„Die sehr, sehr gute Partei“: „Das ist politische Parlamentsarbeit, wie sie im Buche steht.“

„Die sehr, sehr gute Partei“
Böhmermann bringt AfD-Nachwuchs in Rage

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„Das ist politische Parlamentsarbeit, wie sie im Buche steht.“

Die AfD-Jugend, die vom Sprecher der Bundesparteichefin Petry, Markus Frohnmaier, angeführt wird, wirft dem Satiriker vor, sich nicht „sachlich mit dem AfD-Programm auseinanderzusetzen“, sondern stattdessen die Forderungen der Partei mit „linken Vorurteilen“ wegzuwischen. Dann führt die JA eine kleine Auswahl von „Negativbeispielen“ auf – mit dem gleichzeitigen Hinweis, dass man nicht alles auflisten könne. So kommt es, dass ein Highlight, das Böhmermann in seiner Sendung vorstellt, keine Erwähnung beim Parteinachwuchs findet.

Dabei ist es schon skurril, wie sich Carsten Hütter, Abgeordneter der AfD im Landtag in Sachsen, mit seiner Anfrage an die Landesregierung und der Antwort, die er bekommt, quasi selbst entzaubert. Der Grund für die Anfrage war, dass angeblich Flüchtlinge im Maxim-Gorki-Park deutsche Frauen vergewaltigten.

Seine Fragen dazu:

1. „Gab es im Mai 2016 im Maxim-Gorki-Park in Sachsen eine Vergewaltigung?“
2. „Steht diese im Zusammenhang mit einem Asylbewerber oder wurde durch das Opfer in der Täterbeschreibung ein Hinweis auf einen Asylbewerber gegeben?“
3. „Wurde der Fall an die Presse kommuniziert und gab es in diesem Zusammenhang eine Pressefreigabe?“
4. „Gab es Versuche seitens der Behörden oder Dritter, das Opfer zum Schweigen zu bringen?“
5. „Welchen Stand haben die Ermittlungen?“

Böhmermann findet, dass Hütter hier wirklich „knallhart nachgefragt“ habe. „Das ist politische Parlamentsarbeit, wie sie im Buche steht.“ Und danach verliest Böhmermann trocken die Antwort der Regierung: „Die Fragen sind inhaltlich nicht bestimmbar. Der Staatsregierung ist im Freistaat Sachsen kein Maxim-Gorki-Park bekannt.“

Hütter ist sein Fauxpas dann auch aufgefallen. Mit einem, wie soll es anders sein, Seitenhieb gegen die Presse, die sich über den Fehler lustig gemacht hat, kündigt er auf seiner Webseite einen Neuanlauf für seine Anfrage an.

Unter der Überschrift „So arbeitet unsere Presse!“ schreibt der Abgeordnete: „Kaum eine kl. Anfrage der AfD findet den Weg in die Presse, wenn aber aus Versehen ein falscher Ort benannt wird, dann wird es natürlich abgedruckt und/oder veröffentlicht!“ Dann verspricht Hütter: „Anfrage wird überarbeitet und neu eingereicht. Ich habe einen Fehler gemacht, suche keinen Schuldigen, stehe dazu. Basta!“

Kommentare zu " „Die sehr, sehr gute Partei“: Böhmermann bringt AfD-Nachwuchs in Rage"

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  • @Frau Annette Bollmohr
    Dass die Opposition kritisiert, ist eigentlich völlig normal. Man kann zur AfD stehen, wie man will, die Probleme hat sie nicht verursacht. In Ermangelung von entsprechender Macht, kann sie auch keine lösen. Ob sie es kann, wenn sie die Macht dazu hätte, ist eine andere Frage. CDU und SPD können oder wollen es auch nicht. Sie wollen uns die Politik nur immer erklären.

  • FEST STEHT, DASS DIE AFD
    NÄCHSTES JAHR SOWOHL IM
    NRW-LANDTAG WIE AUCH IM
    BUNDESTAG SITZEN WERDEN.

    Dies verheißt selbstverständlich, dass kleine wie große Anfragen erheblich zunehmen werden.
    Aber vielleicht - wer weiß - bemüßigen sich die "etablierten" Parteien selbst vermehrt Anfragen zu den vielen offensichtlich unklärbaren Problemen im ganzen Land "in Frage zu stellen".

    NÖTIG WERS!

  • @Herr Ulf Söderberg, 29.11.2016, 10:37 Uhr

    "Warum greift die Presse in völliger Gleichschaltung immer die Kritisierenden an statt sich das anzuschauen was kritisiert wird?"

    Weil die "Kritisierenden" oft nur kritisieren, aber keinerlei konstruktive Lösungen anbieten, d.h., sich aufs Meckern beschränken.

    Ist ja auch bequemer so.

    Und es hat ja auch durchaus was Heimeliges, wenn man sich im Muff der zum gemeinsamen Ablästern organisierten Treffen gegenseitig versichern kann, dass man sich nicht nur in "guter Gesellschaft" befindet, sondern obendrein im Gegensatz zu all den ignoranten "anderen" zum Kreise derer gehört, die wirklich wissen, wo es "langgeht".


    Und noch was: Das mit der "völligen Gleichschaltung" ist kompletter Blödsinn. Die Berichterstattung zu aktuellen Ereignissen kann bei seriösen Medien logischerweise nur nahezu identisch sein - Fakten werden schließlich deshalb als solche bezeichnet, weil sie erstens offensichtlich und zweitens nachprüf- und belegbar sind.

    Aber bei der Kommentierung dieser Fakten - also deren Bewertung - liegen die unterschiedlichen Medien durchaus nicht selten weit auseinander.

    Das würden Sie schnell merken, wenn Sie sich mal auf andere als Ihre gewohnten Informationsquellen einlassen und dabei vor allem auf mehr Ausgewogenheit bezüglich deren politischer Präferenzen und thematischer Schwerpunkte achten würden.

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