DGB-Chef Sommer: „Es ist an der Zeit, Zeichen zu setzen“

DGB-Chef Sommer
„Es ist an der Zeit, Zeichen zu setzen“

Das Verhältnis zwischen dem Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes Michael Sommer und Kanzlerin Angela Merkel ist besser, als es die Differenzen zwischen Arbeitnehmervertretungen und Schwarz-Gelb vermuten lassen. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt Sommer, wieso er dem Land dennoch unruhige Zeiten bescheren will.
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Handelsblatt: Herr Sommer, die Gewerkschaften planen einen "heißen Herbst". Gegen wen richtet sich diese Drohung?

Michael Sommer: Es ist an der Zeit, dass wir ein klares Zeichen für soziale Gerechtigkeit und gegen die Schieflage in diesem Land setzen. Wir haben das übrigens schon im Mai angekündigt in der Hoffnung, dass die Bundesregierung dies als eine deutliche Warnung versteht. Leider müssen wir heute feststellen, dass die Regierung ihre Chance zu einer rechtzeitigen Kurskorrektur vertan hat.

Bitte etwas konkreter!

Nehmen wir das Sparpaket: Die Einschnitte im Haushalt gehen völlig einseitig zulasten von Arbeitnehmern und Arbeitslosen. Sie zehren den öffentlichen Dienst aus, unsere Kommunen stehen kurz vor einem Offenbarungseid. Zeitgleich erleben die Beschäftigten, wie Unternehmen nun wieder schamlos auf Leiharbeit setzen - ohne dass die Regierung wirksam etwas dagegen tut. Parallel will sie noch die völlig verfehlte Rente mit 67 exekutieren und mit der schleichenden Einführung der Kopfpauschale die Solidarität im Gesundheitswesen kaputt machen ...

? dabei wird Deutschland international um seine gute Entwicklung nach der Krise beneidet. Wie passt das zusammen?

In Umfragen sagen 80 Prozent der Deutschen, es gebe eine soziale Schieflage im Land. Das kann und darf doch niemand ignorieren. Wir verstehen uns als Sprachrohr der Beschäftigten, da ist es geradezu unsere Pflicht, das aufzugreifen.

Was für Proteste sind geplant?

Wir haben uns sehr bewusst entschieden, nicht nur eine Großdemonstration zu machen, die am nächsten Tag vorbei ist, sondern planen für den Herbst einen dezentralen Ansatz mit einer ganzen Serie von Aktionen, um Druck in der Fläche aufzubauen. Unsere Kolleginnen und Kollegen aus dem öffentlichen Dienst beginnen noch diesen Monat mit Protestaktionen vor Rathäusern, um ein Zeichen gegen die verfehlte Sparpolitik der Regierung zu setzen. Unsere Mitglieder in der Industrie werden über Betriebsversammlungen und Aktionen vor den Werkstoren zeigen, was sie von Leiharbeit halten.

Sind das politische Streiks?

Nein. Wir achten selbstverständlich Recht und Gesetz. Aber dazu gehört auch das Recht der Beschäftigten, Betriebsversammlungen abzuhalten. Auch Aktionen in der Mittagspause vor den Werkstoren sind rechtmäßig und werden ihre Wirkung in die Betriebe hinein nicht verfehlen. Arbeitgeber, die meinen, das alles ginge sie nichts an, haben sich verrechnet. Wir werden zudem mit Demonstrationen in Hannover, Stuttgart, Dortmund oder Nürnberg unseren Unmut über die falsche Politik dieser Regierung hörbar zum Ausdruck bringen.

Scheuen Sie eine Zentralkundgebung vielleicht doch, weil Sie keine großen Teilnehmerzahlen mobilisieren könnten?

Keine Sorge. Wir wählen stets die Aktionsform, die uns am wirkungsvollsten erscheint. Falls nötig, könnten wir natürlich jederzeit sechsstellige Teilnehmerzahlen für eine Zentralveranstaltung mobilisieren.

Beim Protest gegen die Agenda 2010 ist genau so etwas einmal verpufft ...

? weil sich Kanzler Schröder damals entschlossen hatte, unseren Protest demonstrativ zu ignorieren. Nur, Ignoranz hilft so wenig wie ein Basta. Die Quittung hat er dann ja auch im Wahljahr 2005 bekommen.

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  • Der Sommer ist ja gut: bundesregierung hat seine Warnung vom Mai nicht gehört! Wer regiert denn bei uns eigentlich? Zum Glück nicht der DGb, denke ich mir.

  • Herr Sommer, die Arbeitslosen und Lehrstellenlosen haben in ihrer Jungend einfach zu viel Gesoffen und Gegfeiert als Hausaufgaben gemacht und gelernt! Es wird doch kein Mensch dumm geborgen! Und jetzt soll der Steuerzahler die Leute auch noch unterstützen?
    Dann wird doch Faulheit und bequemlichkeit und nicht initiative und Eigenverantwortung unterstützt. Schande, was die Kommunisten/Sozialisten immer wieder fordern. in welcher Realität leben sie? Fahren sie mal öffentliche Verkehrsmittel und sie erleben die Realität!

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