Die FDP im Westen sucht nach der Aufbruchstimmung
Guidos Warteschleife

Nach 39 Jahren in der Opposition ist für die FDP in Nordrhein-Westfalen der Aufstieg in die Regierung greifbar nahe. Doch irgendwie steckt ihr der Möllemann-Schock noch in den Knochen.

HB ESSEN. Für Guido Westerwelle geht es immer auch um Inszenierung. Mit weit ausgebreiteten Armen spielt der FDP-Chef am Sonnabend im Essener Congress Center den Einpeitscher für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 22. Mai. Mal gibt er den Vordenker, mal mimt er den Heißsporn, der die Spenden von Windkraftunternehmen an die Grünen als "moderne Form der Korruption" attackiert. Die Delegierten sind dankbar. Langer Applaus für ein Stück aus Westerwelles Standardrepertoire.

Die FDP an Rhein und Ruhr kann jede Form der Aufmunterung gebrauchen. Irgendwie steckt ihr der Möllemann-Schock noch immer in den Knochen, sie dümpelt seit Monaten in den Umfragen zwischen sechs und sieben Prozent. Das hat auch etwas mit ihrem Führungspersonal vor Ort zu tun. Der Spitzenkandidat heißt Ingo Wolf und war lange Zeit nur Politik-Junkies bekannt. Als "Möllemanns Rache" oder auch "grauer Wolf" wurde er verspottet. Am Samstag hatte er einen guten Tag. Die Sorge ging um, Wolf könne sich und die seinen blamieren. Doch der Mann mit der Jungenfrisur in Grau hat sich bestens vorbereitet, befreit klatschen die Delegierten nach seiner Rede, Guido Westerwelle ist so erleichtert, dass er gleich "Ingo Wolf wird mal Kult" in den Saal ruft.

In der Berliner CDU-Zentrale dürfte dies die Zweifel noch verstärken. Hier herrscht Ratlosigkeit in Sachen Liberale. "Egal, was passiert, ob Union oder SPD in der Wählergunst abstürzen, die Liberalen können davon nicht profitieren", rätselt ein CDU-Mann. Unausgesprochen spielt die Angst mit, die FDP könne, wie weiland 2002, einen Sieg des bürgerlichen Lagers kurz vor dem Ziel verderben.

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