Die Grünen und Werner Schulz
Die Debatten-Partei verstößt den Abweichler

Als Querkopf ist er seit langem bekannt, nun aber hat sich der Grüne Werner Schulz in der Partei vollends ins Abseits befördert: Sein Vergleich des Bundestags mit der DDR-Volkskammer hat die eigene Fraktion nachhaltig verstört und gegen ihn aufgebracht.

HB BERLIN. Unmittelbar nach der Abstimmung über die Vertrauensfrage verteilt die Grünen-Führung Geschenke: Für jeden Abgeordneten liegen kleine grüne Box-Handschuhe bereit, als Anhänger für den Schlüsselbund. "Das ist für diesen Kampf diesen Sommer", gibt Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt den Abgeordneten für den Wahlkampf mit auf den Weg.

Tatsächlich erhält zunächst aber nicht der politische Gegner Hiebe. Der Zorn der Grünen richtet sich gegen einen der ihren, gegen Werner Schulz. Der frühere DDR-Bürgerrechtler hat in der Debatte über die Vertrauensabstimmung ein rhetorisches Feuerwerk gegen den vom Kanzler eröffneten Weg zu Neuwahlen gezündet.

In seiner Fraktion ist Schulz als Querkopf bekannt. Doch dem Kanzler beschied er ob seiner angekündigten Enthaltung bei der von ihm gestellten Vertrauensfrage: Das sei ein "Kanzler, der das Selbstvertrauen verloren hat". Und er zog einen Vergleich zu der einstigen DDR-Volkskammer, die nur ausgeführt habe, was die Staatslenker ihnen vorgegeben habe.

Die Grünen zeigen sich empört. "Das war heute das tragische Ende von Werner Schulz", sagt Parteichefin Claudia Roth. Sie habe ihn immer geschätzt für seine Gedankenfreiheit. Dieses Mal habe Schulz aber nur eine "selbstgefällige Abrechnung mit anderen Kollegen" geboten: "Ich fand das unsäglich." Umweltminister Jürgen Trittin fand, mit dem Volkskammervergleich habe Schulz "jedes seiner Argumente jeglicher Glaubwürdigkeit beraubt".

Ohnehin steht die Bundestagskarriere von Schulz, der 1990 in den Bundestag einzog, vor dem Aus. Bei der Kandidatenaufstellung für den neuen Bundestag hatte er einen sicheren Listenplatz verfehlt.

Fraktionschefin Sager distanziert sich am Mikrofon vor den Abgeordneten von Schulz. Es müsse in allen Äußerungen immer ein "Rest-Respekt" bewahrt werden vor den Meinungen der Anderen. "Ich finde es schade, dass er sich selber jetzt so einen Abgang bereitet hat", sagt Sager mit Bezug auf den vermeintlichen "Volkskammer-Komplott".

Allein Bundestags-Vizepräsidentin Antje Vollmer springt Schulz zur Seite: "Nun reicht's aber", ruft sie in die Ausführungen von Sager hinein. Den Vergleich mit der Volkskammer habe sie falsch gefunden. Doch Schulz habe ein Recht, im Parlament seine Meinung zu sagen, ohne von der eigenen Fraktion gescholten zu werden.

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