0 Bewertungen
30.05.2008 
Zoff bei den Liberalen

Die FDP streitet über ihr Image

von Thomas Sigmund

Die FDP fürchtet um ihren Markenkern als Steuersenkungspartei. Seit CSU-Chef Erwin Huber den Bürgern 28 Mrd. mehr im Geldbeutel versprochen hat und die CDU wohl nachziehen wird, warnen viele Liberale davor, bei der Bundestagswahl 2009 mit leeren Händen dazustehen. Auf dem FDP-Parteitag in München droht deshalb ein Steuerstreit, der mit ungewöhnlich harten Bandagen geführt wird.

NRW-Landesparteichef Andreas Pinkwart sieht ein dreistufiges Tarifsystem vor, dass die Bürger stärker entlasten soll. Foto: dpaLupe

NRW-Landesparteichef Andreas Pinkwart sieht ein dreistufiges Tarifsystem vor, dass die Bürger stärker entlasten soll. Foto: dpa

BERLIN. "In guter Möllemannscher Tradition, fordern die Nordrhein-Westfalen mal wieder Unmögliches", hieß es am Donnerstag in der Partei. Landesparteichef Andreas Pinkwart müsse doch wissen, in welche unseriöse Lage er die Partei bringe.

Was anfangs von der Parteitagsregie als "gesunder und medial wirksamer Wettbewerb zwischen verschiedenen Modellen" gewertet wurde, entwickelte sich langsam aber sicher zum handfesten Krach, der quer durch die Landesverbände geht. Finanzexperte Hermann Otto Solms hat ein Steuerkonzept erarbeitet, das vom FDP-Parteivorstand abgesegnet ist. In Konkurrenz dazu stellt Parteivize Andreas Pinkwart mit seinem NRW-Landesverband ein ebenfalls dreistufiges Tarifsystem vor. Der wichtigste Unterschied: Solms Vorschlag kostet den Staat rund 25 Mrd. Euro. Pinkwart will den Bürgern 35 Mrd. Euro mehr im Portemonnaie lassen.

Pinkwart schlug im Gespräch mit dem Handelsblatt harte Töne an: "Die FDP muss seriös, aber vor allem ehrgeiziger die Bürger netto entlasten wollen." Der Bundesvorstand bleibe mit seinem Steuermodell auf halbem Weg stehen. "Ein fatales Signal an die Leistungsbereiten in Deutschland", sagte Pinkwart und nannte auch Solms direkt, dessen früherer Büroleiter er ist. Offensichtlich sei das Solmsche Konzept noch geprägt gewesen von der schwierigen Lage von Bund und Ländern in den vergangenen Jahren, sagte Pinkwart.

Ein Vorwurf, der den sonst unumstrittenen FDP-Steuerpapst schmerzen dürfte. Finanzexperte Frank Schäffler, der das NRW-Konzept maßgeblich erarbeitet hat, legte noch nach: "Die FDP darf im Bundestagswahlkampf nicht die goldene Zitrone für das längste Festhalten an alten Konzepten erhalten. Unser Programm braucht eine deutliche Blutauffrischung", sagte Schäffler.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Westerwelle lässt sich überzeugen

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Finanzkrise: Misstrauen durchdringt all...

    Finanzkrise: Misstrauen durchdringt alle Bereiche

    Keine Frage, die Finanzkrise, die wir derzeit erleben, ist außergewöhnlich. Alle Vergleiche mit vorherigen Wirtschaftskrisen hinken. Und das Vertrauen ist zerstört, wie ein Blick auf wichtige Indikatoren des Finanzmarktes zeigt.Bildergalerie 

  • Hier versickern unsere Steuergelder

    Hier versickern unsere Steuergelder

    Ein Schwimmbad, das niemand nutzt. Gratis-Fitness für städtische Angestellte. Staatliche Tipps zum Umgang mit Wölfen ("Sie sind keine Kuscheltiere") – das neue "Schwarzbuch" des Bundes der Steuerzahler listet wieder die krassesten Fälle öffentlicher Verschwendung auf.Bildergalerie 

  • Was der Seehofer-Wechsel für Merkel bed...

    Was der Seehofer-Wechsel für Merkel bedeutet

    In Berlin steht eine Kabinettsumbildung an. Da Bundesagrarmnister Horst Seehofer (CSU) als Ministerpräsident nach Bayern wechselt, muss sein Posten in der Bundesregierung neu besetzt werden. Möglicherweise nutzt Kanzlerin Angela Merkel die Gelegenheit, um auch Veränder...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

In der loose-loose-Falle  Artikel in Merkliste

10.10.2008 von Barbara Gillmann

Die große Mehrheit, mit der die Hamburger Grünen für die Fortsetzung der Koalition gestimmt haben, verblüfft. Die Ökopartei, die im Bundestagswahlkampf vor allem mit dem Klimaschutz punkten will, riskiert, dass sie den Kredit beim Wähler auf dem für sie existienziellen Feld verliert. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Alles ist anders  Artikel in Merkliste

09.10.2008 von Andreas Rinke

Mit der Finanzkrise schlägt den Gewerkschaften plötzlich der politische Wind ins Gesicht. Kommentar