Die Suche nach dem Chef
In der IG Metall wächst der Druck auf Huber

Bei der Suche nach einem Ausweg aus der Führungskrise der IG Metall wächst jetzt der Druck auf den baden-württembergischen Bezirksleiter Berthold Huber. Dieser solle seinen Verzicht auf eine Kandidatur für ein Führungsposition noch einmal überdenken, heißt es bei Betriebsräten aus beiden Strömungen der Gewerkschaft.

Reuters BERLIN. Gleichzeitig fordern die Gegner des bisherigen stellvertretenden Vorsitzenden Jürgen Peters unverändert vehement dessen Verzicht auf eine Kandidatur für den Chefposten der Gewerkschaft.

„Für die IG Metall ist es besser, wenn unverbrauchte Leute das Ruder übernehmen. Berthold Huber ist weiterhin eine gute Wahl“, sagte der Chef des Siemens-Konzernbetriebsrats, Georg Nassauer, der „Berliner Zeitung“ vom Dienstag. Dem bisherigen Vize Peters räumte er kaum Chancen ein. „Jürgen Peters ist durch den Führungsstreit als Kandidat verbrannt.“ Bereits vorige Woche hatten mehrere Betriebsräte in Süddeutschland sich für Huber stark gemacht.

Der Vorsitzende des IG-Metall-Bezirks Bayern, Werner Neugebauer, sagte im Berliner Inforadio zu einer möglichen Kandidatur Hubers, er wolle nicht öffentlich die Personaldebatte fortführen. Der zu den Unterstützern von Peters zählende Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates von Volkswagen Klaus Volkert, bat Huber im „Deutschland-Radio“, seine Entscheidung noch einmal zu überdenken und wieder in das „Führungstandem“ mit Peters zurückzukehren. Er sei sicher das Peters seinen Führungsanspruch auf dem vorgezogenen Gewerkschaftstag Ende August sicher behaupten.

Huber schweigt weiter

Der als Kopf der Reformer in der IG Metall geltende Huber lehnte auch am Dienstag jede Stellungnahme ab. „Huber ist gut beraten. Deshalb äußert er sich jetzt nicht“, sagte sein Sprecher Frank Stroh in Stuttgart. Stroh schloss weiterhin aus, dass Huber wieder in ein Tandem mit Peters als künftigem Vorsitzenden und ihm als Stellvertreter zurückkehren könnte. Eine geplante Pressekonferenz am vergangenen Freitag war von Huber kurzfristig abgesagt worden. Möglicherweise werde sich der 53-Jährige im Laufe dieser Woche aber öffentlich äußern, hieß es in Stuttgarter Gewerkschaftskreisen.

Der geschäftsführende Vorstand der IG Metall hatte sich am Montag dem Druck der Basis gebeugt und beschlossen, den ursprünglich Mitte Oktober geplanten Gewerkschaftstag in Teilen auf Ende August vorzuziehen, um dann bereits eine neue Führung zu wählen. Damit soll die Krise möglichst rasch beendet werden. Der 41 Mitglieder zählende Hauptvorstand der IG Metall soll bereits am Mittwoch kommender Woche nach einem neuen Personalvorschlag für die neue Führung suchen.

Dem ursprünglich im April ausgehandelten Kompromiss zufolge sollte Peters Vorsitzender und sein Widersacher Huber Zweiter Vorsitzender werden. Im Zuge der Zerwürfnisse nach der Streikniederlage in Ostdeutschland wurde Peters mehrfach zum Verzicht aufgefordert, was der 59-Jährige aber nach wie vor ablehnt. VW-Gesamtbetriebsrat Volkert kritisierte im Berliner „Tagesspiegel“ den geschäftsführenden Vorstand, weil dieser am Montag keine Kandidaten benannt hat. „Es ist abenteuerlich, diese Entscheidung 600 Delegierten zu überlassen.“ Dies vertiefe die Spaltung der Organisation.

Bayerns Bezirkschef Neugebauer rechnet jedoch damit, dass es in der kommenden Woche vom Hauptvorstand einen Personalvorschlag geben wird. Er selber komme nicht in Frage: „Ich habe keine Ambitionen.“ Neben der Klärung der personellen müsse die IG Metall auch inhaltliche Fragen klären. So müsse etwa das Verhältnis zur Sozialdemokratie neu definiert und Antworten auf differenzierte Probleme in den Betrieben gefunden werden.

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