Die Kunst der Zuspitzung
Was Merkel von Thatcher lernen könnte

Natürlich kann eine Partei- und Fraktionsvorsitzende auch eine gute Bundeskanzlerin werden, die Deutschland aus seiner Malaise herausführt. Sie sollte Maggie Thatcher nicht kopieren, aber bei der Tiefe und der Breite der Reformpolitik durchaus an ihr Maß nehmen.“ Dies hat Horst Köhler geschrieben, der Bundespräsident.

LONDON. Er ist bei weitem nicht der Einzige, der gewisse Parallelitäten in den Lebensgeschichten zwischen Margaret Thatcher und Angela Merkel entdeckt hat. „Unsere Maggie heißt Angie“, sagen viele in der CDU, und einige werden es wieder sagen auf dem Bundesparteitag vom kommenden Montag an in Düsseldorf. Sie selbst hat gesagt, Thatcher sei kein politisches Vorbild für sie, um im nächsten Satz hinzuzufügen: „Es war die Leistung von Margaret Thatcher, in einer Krisensituation Großbritanniens mutige Entscheidungen gefällt zu haben.“

Die Frage bleibt: Taugt die Eiserne Lady als fast schon mythische Wunderwaffe für deutsche ReformPolitik? Eine Antwort mag die Geschichte dessen geben, was Maggie Thatcher wirklich tat und was man von ihr lernen kann.

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Oppositionsführerin Margaret Thatcher war zuversichtlich, als sie sich am Abend des 28. März 1979 in ihre Wohnung nach Chelsea fahren ließ. Es war der Tag, an dem in Großbritannien der Sozialismus zu Ende ging. Labour-Premier Jim Callaghan hatte, wenn auch knapp, die Misstrauensabstimmung im Unterhaus verloren. Nach dem Wirtschaftschaos im „Winter des Missvergnügens“ war nun auch den Parlamentariern der Glaube an die alten Modelle vergangen.

Thatcher war für die Schlacht gut gerüstet. In vier Oppositionsjahren hatten sie und ihr wirtschaftspolitischer Mentor, der spätere Industrieminister Keith Joseph, eine klare Analyse der britischen Misere und neue Konzepte entwickelt. Mindestens so wichtig war, dass Maggie bei den Anzeigenfachleuten in die Lehre gegangen war. Bei ihnen lernte sie, komplexe Argumente direkt und verständlich darzulegen. Mit Hilfe eines Sprecherziehers hatte sie die Tonlage ihrer Stimme um, wie später nachgewiesen wurde, 46 Hertz gesenkt. Nun hatte ihre Stimme Gewicht, Autorität. Der Kampf konnte beginnen.

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