Die Loyalität der zweiten Reihe
Wulff und Koch stehen unter Beobachtung

Spätestens seit dem Wahlabend stehen Christian Wulff und Roland Koch unter Beobachtung in der Union. Ihre Namen fallen am häufigsten, wenn spekuliert wird. Was passiert, wenn CDU-Chefin Angela Merkels Griff nach dem Kanzleramt sich doch noch als undurchführbar erweist?

BERLIN. Beide Ministerpräsidenten gelten als ehrgeizig, beiden wird unterstellt, sich für bessere Kanzleramtsanwärter zu halten als die Kandidatin. „Wenn sie könnten, würden sie beide sofort zugreifen“, mutmaßt deshalb ein Merkel-Vertrauter aus der Fraktion.

Beide, Koch und Wulff, weisen jedoch jeden Verdacht mit Nachdruck von sich. Denn Personalspekulationen sind das letzte, was die Union im Poker um das Kanzleramt jetzt gebrauchen kann. Doch vor allem an Wulff haftet der Verdacht wie Teer an: In Popularitätsumfragen schneidet er stets glänzend ab, viel besser als Koch und Merkel. Obendrein meinte mancher in der Unions-Spitze auch sein Verhalten nach der Wahl als Absetzbewegung deuten zu können. Anders als Koch habe sich Wulff von Merkel fern gehalten – während der Bitternis des Wahlabends etwa sei Koch im Adenauer-Haus keine Sekunde von Merkels Seite gewichen. Dagegen weilte Wulff zusammen mit Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger auf einer Fernseh-Wahlparty. Auch im Bundesvorstand am Montag nach der Wahl machte sich mancher Unions-Grande eine innere Notiz: Koch setzte sich massiv dafür ein, unter allen Umständen an Merkels Anspruch auf das Kanzleramt festzuhalten. „Wulff schwieg die ganze Zeit“, erinnert sich einer.

In Hannover empfindet man die Vorwürfe als unfair. In der Staatskanzlei registriert man besorgt, dass immer wieder Gerüchte gestreut werden, Wulff dränge in die erste Reihe. Das sei definitiv falsch, sein Platz sei in Hannover. Seine TV-Auftritte nach der Wahl etwa, so der Hinweis, habe Wulff auf ausdrücklichen Wunsch des Konrad-Adenauer-Hauses absolviert. Und am Dienstag nach der Wahl pochte Wulff nicht nur öffentlich klar auf Merkel als Kanzlerin, sondern schlug auch noch vor, dass die Union 2009 mit ihr antreten solle.

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