DGB-Chef Hoffmann
Lohnpolitik kein Instrument im Kampf gegen Euro-Krise

DGB-Chef Reiner Hoffmann lehnt Empfehlungen der Bundesbank ab. „Es gilt nach wie vor die Tarifautonomie“, betont der Gewerkschaftschef. Dabei haben die Währungshüter einen bemerkenswerten Vorschlag gemacht.
  • 6

BerlinDer Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, hält nichts davon, die Lohnpolitik zu einem Instrument im Kampf gegen die Euro-Krise zu machen. „Die Sozialpartner brauchen keine Belehrung in der Tarifpolitik“, sagte Hoffmann dem Handelsblatt (Freitagausgabe). „Es gilt nach wie vor die Tarifautonomie.“

Der DGB-Chef reagiert damit auf Empfehlungen der Bundesbank an die Gewerkschaften, in künftigen Tarifrunden ordentlich draufzusatteln. Steigende Löhne, so die Hoffnung der Währungshüter, stärken den Binnenkonsum und führen zu höheren Preisen. Das würde helfen, ökonomische Ungleichgewichte in der Euro-Zone abzubauen und Deflationssorgen zu dämpfen.

Dass die Bundesbank einen tarifpolitischen Verteilungsspielraum von drei bis 3,5 Prozent sieht, sei „bemerkenswert und durchaus eine neue Philosophie“, sagte Hoffmann. „Bisher war die Bundesbank auf einem Auge makroökonomisch blind. Lohnabschlüsse fielen für sie immer zu hoch aus, aber nie zu niedrig.“ Der Vorstoß der Währungshüter rühre daher, dass die Geldpolitik in Europa mit immer niedrigeren Zinsen fast am Ende sei. „Deshalb ist es nur folgerichtig, wenn jetzt die Lohnpolitik entdeckt wird“, sagte der Chemiegewerkschafter. Über die Tarifpolitik entschieden aber immer noch die Mitglieder in den Betrieben – je nach Lage einzelner Unternehmen und Branchen.

Befürchtungen der Arbeitgeber vor weiter steigenden Lohnkosten weist Hoffmann zurück: Auch wenn Schlüsselbranchen wie die Metall- oder die Chemieindustrie den verteilungspolitischen Spielraum in den Tarifrunden der zurückliegenden Dekade ausgeschöpft hätten, sei „die Wettbewerbsfähigkeit überhaupt nicht in Gefahr“. Im Vergleich zu anderen Kosten wie den Energiepreisen seien die Lohnkosten „absolut überschaubar“.

Hans-Jürgen Jakobs Quelle: dpa
Hans-Jürgen Jakobs
Handelsblatt / Senior Editor
Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros

Kommentare zu " DGB-Chef Hoffmann: Lohnpolitik kein Instrument im Kampf gegen Euro-Krise"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das sehe ich nicht anders.

    Wer Europa retten will, muss den Euro retten!

    Politiker haben dem Euro aber geschadet und ihn extremste belastet. Wer die Politiker noch retten will, muss Euro und Europa retten. So wie es derzeit aussieht, ist dies aber aussichtslos. Man könnte auch behaupten, dass zur Rettung Europas es alternativlos ist, sich von unfähigen Politikern und sonstigen "Fachleuten" zu trennen.

    Bundesbank, übernehmen sie!

  • Mal wieder ein "Schröder" in den Reihen der Arbeiterschaft?

    Die Arbeitnehmerschaft sollte aufstehen und den Jungen in die Wüste schicken, bevor er größeren Schaden angerichtet hat.

    Der Fall ist wohl einmalig und sollte es bleiben. Sein Rücktritt ist angesagt!

  • "„Es gilt nach wie vor die Tarifautonomie“

    AHA,
    Aber um einen flächendeckenden Mindestlohn zu erarbeiten und vereinbaren waren die Gewerkschaften nicht fähig und riefen nach der Politik, was sie sich in anderen Situationen wie z.Bsp. Streiks aufs schärfste verbieten.

    Aber die Bonzen denken auch nur an ihre eigenen Pfründe.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%