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04.03.2008 
Studie: Arbeitnehmer haben wenig vom Aufschwung

Die Mittelschicht schrumpft

Die Sorge vor dem wirtschaftlichen Abstieg greift in Deutschland immer weiter um sich: Die Mitte verliert und die Extreme entfernen sich weiter voneinander, lautet das Ergebnis einer DIW-Studie. Immer weniger Arbeitnehmer profitieren demnach vom Aufschwung - im Gegenteil.

Laut einer neuen Studie haben Arbeitnehmer wenig vom Aufschwung. Foto: apLupe

Laut einer neuen Studie haben Arbeitnehmer wenig vom Aufschwung. Foto: ap

HB DÜSSELDORF. Die Schicht der Bezieher mittlerer Einkommen schrumpfte nach einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in den vergangenen Jahren alarmierend rasch. Während ihr Anteil an der Bevölkerung bis 2000 acht Jahre lang stabil bei 62 Prozent lag, sackte er in den folgenden sechs Jahren bis 2006 auf 54 Prozent ab. Das entspricht einem Rückgang von 49 Millionen auf 44 Millionen Personen.

Die Abwärtsmobilität war demnach stärker ausgeprägt als der Aufstieg in die höheren Einkommensklassen. „Auch wenn sich der konjunkturelle Aufschwung 2007 weiter fortgesetzt hat, dürfte sich an der relativen Einkommenssituation in der Mitte nur wenig geändert haben“, stellt das DIW fest.

Auch das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zieht eine ernüchternde Bilanz: Der wirtschaftliche Aufschwung der vergangenen drei Jahre sei an den deutschen Arbeitnehmern weitgehend vorbeigegangen, stellten die Forscher in Düsseldorf fest. Die realen Nettolöhne seien in diesem Zeitraum sogar um 3,5 Prozent gesunken. Gewachsen seien ganz überwiegend in Unternehmensgewinne und Vermögen. Vom wirtschaftlichen Aufschwung hätten dieses Mal in Deutschland viel weniger Menschen profitiert als beim letzten Aufschwung von 1998 bis Anfang 2001. Damals seien die realen Nettolöhne um vier Prozent gestiegen.

Angesichts der einseitigen Einkommensentwicklung gebe es nur geringe Chancen für einen Schub beim Konsum, der nach den Analysen vieler Forscher die Konjunktur in diesem Jahr antreiben muss, um einen Abschwung zu verhindern. „Eine stärkere Lohnentwicklung, die gesamtwirtschaftlich den Verteilungsspielraum von rund 3,5 Prozent ausschöpft, würde Konsum und Wirtschaftsentwicklung voranbringen“, sagte der Wissenschaftliche Direktor des IMK, Professor Gustav Horn.

Noch deutlicher als die Löhne seien die realen Transfers, darunter Renten, an die privaten Haushalte gesunken: um fast sechs Prozent. Im vorigen Aufschwung waren die Leistungen noch um knapp vier Prozent gestiegen. Den Rückgang erklären die Ökonomen mit „Nullrunden bei den nominalen Renten, stagnierenden nominalen Leistungen bei Kindergeld, Bafög und anderen staatlichen Leistungen.“

Die Einnahmen von Unternehmern, vielen Selbstständigen, Aktienbesitzern und anderen Kapitaleignern seien dagegen deutlich angestiegen, ermittelten die Forscher: Die nominalen Bruttogewinne der Unternehmen seien in diesem Aufschwung um 25 Prozent gewachsen - nach fünf Prozent im vorigen Zyklus. Der Anteil der Bruttogewinne am Volkseinkommen stieg von 32 auf knapp 36 Prozent.

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