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29.07.2008 
Nächste Runde im Preiskampf

Die Milchbauern sind sauer

Milchbauern und Bauernfunktionäre haben vor der Bayerischen Landesvertretung in Berlin Trillerpfeifen und Kuhglocken sprechen lassen. „Mein Herz schlägt für Milchbauern“, stand auf ihren Ansteckern. Und Bundesagrarminister Horst Seehofer gerät als Krisenmanager unter Druck.

Trinkt zum Auftakt des Milchgipfels demonstrativ ein Glas Milch: Bundesagrarminister Horst Seehofer. Foto: dpaLupe

Trinkt zum Auftakt des Milchgipfels demonstrativ ein Glas Milch: Bundesagrarminister Horst Seehofer. Foto: dpa

HB BERLIN. Die Milchbauern wollen höhere Preise für ihre Milch haben. Rund zwei Monate nach dem Lieferstopp des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter trommelte Seehofer am Dienstag die Branche zu einem Milchgipfel zusammen – den Deutschen Bauernverband, den Milchviehhalterverband und die Länder, die Biobauern, die Molkereien und den Einzelhandel. „Wir brauchen Ihre Hilfe!“, rief Bauernpräsident Gerd Sonnleitner am Dienstag Seehofer zu, in dem er einen Verbündeten weiß. Doch im Preiskampf steigt der Druck auf den Bundesagrarminister und CSU-Vize.

Als Ziel nannte der Minister faire und kostendeckende Preise und eine leistungsfähige Landwirtschaft. „Wir stehen zu den Milchbauern“, beteuerte Seehofer. Er sei zuversichtlich, dass in der Spitzenrunde wichtige Grundlagen gelegt würden und „am Ende des Tages jeder weiß, was er zu tun hat“.

„Der Milchpreis lässt Bauer, Kuh und Milch richtig sauer werden“, hieß es auf einem Plakat der Milchbauern. Nach dem Anstieg der Milcherzeugerpreise, den die Molkereien 2007 wegen der weltweit gestiegenen Nachfrage aushandeln konnten, sank der Preis in diesem Frühjahr wieder. Viele Milchbauern sind enttäuscht und klagen über explodierende Kosten.

Der Einzelhandel signalisierte nach dem Lieferstopp im Juni, die Verbraucherpreise für Trinkmilch um bis zu 10 Cent zu erhöhen. Daraus wurden bei einigen Handelsketten letztlich 7 Cent mehr. Kurze Zeit später wurde auch Butter teurer. Die Milchbauern sahen im Juni aber nur 0,3 Cent pro Liter mehr und bekamen knapp 33 Cent pro Liter von den Molkereien.

Das Problem: Nur 40 Prozent der mehr als 28 Millionen in Deutschland erzeugten Tonnen Milch gehen an den hiesigen Einzelhandel. Dabei handelt es sich aber nicht nur um Trinkmilch oder Butter. Deshalb geht nur ein Teil der Erhöhung an die Milchbauern.

Und so waren die Hoffnungen vor der Spitzenrunde, die Seehofer selbst als Gipfel ankündigte, mitunter gering. „Man erwartet nicht zu viel“, sagte Milchbauer Detlef Schulze aus Liebenwalde in Brandenburg. Dazu kommt, dass sich der Deutsche Bauernverband und der Bundesverband der Milchviehhalter nicht in allem einig sind.

So lehnt der Bauernverband die Forderung der Milchviehhalter nach einem Mindestpreis von 43 Cent pro Liter ab. Während die Milchviehhalter am Montag für höhere Preise demonstrierten, organisierte der Bauernverband am Dienstag vor der Milchrunde eine Aktion.

Im Ziel sind sich alle einig: Erhaltung der heimischen Milchwirtschaft und höhere Erzeugerpreise. Doch der Agrarminister weiß: Preisverhandlungen sind Sache der Wirtschaft. „Wir tun, Bund und Länder, was wir tun können“, sagt Seehofer. Deshalb ging es um die Marktstellung der Bauern und Molkereien gegenüber dem Handel, um EU-Hilfen für Bauern in benachteiligten Regionen und darum, eine Ausweitung der Milchmenge durch die EU zu verhindern.

Dazu muss Seehofer die Länder ins Boot holen und prüfen, ob Vorschläge zur Steuerung der Milchmenge nicht mit EU-Recht kollidieren.

Obwohl es um Milch ging, tagten die rund 50 Beteiligten im Saal „Bierkeller“. Die Atmosphäre war nach Teilnehmerangaben konstruktiv. Seehofer baute jedenfalls schon einmal vor, was die Erwartungen an das Treffen anging. „Sie können in Deutschland machen, was Sie wollen – es wird immer auch eine kritische Bewertung geben. Über den Punkt bin ich längst hinaus.“

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