Die SPD in Nöten
Becks Kollateralschaden

So fröhlich hat man die CDU-Strategen im Hamburger Wahlkampf noch nie gesehen. Endlich können die Christdemokraten die kommunistischen Geister bei der SPD beschwören. „Ein Geschenk des Himmels“, feixen sie. Für die Sozialdemokraten in der Hansestadt ist das dagegen der politische GAU.

HAMBURG. Die Hamburger SPD fuhr seit Monaten eine Art „Rote-Socken-Kampagne“ gegen die Linken. Dachten sie zumindest - bis ihnen ihr Bundeschef Kurt Beck einen Bärendienst erwies und für Hessen zwar eine aktive, aber keine passive Zusammenarbeit mit den Linken ausschloss. Und das ausgerechnet in dem Moment, in dem die Wahlkämpfer in Hamburg die Zeit bis zur Bürgerschaftswahl am Sonntag nur noch in Stunden zählen.

Da kann der SPD-Spitzenkandidat Michael Naumann nun noch so sehr schwören, beteuern und sagen „nein, nein, nein“, in Hamburg werde es dies nie geben - für die in Hamburg alleinregierende CDU ist der Fall längst klar, schließlich hat auch Hessens SPD-Chefin Andrea Ypsilanti stets eine Kooperation mit den Linken ausgeschlossen: Fällt Hessen, fällt auch Hamburg, ist die CDU überzeugt. So sagt die CDU-Chefin, Kanzlerin Angela Merkel, beim Wahlkampfabschlussspektakel im Hamburger Kongresszentrum CCH, Naumann möge zwar für sich selbst die Wahrheit sagen: „Aber die SPD in Hamburg ist eben nicht Naumann.“

Selbst CDU-Bürgermeister Ole von Beust, bislang für ruhigere Töne bekannt, erklärt: Hamburg dürfe keine Stadt werden, „in der Kommunisten wieder das Sagen haben“. In der Tat könnte die Linke - Meinungsforscher sehen sie bei 6 bis 8 Prozent - auch in Hamburg die bisherige Koalitionsarithmetik durcheinanderwirbeln und „hessische Verhältnisse“ in der Hansestadt produzieren. Dann hätten weder CDU noch SPD mit ihren jeweiligen Wunschpartnern FDP und Grüne - in Hamburg GAL genannt - eine Mehrheit.

Vor allem SPD und GAL verlieren wohl Stimmen an die Linken, versuchen deshalb seit Monaten rhetorisch dagegenzuhalten. So sind die Linken in Naumanns Augen nur eine Truppe aus Maoisten, Trotzkisten und Enttäuschten. Und auch SPD-Chef Ingo Egloff sagt: „Wer mit denen verlässlich eine Landesregierung führen, stützen oder tolerieren oder sonst was will, der wird nach kürzester Zeit Schiffbruch erleiden.“

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