Die CDU jubelt und nimmt die Neuwahlen in den Blick
Alles wartet auf Entscheidung in der K-Frage

Die CDU jubelt über den Erfolg in NRW und nimmt siegessicher die Neuwahlen im Bund in den Blick. Doch der Schachzug der SPD-Führung hat die eigentliche Strategie der Union durchkreuzt.

BERLIN. Sieger werden schnell zu Propheten: "Jetzt können wir uns schon mal daranmachen, den Bundestagswahlkampf zu organisieren." Drei Minuten nach 16 Uhr, als im Konrad-Adenauer Haus die ersten Prognosen einliefen, schien der CDU-Mann schon zu wissen, was zweieinhalb Stunden später SPD-Chef Müntefering vorschlagen sollte: Neuwahlen nicht erst im Herbst 2006, sondern jetzt, gleichsam sofort! Jetzt war es plötzlich der SPD-Chef selbst, der den Wahlausgang in Düsseldorf zum Mini-Referendum gegen die Regierung Schröder erklärte.

Tatsächlich sprach aus dem Mitarbeiter eher das Hochgefühl, das ihm die Umfragen verschafft hatte, als konkretes, besseres Wissen um das Einknicken Münteferings: Die von der CDU beauftragten drei führenden Umfrageinstitute hatten der Union um 16 Uhr unisono einen ausreichenden Vorsprung vorausgesagt, um Rot-Grün, die letzte Landesregierung dieser Couleur im Land, abzulösen. "Es reicht, es reicht!" raunte er Umstehenden in Verschwörermiene zu. Es reicht, es reicht, das muss sich auch Müntefering gedacht haben, als er für den Herbst Neuwahlen anpeilte.

Tatsächlich konnte Parteichefin Angela Merkel bereits um 18.15 Uhr das "sensationelle", das "historische Ergebnis" verkünden: Rot-Grün abgelöst. Zwar dauerte es einige Minuten, bis auch sie auf den entscheidenden Punkt kam, dann aber sprach sie es unter lautem Getöse der Gäste im Foyer der Parteizentrale laut aus: "Es wäre auch für Deutschland gut, wenn Rot-Grün auf Bundesebene abgewählt würde."

All dies hat nicht in der Luft gelegen. Noch am Wochenende hatte CSU-Parteichef Edmund Stoiber durch die blau-weiße Blume die Erwartungen auf alsbaldige Ablösung der Bundesregierung gedämpft, wenn auch geschickt getarnt.Die Union werde, so der CSU-Chef und Ministerpräsident, keineswegs alles blockieren, was die Bundesregierung an Gesetzesinitiativen vorhabe. Im Gegenteil, ein scheinbar zum politischen Altruisten geläuterter Stoiber bot sogar tatkräftige Hilfe an - so als hätte er geahnt, dass Müntefering und Schröder bei diesem schlechten Wahlausgang an Rhein und Ruhr die Notbremse ziehen würden. In Wahrheit war und ist es Stoibers große Sorge, dass die Union zur Bundestagswahl antreten müsste - viel zu früh und völlig unvorbereitet.

Seite 1:

Alles wartet auf Entscheidung in der K-Frage

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%