Die Perspektive der Anderen
Danke, Deutschland!

Es gibt einen anderen Blickwinkel auf die Flüchtlingskrise – abseits von Kosten und Ängsten. Traumatische Erinnerungen können verblassen und einem Lächeln weichen. Dafür dankt der Flüchtling Mahmoud Serhan Deutschland.

BerlinAn einem Morgen vor ein paar Monaten: Ich war auf dem Weg zu meinem Deutschkurs und traf im Bus drei kleine syrische Kinder. Zwei schüchterne Mädchen und einen Jungen, die zur Schule fuhren. Um mir die Zeit zu vertreiben, sprach ich sie an.

Zuerst duellierten wir uns auf Deutsch in einem Wortspiel – die drei besiegten mich leicht. Der kleine Junge stammte aus Homs, eine Stadt im Norden Syriens, die mehr als 500 Tage vom syrischen Regime belagert und von zahlreichen Massakern erschüttert wurde.

Der Elfjährige erzählte mir von seinen Erinnerungen an den Krieg. Er vermischte seine Erzählungen mit kindlichen Emotionen. Er versuchte mir zu zeigen, nicht zu beschreiben, was passiert war, als Kanonen und Kampfflugzeuge seine Nachbarschaft bombardierten.

Ich sah ihn in der Folge noch viele Male: Fußball spielend oder fröhlich umherrennend mit seinen Freunden auf dem Spielplatz. Ich hatte den Eindruck, als seien die Erinnerungen an die Heimat für ihn zu einem vergessenen, schrecklichen Albtraum geworden – als versuche er, die Erlebnisse mit seinen neuen, fröhlichen Erinnerungen zu begraben. Bei unserer letzten Begegnung im Bus fragte er mich, ob ich wisse, wie man Eiscreme mache.

Es ist das Lächeln und Lachen, das man in den Gesichtern der geflüchteten Kinder in Deutschland am häufigsten sieht – auf dem Spielplatz, auf dem Weg zur Schule, in Gesprächen mit Eltern oder Lehrern, im Kindergarten. „Gefühle sind ansteckend“, heißt es oft – und dabei ist Fröhlichkeit wohl das schönste, ansteckende Gefühl. Genau dieses Gefühl sehen auch die geflüchteten Eltern der Kinder. Es hilft ihnen, die Folgen des Krieges selbst zu überwinden. Es sagt ihnen: Ja, die Flucht war es wert.

Diese Hoffnung, an einem sicheren Ort jenseits der Kriegsgebiete aufzuwachsen, die Chance zu haben, die eigene Zukunft selbst zu bestimmen und glücklich zu sein – all das und vieles mehr ist aufgrund der sehr mutigen Politik der offenen Grenzen von Kanzlerin Angela Merkel geschehen.

Häufig wurde sie dafür kritisiert. Einmal sagte sie: „Deutschland tut das, was moralisch und was rechtlich geboten ist. Und nicht mehr und nicht weniger“. Für mich ist dieser Satz einer der zentralen Eckpunkte in der Flüchtlingskrise: Moralisch zu handeln und dem Gesetz folgen. Leider versagen da viele europäische Länder.

Mit 1,1 Millionen Menschen hat Deutschland die meisten Flüchtlinge in Europa aufgenommen. Und Deutschland bemüht sich intensiv um die Bewältigung der Krise. Die Bundesregierung erarbeitet Integrationsprogramme, Politiker diskutieren Lösungen, Ökonomen sprechen über die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt.

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Humanität hat keine Nationalität

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