel macht Sympathiepunkte gut

Gewalt gegen Flüchtlinge ist der großen Mehrheit der Deutschen ein Gräuel – und Politiker sollten solche Übergriffe stärker verurteilen. Das ergab eine Umfrage. Kanzlerin Merkel steigt derweil in der Wählergunst.

BerlinDie große Mehrheit der Deutschen schämt sich einer Umfrage zufolge für die gewalttätigen Proteste gegen Flüchtlinge. Dem am Montagabend veröffentlichten Deutschlandtrend für die ARD-"Tagesthemen" zufolge gaben 83 Prozent der Befragten an, sich für Übergriffe etwa auf Flüchtlingsheime zu schämen. Allerdings sank dieser Wert im Vergleich zu einer Umfrage im September demnach um vier Punkte.

Vor allem die im Februar in Sachsen verübten ausländerfeindlichen Übergriffe hatten für Entsetzen gesorgt. In Clausnitz blockierte eine pöbelnde Menschenmenge einen ankommenden Bus mit Flüchtlingen. Zudem gibt es dort Vorwürfe, die Polizei sei rüde gegen Schutzsuchende vorgegangen. In Bautzen bejubelten Schaulustige einen vermutlich absichtlich gelegten Brand eines Hotels, in das demnächst Flüchtlinge einziehen sollten.

Dem Deutschlandtrend zufolge wünschen sich 76 Prozent der Befragten, dass Politiker derlei Übergriffe stärker verurteilen. Außerdem sind demnach 58 Prozent der Deutschen der Ansicht, dass die Behörden nicht genug tun, um Ausländer und Flüchtlinge vor Angriffen zu schützen.

Nach der Bewältigung der derzeitigen globalen Flüchtlingskrise befragt sprachen sich 77 Prozent der Deutschen für einen europäischen Ansatz aus. Allerdings waren nur 32 Prozent der Befragten der Meinung, dass eine Lösung auf europäischer Ebene in naher Zukunft realisierbar ist. Die Einführung einer nationalen Obergrenze für die Aufnahme von Asylsuchenden befürworteten demnach 63 Prozent der Befragten - das waren ebenso viele wie im Vormonat.

Trotz der Probleme wegen der Flüchtlingskrise kann Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wieder mehr Zustimmung für sich verbuchen: Auf der Beliebtheitsskala legte die Kanzlerin um acht Punkte im Vergleich zum Vormonat zu, wie die Umfrage des ARD-Deutschlandtrends ergab. Demnach sind 54 Prozent der Befragten mit Merkels Arbeit zufrieden.

Auch die Zufriedenheit mit der Bundesregierung steigt der Umfrage zufolge wieder an, bleibt aber weiterhin auf relativ niedrigem Niveau: 41 Prozent der Befragten sind mit der Arbeit der Bundesregierung zufrieden beziehungsweise sehr zufrieden, wie die am Freitag und Samstag geführte Befragung ergab. Das sind drei Punkte mehr als im Vormonat.

Im Februar war den Angaben zufolge mit 38 Prozent Zustimmung der niedrigste Wert der Legislaturperiode erreicht worden. 58 Prozent der Befragten sind allerdings mit der Arbeit der Bundesregierung weniger beziehungsweise gar nicht zufrieden.

In der Sonntagsfrage liegt die Union den Angaben zufolge mit 36 Prozent vorn. Das ist ein Punkt mehr als im Vormonat. Die SPD kommt demnach auf 23 Prozent und verliert damit einen Punkt. Die Linke erreicht neun Prozent und bleibt damit wie die Grünen mit zehn Prozent stabil. Die FDP kommt auf sechs Prozent und die AfD auf elf Prozent, was ein Punkt weniger als im Vormonat ist.

Auf Platz eins der Liste der beliebtesten Politiker liegt den Angaben zufolge Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) mit 70 Prozent Zustimmung, gefolgt von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) mit 66 Prozent. Danach kommt Kanzlerin Merkel mit 54 Prozent Zustimmung und einem Plus von acht Punkten. Mit der Politik von Wirtschaftsminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) sind 44 Prozent der Befragten zufrieden, wie der Deutschlandtrend ergab.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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