Die heimlichen Strippenzieher
Ministerielle Allzweckwaffen gegen die große Depression

Sie begleiten ihre Chefs auf Schritt und Tritt, rufen Krisenrunden zusammen und arbeiten an Rettungspaketen. Während Angela Merkel und Peer Steinbrück im Scheinwerferlicht stehen, sind sie die heimlichen Strippenzieher bei der deutschen Bewältigung der Finanzkrise. Wer hinter den Kulissen der Koalition die Krise managt.

BERLIN. Jens Weidmann, der Wirtschaftsberater von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), und Jörg Asmussen, Staatssekretär von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sind die Manager der Krise, auch wenn sie als treue Beamte den Eindruck vehement von sich weisen, sie seien mehr als Ratgeber und Vorbereiter politischer Entscheidungen.

Dennoch bilden beide ökonomisch versierten Spitzenbeamten beim derzeitigen Krisenmanagement diskret und zuverlässig das wohl entscheidende Scharnier bei der politischen Abstimmung in Berlin. Ob es um die Rettung der Hypo Real Estate geht, die Garantie für die Spareinlagen der Deutschen oder die Abstimmungen in der EU: Alles besprechen beide vor. Letztlich sorgen Weidmann und Asmussen dafür, dass Kanzleramt und Finanzministerium derzeit mit einer Stimme sprechen.

Die gute Teamarbeit der beiden Beamten hat dabei ihre Gründe: Denn nicht erst die Finanzkrise hat sie zusammengebracht. Beide kennen sich noch aus gemeinsamen Zeiten an der Universität Bonn. Beide haben Volkswirtschaft studiert und am Institut für internationale Wirtschaftspolitik gearbeitet. "Uns verbindet eine ähnliche ökonomische Denkschule", sagt Asmussen. Die "drei Ds" bei der Rettung der Bankenlandschaft schweißen sie zusätzlich zusammen: Druck, Dringlichkeit und die Dimension des Problems.

Deshalb waren die vergangenen Wochen besonders hart. Auf 16 bis 18 Stunden schätzt Steinbrücks Finanzstaatssekretär sein Tagespensum, das derzeit fast ausschließlich aus Krisenmanagement besteht. Beide werden von ihren Chefs für sehr ähnliche Eigenschaften geschätzt: Zwar gilt Asmussen als extrovertierter als Weidmann - ihm gefällt es, den Finanzminister bei öffentlichen Auftritten zu vertreten. Aber sowohl Weidmann (ohne Parteibuch) als auch Asmussen (mit SPD-Parteibuch) gelten als undogmatisch und frei von Denken in parteipolitischen Schubladen. Diese Offenheit schätzen sowohl Merkel wie auch Steinbrück. Asmussen etwa kam unter einem CSU-Minister ins Finanzministerium und machte seine Karriere dann unter drei sehr unterschiedlichen SPD-Ministern. Weidmann wurde von Merkel Anfang 2006 ins Kanzleramt geholt, wo er auch industriepolitische Deals wie das EADS-Konsortium unter Dach und Fach bringen muss.

Seite 1:

Ministerielle Allzweckwaffen gegen die große Depression

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%