Die Zukunft der Arbeit Ausländische Experten händeringend gesucht

Deutschland braucht Einwanderer, wenn das Land wettbewerbsfähig bleiben will. Daran besteht unter Fachleuten kein Zweifel. Doch wie kann es Politik und Wirtschaft gelingen, die richtigen Migranten anzuziehen?

BERLIN. Wenn Arnold Kawlath einen Gießerei-Ingenieur aus Polen einstellen will, muss er tief in die Trickkiste greifen: „Wir basteln eine Stellenausschreibung, die auf keinen deutschen Bewerber passt. Wir verlangen etwa polnische Sprachkenntnisse.“ Kawlath ist geschäftsführender Gesellschafter der traditionsreichen Gießerei Schubert & Salzer. Das Unternehmen, das im sächsischen Erla mehr als 300 Leute beschäftigt, ist europäischer Marktführer bei der Herstellung von Turboladergehäusen und Abgaskrümmern. Die Branche boomt. Sie ist in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren um 30 Prozent gewachsen.

Händeringend sucht Kawlath Ingenieure, die der deutsche Markt nicht bieten kann: In Deutschland werden pro Jahr gerademal 20 Gießerei-Ingenieure ausgebildet, die Branche braucht aber hundert dieser Fachkräfte. Das wissen auch die Arbeitsagenturen. Nach dem Buchstaben des Gesetzes muss Kawlath jedoch zunächst einen deutschen Arbeitnehmer suchen. Erst wenn er monatelang erfolglos bleibt, darf er die Stelle mit einem Ausländer besetzen, auf den – nicht ganz zufällig – exakt die Stellenausschreibung passt. Kawlath kann dann mit Fug und Recht sagen, dass nur der polnische Bewerber für die Stelle in Betracht kommt, die Arbeitsagentur gibt dazu ihren Segen.

Das Beispiel macht deutlich: Es ist nicht leicht, ausländische Fachleute nach Deutschland zu holen. Die Erfahrungen, die Kawlath macht, werden künftig mehr und mehr Unternehmer machen. Denn die deutsche Wirtschaft wird eine wachsende Zahl von Spezialisten benötigen, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben will. Langfristig wird sich dieser Bedarf nicht mehr aus der deutschen Bevölkerung decken lassen, daran besteht unter Fachleuten kein Zweifel.

Die Wirtschaft fordert deshalb seit langem flexiblere Zuwanderungsregeln. So will etwa die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), „gesteuerte Zuwanderung in Abhängigkeit vom Bedarf des Arbeitsmarktes flexibel und zeitnah tatsächlich ermöglichen“. Die Botschaft der BDA ist klar: Deutschland braucht eine Kehrtwende in der Zuwanderungspolitik und muss für Hochqualifizierte attraktiver werden.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%