Die Krise der SPD „Warum hängen wir in der Grütze?“

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"Uns fehlt eine bessere Kapitalismuskritik"

Schlimmer noch: Wie gelähmt mussten die Genossen mit ansehen, wie sie vom einstigen Juniorpartner, den Grünen, in der Wählergunst fast überholt wurden. Dass die Sozialdemokratie in der Vergangenheit schon bessere Zeiten erlebt hat, da sind sich die Politikerin Nahles und der Politikwissenschaftler Walter dann auch einig.

„Das Schutzversprechen der Sozialdemokratie ist gebrochen worden“, konstatiert die SPD-Generalsekretärin selbstkritisch. Die SPD müsse wieder zu einer Kümmerpartei werden, die sich der Probleme des kleinen Mannes annimmt.

Der Forscher Franz Walter, der als SPD-Genosse zu der Veranstaltung in Jeans und roten T-Shirt erschien, glaubt dagegen nicht an das große Comeback seiner Partei: Die Sozialdemokratie habe sich längst so stark von ihrer Klientel entfremdet, dass sie überhaupt nicht mehr als Volkspartei gelten könne. Deshalb sei die einstige Partei der kleinen Leute nicht mehr in der Lage, gesellschaftlichen Konsens herzustellen.

Nahles stimmt in das Credo ein und berichtet von ganzen Stadtvierteln, in die sich kein SPD-Wahlkämpfer mehr ohne professionelle Unterstützung durch die Parteizentrale traut. Die Lösung, die Franz Walter vorschlägt, wirkt da fast schon verzweifelt: Die vielseitig talentierten FES-Stipendiaten könnten doch zwangsrekrutiert werden, um sich im Namen der SPD sozial zu engagieren und so für die Partei werben. Spätestens bei diesem Vorschlag dürfte den anwesenden Sozialdemokraten klar geworden sein, wie tief ihre Partei im Schlamassel steckt.

Als Weg aus der Krise beschwor Andrea Nahles schließlich die sozialdemokratische Arbeiterromantik: „Uns fehlt eine bessere Kapitalismuskritik.“ Sie kritisierte die Spaltung der Gesellschaft in normale Arbeitnehmer und „abhängiges Prekariat“ und wetterte gegen das „Diktat des Finanzkapitalismus“. Zur Euro-Krise stellte sie fest: „Die ganze Euro-Debatte ist eine Peinlichkeit, von der ich meine Partei nur zum Teil ausnehmen kann.“

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2 Kommentare zu "Die Krise der SPD: „Warum hängen wir in der Grütze?“"

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  • Wer SPD wählt, wählt immer auch Steuererhöhung. Die bekannte Tendenz der SPD den Apparat (Staat) immer weiter aufzublähen um Gutes tun zu können ist ein Irrweg.
    Immer mehr Staat bedeutet auch, immer mehr Bürokratie und natürlich auch immer mehr Drangsal der eifrigen Bürokratie gegenüber den Bürgern.
    Es wäre es so leicht aufgrund der derzeitigen Krise durch fundierte, kritische Analyse zu punkten. Das geht aber nicht, weil A, das Personal dazu nicht in der SPD verweilt und B, die SPD nicht wahrhaben will, das sie den Verlauf der Bankenkrise, gegen die Interessen der Allgemeinheit respektive " des kleinen Mannes", aktiv mitgeprägt hat. (siehe u.a. die Aktivitäten der Landesbanken bis 2008.)

  • Es gibt nicht die SPD. Die SPD besteht zumindest aus zwei Parteien, die sogut wie nichts miteinander zu tun haben.
    Die eine Partei Leute wie Steinbrück, die andere Partei leute wie Nahles, um mal zu personalisieren. Die Leute merken das und warum sollen sie so ein merkwürdiges Konglomerat wählen? Sie wissen doch nicht, was sie bekommen. Allerdings ist auch die CDU nicht besser aufgestellt. Trauerspiel.

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