Dienstanweisung
Behörde entdeckt erstmals Schießbefehl in Stasi-Akten

Erstmals ist in den Stasi-Unterlagen ein bedingungsloser Schießbefehl gegen DDR-Flüchtlinge entdeckt worden. Sogar bei Frauen und Kindern sollten die Soldaten nicht zögern.

HB BERLIN. Ein ungewöhnlich deutlich formulierter Schießbefehl für den Einsatz an der DDR-Grenze ist in Dokumenten der Magdeburger Außenstelle der Stasi-Akten-Behörde entdeckt worden. Wie die „Magdeburger Volksstimme“ am Samstag berichtete, enthielt eine Dienstanweisung der Einsatzkompanie des Ministeriums für Staatssicherheit vom 1. Oktober 1973 die Aufforderung, Flüchtlinge zu „stellen bzw. liquidieren“. Weiter heißt es: „Zögern Sie nicht mit der Anwendung der Schusswaffe, auch dann nicht, wenn die Grenzdurchbrüche mit Frauen und Kindern erfolgen.“

Die Dienstanweisung stammt der Zeitung zufolge aus den Akten eines Unterfeldwebels, der als Stasi-Spitzel in den Grenztruppen eingesetzt war. Der Leiter der Außenstelle, Jörg Stoye, sprach von einem aufsehenerregenden und bedeutsamen Fund. Bisher habe es in den offiziellen DDR-Akten einen so deutlichen Schießbefehl, der keinerlei Einschränkung des Schusswaffengebrauchs vorsieht, nicht gegeben.

Nach Einschätzung des Historikers Hubertus Knabe ist das Dokument von großer Bedeutung. Knabe sagte der „Welt am Sonntag“: „Dieses Dokument war eine Lizenz zum Töten an der DDR-Grenze.“ Besonders erschreckend sei daran, dass auch Frauen und Kinder erschossen werden sollten.

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte der in Berlin erscheinenden Zeitung „B.Z. am Sonntag“: „Der Fund des Schießbefehls demonstriert in erschreckender Weise, wie menschenverachtend dieses System war.“ Am Vorabend des Mauerbau-Jahrestages sei es ein deutlicher Denkzettel für all diejenigen, die die Grausamkeit des SED-Regimes gerne in den Geschichtsschubladen verschwinden lassen wollten.

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