Die vergebliche Suche nach der Balance
Über Gebühr bezahlt

Von der Politik sind die privaten Fernseh- und Radiosender enttäuscht. Pünktlich zum 1. April tritt die Erhöhung der Rundfunkgebühren für ARD und ZDF in Kraft. Die Anhebung um 88 Cent auf monatlich 17,03 Euro ist eine bittere Niederlage für RTL, Pro Sieben Sat 1 und Co. – auch wenn die Erhöhung niedriger als erwartet ausfällt.

DÜSSELDORF. Ursprünglich hatten ARD und ZDF eine Anhebung von zwei Euro monatlich gefordert. Die unabhängige Gebührenkommission KEF hatte vorgeschlagen, die Gebühren um 1,09 Euro zu erhöhen, war aber mit diesem Betrag am Einspruch der Ministerpräsidenten von Bayern, Sachsen und Nordrhein-Westfalen gescheitert. Bislang erhalten die Rundfunkanstalten gut sechs Milliarden Euro pro Jahr.

Mit den neuen Gebühreneinnahmen von rund 350 Millionen pro Jahr für ARD und ZDF droht das Gleichgewicht – 21 Jahre nach der Einführung des privaten Fernsehens – beschädigt zu werden. „Die Erhöhung bringt unser Rundfunksystem nicht zum Kippen, aber die Gewichte haben sich deutlich zu Gunsten von ARD und ZDF verändert“, sagt Gerhard Zeiler, Vorstandschef des Fernseh- und Radiokonzerns RTL Group. Der Ex-Generalintendant des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ORF in Österreich weiß, wovon er spricht: „Unsere Politiker neigen zu keinen radikalen Lösungen.“

Sowohl die Tochter des Medienriesen Bertelsmann als auch der TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 kämpfen mittlerweile im fünften Jahr mit Europas schlechtestem TV-Werbemarkt. Nirgendwo sonst haben sich die Ausgaben für Fernsehreklame so schlecht entwickelt wie in Deutschland. Die ursprüngliche Hoffnung auf eine schnelle Erholung ist längst geplatzt. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund forderten die Privaten einen Gebührenstopp in Deutschland. Ein vergeblicher Versuch.

Nun stärkt die neue Gebührenrunde die sowieso schon starke Position von ARD und ZDF im Fernsehmarkt. So ist die ARD heute wieder der meistgesehene Sender, noch vor RTL. Und auch bei den Bruttowerbeeinnahmen verkehren sich die Vorzeichen. Während die ARD 2004 ihre Bruttowerbeumsätze um knapp 50 Mill. Euro auf 252 Mill. steigern konnte, verbuchte der rein durch Werbeeinnahmen finanzierte Kölner Privatsender RTL mit 2,2 Mrd. Euro Bruttowerbeeinnahmen drei Prozent weniger als im Vorjahr.

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