Die Polit-Werber bei der NRW-Wahl
Peer und er

Für die Polit-Werber steht bei der Landtagwahl in Nordrhein-Westfalen viel auf dem Spiel. Sie wollen sich profilieren für die Bundestagswahl. Doch das Geschäft hat einen Haken: Die Parteien haben immer weniger Geld

DÜSSELDORF. Der Kopf erinnert mit seiner Birnenform an den von Helmut Kohl. Die Mundwinkel zeigen nach unten. Die schmalen Augen hinter der randlosen Brille blicken geradeaus. Kaum eine rote Ampel zwischen Münster und Siegburg ohne diese Aussicht. Kaum ein Stau ohne dieses Gesicht. Mehr als 5 000-mal hat die SPD den Kopf ihres Ministerpräsidenten in Nordrhein-Westfalen plakatiert, 3,50 Meter breit, 2,50 hoch. Daneben steht: "Klarer Kurs Peer Steinbrück".

Ausgedacht hat sich den Wahlkampfslogan der Sozialdemokraten Frank Stauss, Kreativchef der Düsseldorfer Werbeagentur Butter. Vor allem daran, ob seine Idee die SPD aus ihrem Umfragetief rettet, wird er sich nach der Wahl messen lassen müssen. Keine leichte Aufgabe - aber eine wichtige. Denn nicht nur für die Parteien gilt die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen (NRW) als Generalprobe für die Bundestagswahl 2006. Auch für eine ganze Branche - die Werber - bietet sie eine Profilierungschance.

Einen der bekanntesten Männer des Marktes hat die FDP beauftragt. Den 68-jährige Professor hat über Jahrzehnte die Werbetrommel für Altkanzler Helmut Kohl (CDU) gerührt. 1998 verpasste Kohl seine vierte Amtszeit und von Mannstein einen Trend: Personalisierung. Auch deshalb verlor der CDU-Kanzler die Wahl - und seine damalige Agentur mit ihm einen populären Kunden.

Inzwischen beherrscht der einstige Verlierer den nicht mehr neuen Trend, das hat er für die Union auf Länderebene beweisen können: Mit personalisierten Wahlkämpfen gewann Bernhard Vogel 1999 in Thüringen, vier Jahre später Roland Koch in Hessen, Christian Wulff in Niedersachsen. Den Kampf um die NRW-CDU hat von Mannstein gegen die Kölner Agentur Barten & Barten dennoch verloren.

Ein schwacher Trost: Seine Plakate hängen trotzdem. Die Union wirbt mit einem Motiv von Mannsteins aus dem Wahlkampfjahr 1975. Der Ideengeber sieht es gelassen. Auch die Fachzeitschrift "Politik & Kommunikation" witzelt: "Lagerwahlkampf mal konsequent umgesetzt". Mit einem erfolgreichen Europawahlkampf für die Partei und ihre Spitzenkandidatin Silvana Koch-Mehrin musste sich der einstige Star der Branche im vergangenen Jahr für die NRW-Wahl bei den Liberalen erst einmal beweisen. "Für die Grünen würde ich dagegen keinen Wahlkampf machen", sagt das CDU-Mitglied. "Undenkbar." Die wollen ihn auch gar nicht, sie haben die Berliner Agentur "Zum Goldenen Hirschen" beauftragt.

Nächste Wahl, nächste Chance. "Mit NRW wollen wir uns für die Bundestagswahl 2006 bewerben", sagt von Mannstein. Rund sechs Leute hat er daran gesetzt. Ihnen kommt zugute, dass Parteien sich "mehr und mehr als Markenartikel" begreifen, wie er sagt.

Von seinem Diener, der fast unbemerkt den klimatisierten Raum in der Agentur betritt und lautlos Espresso serviert, lässt sich der Professor beim Reden nicht stören. Geschäftstüchtig legt er nach: "Ich empfehle ständige Imagepflege. Die Parteien sollten sich nicht nur alle paar Jahre wie ein Zirkus an den Straßenrand stellen", sagt er und nippt an seiner goldumrandeten Tasse.

Der Rat überrascht nicht. Denn der Geschäftsbereich lief schon mal besser, gibt der Agenturchef zu: In den Hochzeiten habe er mit politischer Werbung 15 bis 20 Prozent des Umsatzes gemacht, seit er nicht mehr auf Bundesebene aktiv sei, sind es nur noch rund fünf Prozent. Den Rest verdient der Solinger Mittelständler mit klassischer Produktwerbung, Verkaufsförderung und PR.

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