Die westdeutsche PDS will als Linkspartei den Durchbruch schaffen
Wenigstens ruft mal wer an

Bürger sind zu dieser Bürgersprechstunde nicht erschienen. Die Bochumer PDS - auch sie nennt sich seit dem Wochenende Linkspartei - bleibt unter sich. Jürgen Plagge-Vandelaar und Ernst Lange, Mitglieder der sozialistischen Stadtratsfraktion, sitzen vergeblich in ihrem Büro und schauen auf das große Plakat an der Tür: "Nazis raus aus den Köpfen".

BOCHUM. "Bei dem Wetter hätte ich auch was besseres vorgehabt", sagt Plagge-Vandelaar und versichert, dass bei den vergangenen Sprechstunden durchaus ein paar Leute ihre Probleme vorgetragen hätten. Dabei ging es meist um Hartz IV.

Die Nachfolgepartei der SED werde von den Menschen im Westen mittlerweile akzeptiert, sagt Ute Abraham, Geschäftsführerin der Linkspartei Offene Liste in Duisburg. Die massive Ablehnung, die sie Mitte der 90er-Jahre erlebt hatte, sei verflogen. Ihr Bochumer Kollege Plagge-Vandelaar berichtet Ähnliches: Im Wahlkampf 1990 hatte er sich noch wie ein Tier im Zoo gefühlt. Passanten hätten den Stand und ihn neugierig beäugt. Vier Jahre später habe sich die Stimmung dann gewandelt: "Damals haben mich die Leute zum Teil heftig attackiert." Als dann der parteilose Ernst Lange vor der Kommunalwahl im vergangenen Jahr in Bochum gemeinsam mit der PDS von Tür zu Tür zog, um Unterschriften für die Kandidatur zu sammeln, sei er nur ein einziges Mal abgewiesen worden - "höflich aber bestimmt", von einem CDU-Mitglied.

Trotzdem: Richtig angekommen ist die Linkspartei in Westdeutschland auch 15 Jahre nach der Wende nicht. Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen kam sie gerade mal auf 1,4 Prozent. Bei den Kommunalwahlen sah es nur etwas besser aus. Die Partei werde im Westen nach wie vor mit ihrer DDR-Vergangenheit in Verbindung gebracht, sagt Plagge-Vandelaar. Zudem könne sie ihre Inhalte nur schwer vermitteln, da es an einer breiten Basis wie im Osten fehlt - die Linkspartei in Bochum und Wattenscheid zusammen bringt es auf gerade mal 40 Mitglieder.

Nachdem sie 2002 aus dem Bundestag geflogen war, schrumpfte zudem das Interesse der Medien. Auch deshalb ist die Hoffnung auf das Bündnis mit der WASG hier so groß. Könnte es doch den Weg ins Parlament ebnen und die Aufmerksamkeit der Presse zurückholen. Und wenn die Leute wieder über die PDS, beziehungsweise Linkspartei, reden, bringt das Wählerstimmen - so die Hoffnung der Funktionäre. Die Duisburger Fraktionsgeschäftsführerin Abraham dagegen erhofft sich vom Schulterschluss mit der WASG vor allem eines: Dass die Partei endlich ihr SED-Image verliert. "Weder Inhalte noch Personen sind dieselben wie damals", sagt sie.

In den vergangenen Wochen stimmte die Bochumer Parteispitze mit den WASG-Kollegen schon die Strategie für den Wahlkampf ab. Die beiden Teilparteien wollen unter anderem mit gemeinsamen Ständen antreten, um die Bürger von der Notwendigkeit ihrer politischen Ziele zu überzeugen.

Dass das Interesse der Bürger an der Partei in den vergangene Wochen bereits zugenommen hat, registrierte auch der Bochumer Ortsverband. Die Zahl der Anrufe ist "merkbar gestiegen", sagt Plagge-Vandelaar. Nur bei dieser Bürgersprechstunde schweigt auch das Telefon.

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