Die Zukunft der Arbeit
Demographie belastet Arbeitsmarkt

Die Überalterung sorgt dafür, dass Arbeitskräfte in Deutschland knapper werden. Einige Arbeitsmarktpolitiker setzen daher darauf, dass sich das Problem der Massenarbeitslosigkeit im Laufe der Zeit von alleine lösen wird. Doch die Rechnung geht nicht auf.

BERLIN. Was Rentenpolitikern anhaltende Kopfschmerzen bereitet, nehmen Arbeitsmarktpolitiker noch immer gerne heimlich als Beruhigungspille: Die Gesellschaft altert, weniger junge Menschen wachsen nach. Da werden sich ja wohl für die kommenden Generationen wenigstens wieder genügend Arbeitsplätze finden. Wozu sich also an unbequemen Aufgaben wie einer Flexibilisierung des Arbeitsrechts verausgaben? Scheinbar reicht es auf Dauer doch völlig aus, wenn die Rentenpolitiker die Altersversorgung solide organisieren.

Die rot-grüne Koalition hat auf dieser Basis vor nicht allzu langer Zeit sogar noch offizielle Regierungspolitik betrieben. „Langfristig wird das Erwerbspotenzial zurückgehen, und damit wird sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt entspannen“, argumentierte man im Hause von Arbeitsminister Walter Riester – und erklärte so nebenbei, warum ein Ausbau der Frührente zur Entlastung des Arbeitsmarkts nur vorübergehend nötig sei.

Die Rechnungen dahinter wirken verlockend: Nach den Bevölkerungsprognosen des Statistischen Bundesamts beginnt die Zahl der deutschen Erwerbskräfte hier zu Lande ab 2010 zu sinken. In 20 Jahren wird die Altersgruppe derer, die einen Arbeitsplatz suchen könnten, bereits um fünf Millionen kleiner sein als heute. Und schon wäre theoretisch das viel beklagte Problem der Massenarbeitslosigkeit gelöst.

Praktisch lässt sich freilich sehr schnell feststellen, dass daran etwas nicht stimmt. Denn sonst wären kleinere Länder ja fast schon automatisch vor Arbeitslosigkeit geschützt. „Das ist nicht Ökonomie, sondern allenfalls Hydraulik“, schimpft daher auch Martin Werding, Bereichsleiter Arbeitsmärkte am Münchener Ifo-Institut. „Solange wir die Strukturprobleme am Arbeitsmarkt nicht lösen, bleibt die Arbeitslosenquote bestenfalls konstant.“ In einer Gesellschaft, die um zehn Prozent schrumpft, könnte die absolute Zahl der Arbeitslosen daher vielleicht ebenfalls um zehn Prozent sinken – vielleicht aber auch nur um fünf oder gar nicht. In jedem Fall würde dann der Wohlstand sinken, die Finanzprobleme der Sozial- und Staatskassen würden noch größer als ohnehin.

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