DGB-Studie
Studie: Jeder fünfte Gewerkschafter denkt rechtsextrem

Die Zeiten in denen Gewerkschaften Sammelbecken für politisch Linke waren, sind offenbar vorbei. Jeder Fünfte der rund sieben Millionen Mitglieder hat mittlerweile eine rechtsextreme Einstellung. Vor allem einfache Arbeiter fühlen sich dem Lager zugehörig.

BERLIN. Besonders stark ist der Rechtsextremismus unter ostdeutschen Gewerkschaftern verbreitet. 27 Prozent von ihnen haben nach eigener Aussage eine entsprechende politische Gesinnung, im Westen sind es 18 Prozent. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Freien Universität Berlin, die im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) erstellt wurde.

Besonders auffällig ist auch der Anteil der Arbeiter mit rechtsextremer Einstellung (34 Prozent). Damit tritt bei einfachen Arbeitern, die gewerkschaftlich organisiert sind, eine rechtsextreme Einstellung fast doppelt so häufig auf wie bei einfachen Arbeitern, die nicht Mitglied einer Gewerkschaft sind (18 Prozent). Ebenfalls sehr hoch ist der Wert bei ungelernten Arbeitern mit Netto-Einkommen bis zu 800 Euro sein. In dieser Gruppe neigen laut Studie 28 Prozent zu ausländerfeindlichen und antidemokratischen Meinungen.

Als Grund für diese Entwicklung nennt die Studie massive Ängste bei vielen Gewerkschaftsmitgliedern. Als Arbeitnehmer drohe ihnen das Schicksal von sozialen Verlierern. Als Gewerkschafter erlebten sie zudem einen Statusverlust. Sie müssten mit ansehen wie die früheren Erfolge gewerkschaftlicher Politik demontiert würden. In Folge dessen wechselten sie zu rechtsextremen Parteien, da sie ihre „Schutzbedürfnisse durch nationalistische, ethnozentrische Politik gewährleistet sehen", so die Studie.

Um diesem Trend entgegenzuwirken, rät das Autorenteam um Richard Stöss dem DGB bei den Gewerkschaftern wieder kollektives und solidarisches Engagement zu stärken. Gewerkschaftsmitglieder sollten hierfür besonders empfänglich sein, weil ihre Mentalität „besonders demokratisch-partizipatorisch geprägt ist.“

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