Die SPD hat keinen Grund zum Jubeln
Dreimal schlägt Beck in die Luft

Es hätte ein so schöner Abend sein können: Der vierte Wahlsieg für die SPD seit 15 Monaten in Folge. Ein klares Votum für den Mindestlohn, der nach der Ankündigung von Generalsekretär Hubertus Heil zur Abstimmung stand. Und ein starkes Signal, dass die SPD in einer großen Koalition nicht verlieren muss.

BERLIN. Doch als am Sonntagabend die Hochrechnungen aus Bremen über die Bildschirme laufen, will keine rechte Stimmung im Berliner Willy-Brandt-Haus aufkommen. Weit unter der von den Demoskopen vorhergesagten 40-Prozent-Marke bleibt die rote Säule stecken und markiert das zweitschlechteste Ergebnis der Partei in der Hansestadt seit langem.

Kurt Beck lässt sich Zeit. Eine halbe Stunde vergeht, bis der SPD-Chef endlich vor die Kameras tritt. Sein Lächeln wirkt eher verkrampft als überschwänglich. Generalsekretär Heil und Fraktionschef Peter Struck stehen ihm zur Seite. Das hätte eine kraftvolle Inszenierung werden können, wenn die Stammwähler nicht in so großer Zahl den Urnen ferngeblieben wären. Die Sozialdemokraten seien „die mit Abstand stärkste Partei“, betont Beck und: „Gegen sie kann nicht regiert werden.“ Das sind aber die einzigen positiven Nachrichten des Abends. Ein Triumph sieht anders aus. Zwar erwartet niemand eine programmatische Rede. Aber auffällig ist schon, dass Beck den Mindestlohn mit keinem Wort erwähnt.

Dafür lässt die kurze Ansprache erahnen, weshalb der in der Öffentlichkeit zuletzt arg kritisierte Parteichef an der Parteibasis immer noch beliebt ist. „Näher an den Menschen“ will Beck sein. Und so ist es für ihn selbstverständlich, in diesem Moment an den „furchtbaren Schicksalsschlag“ zu erinnern, der Spitzenkandidat Jens Böhrnsen mitten im Wahlkampf ereilte. Seine Frau starb am 7. März an einer Hirnblutung. Mit eiserner Disziplin kämpfte Böhrnsen weiter. Dafür zollt ihm Beck „ein ganz besonderes Wort des Respekts“.

Am Montag wird sich Beck in Berlin gemeinsam mit dem alten und neuen Bürgermeister präsentieren. Wahrscheinlich wird er dann noch einmal daran erinnern, dass die SPD unter seiner Führung schon drei Wahlen gewonnen hat. Doch Beck weiß auch, dass die Serie in Hessen und Niedersachsen kaum fortzusetzen ist und er dringend Erfolgsmeldungen braucht, um aus dem persönlichen Stimmungsloch herauszukommen. Der Koalitionsausschuss am Abend böte dazu die erste Gelegenheit. Der Umbau der Parteispitze ist eine weitere.

Etwas Glück aber gehört auch dazu. Betont optimistisch will Beck am Ende seines Auftritts dem neben ihm stehenden Struck zum Basketballergruß auf die Hand klatschen. Ein schönes Bild. Doch Struck versteht das Zeichen nicht. Dreimal schlägt Beck in die Luft.

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