Die Reaktion
Merkel lässt Anwürfe des Altkanzlers abtropfen

Die Bundesrepublik ist kein verlässlicher Partner mehr, die deutsche Außenpolitik habe keinen Kompass, giftete der Altkanzler in Richtung Kanzlerin. Nun schlägt Angela Merkel zurück - mit ebenso subtilen Äußerungen.
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BerlinKanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die scharfe Kritik von Altkanzler und Parteifreund Helmut Kohl an einem fehlenden Kompass in der Außenpolitik zurückhaltend, aber inhaltlich klar zurückgewiesen. „Die Verdienste Helmut Kohls als Kanzler der deutschen Einheit und der europäischen Einigung sind nicht hoch genug einzuschätzen“, sagte sie der „Süddeutschen Zeitung“. Die CDU-Vorsitzende fügte aber hinzu: „Jede Zeit hat ihre spezifischen Herausforderungen. Die christlich-liberale Bundesregierung arbeitet daran, die Herausforderungen unserer Zeit zusammen mit unseren Partnern in Europa und der Welt entschlossen zu meistern.“  

Ohne die Kanzlerin direkt zu nennen, hatte Kohl in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview der Zeitschrift „Internationale Politik“ beklagt, der schwarz-gelben Regierung fehle der politische Kompass. Deutschland sei seit Jahren keine berechenbare Größe mehr. Indirekt warf er Merkel auch vor, keinen Führungs- und Gestaltungswillen zu haben.

Der 81-Jährige kritisierte unter anderem die deutsche Enthaltung im UN-Sicherheitsrat zum Libyen-Einsatz der Nato und eine Verschlechterung in den deutsch-amerikanischen Beziehungen. Die Abschaffung der Wehrpflicht nannte er einen Fehler.  

Seiner direkten Nachfolgerregierung, der rot-grünen Koalition unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder, hielt er Fehler bei der Aufnahme Griechenlands in die Eurozone vor. Trotzdem mahnte er nun dringend zur Solidarität mit Griechenland und zur Rettung des Euro.

Zuvor hatte bereits CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe die Kanzlerin in Schutz genommen und Kohls Kritik widersprochen. „Die von Helmut Kohl genannten Grundprinzipien deutscher Außenpolitik - wie die transatlantische Partnerschaft, die Einigung Europas und die deutsch-französische Freundschaft - bestimmen auch heute das Handeln der Regierung von Angela Merkel“, sagte Gröhe der Zeitung „Die Welt“. Die Vorschläge von Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy zur Stärkung der Stabilitätskultur in Europa setzten den Weg Helmut Kohls und seines Finanzministers Theo Waigel (CSU) fort und korrigierten die falsche Politik von Rot-Grün.

Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat die Kritik von Alt-Kanzler Helmut Kohl an seiner Politik zurückgewiesen. Er schätze Kohl „als gewichtige Persönlichkeit“ zwar sehr, von einem Kurswechsel könne aber keine Rede sein, sagte Westerwelle am Mittwochabend im ZDF.

Ganz anders sieht das der Grünen-Fraktionsvorsitzende Jürgen Trittin. Kohls Kritik sei "beispiellos und vernichtend“. Kohl bringe die Haltung der Kanzlerin in der Eurokrise auf den Punkt und fordere zu Recht von ihr „zügige und unideologische Maßnahmen“, sagte Trittin am Donnerstag in Hannover. Man brauche endlich den europäischen Stabilisierungsmechanismus, sagte der Grünen-Politiker weiter. Der Mechanismus dürfe nicht weiter tot verhandelt werden. „Man muss die Spekulation gegen einzelne Staaten der Eurozone beenden und dies geht nur mit europäischen Staatsanleihen“, betonte er.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Wir dürfen dabei auch nicht vergessen, dass bei uns eine enorme Verostung stattgefunden hat.
    Nicht die DDR ist der Bundesrepublik beigetreten, sondern umgekehrt. Die alten SED-Kader haben die BR übernommen
    Und genau diese Politik haben wir doch heute
    Merkel hat es nicht mit Demokratie.
    Ich frage mich nur ständig, wann die restliche CDU -ein paar ordentliche Leute wird es da wohl noch geben- und die Presse und Medien das enldich merken und thematisieren

  • Kohl schmettert diese Honecker-Nachfolgerin öffentlicht via Presse ab und Wulff bestellt sie sicher zu sich ein.Denn der hat es ja auch gewagt, zu kritisieren und das geht ja nun gar nicht. Sie wird ihm klar machen, dass er es ihr zu verdanken hat, dass er BuPrä ist.
    Ja sie weiß schon, wie man die Leute gängelt, hat sie ja gut gelernt in der Jugendorganisation der SED
    Was wäre Merkel wohl heute, wenn die Mauer nicht gefallen wäre?
    Ja, richtig, sie wäre ganz oben im Politbüro

  • Frau Merkel soll aufhören, immer von der "christlich-liberalen" Koalition zu reden.
    Die CDU ist längst keine christliche Partei mehr seit Merkel sie sich in einer Art Putsch unter den Nagel gerissen hat. Die jetzige vermerkelte CDU wird der SED immer ähnlicher.
    Und die FDP liberal? Da muß ich aber lachen

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