Dienstleistungsgewerkschaft in Finanznot
Verdi kürzt Betriebsrente

Erst strich die Dienstleistungsgewerkschaft hunderte Stellen in der Hauptverwaltung, jetzt soll Medienberichten zufolge auch die betriebliche Altersvorsorge der Mitarbeiter geschliffen werden. Denn Verdi laufen die Mitglieder davon, das Geld wird knapp. Und dieser Mitgliederschwund zieht noch ein weiteres Problem nach sich.

HB BERLIN. Fünfeinhalb Jahre ist es her, dass sich die fünf Einzelgewerkschaften ÖTV, HBV, DAG, IG Medien und Postgewerkschaft DPG zur Dienstleistungsgewerkschaft ver.di zusammenschlossen. Mit 2,8 Millionen Mitgliedern war sie eine der größten Gewerkschaften der Welt. Sie hatte aber im März 2001 nicht nur die Mitglieder der Einzelgewerkschaften übernommen, sondern auch die Probleme: hoher Personalstand und hoher Finanzaufwand bei sinkenden Mitgliederzahlen.

Die Gewerkschaft ist offenbar Handeln gewungen: Presseberichten zufolge wird Verdi die betriebliche Altersvorsorge der eigenen Beschäftigten kürzen. Ein entsprechender Beschluss, so berichten die „Berliner Zeitung“ und „Der Spiegel“ übereinstimmend, sei sowohl vom Bundesvorstand als auch vom Gewerkschaftsrat verabschiedet worden. Demnach wurde die Kürzung, von dem rund zwei Drittel der Beschäftigten betroffen sein sollen, mit den Finanzbelastungen in der Zukunft begründet. Denn das Geld stehe „nicht zur Schaffung von dringend benötigten Stellen zur Verfügung“, zitiert die „Berliner Zeitung“ aus einem Vorstandsschreiben.

Dabei hatte Verdi den vergangenen Jahren viele Stellen gestrichen, denn der Gewerkschaft laufen die Mitglieder davon. Ende vergangenen Jahres waren es noch 2,36 Millionen Mitglieder, erstmals weniger als die IG Metall, die 2,38 Millionen Mitglieder zählte. Mit dem Zusammenschluss vor fünf Jahren übernahm Verdi 5 200 hauptamtliche Mitarbeiter mit unterschiedliche Herkunft und Interessen, ihre Zahl wurde auf 3 500 gekürzt, wie der Verdi-Sprecher Harald Reutter bestätigt.

Sparprogramm rentiert sich

Dabei sorgten immer wieder Papiere aus der Personalabteilung für Unruhe, insbesondere wenn über betriebsbedingte Kündigungen oder eine Vier-Tage-Woche ohne Ausgleich nachgedacht wurde. Die Zusagen würden eingehalten, versichert Reutter. Nach 2007 müsse man aber neu verhandeln.

Doch das Sparprogamm der Gewerktschaft trägt offenbar Früchte: Während 2005 der Haushalt von verdi noch eine Unterfinanzierung von 10 Millionen Euro ausgewiesen habe, so sagt Reutter, gehe man 2006 von einem ausgeglichen Haushalt aus. Die Einnahmesituation sei stabil, die Gewerkschaft habe viele säumige Mitglieder dazu gebracht, ihre Beiträge doch noch zu zahlen. Die Streikkosten im öffentlichen Dienst würden nicht aus dem laufenden Haushalt bestritten, sondern aus Rücklagen.

Der Mitgliederschwund zieht ein weiteres Problem nach sich, die Überalterung der Gewerkschaften. Der DGB versucht zwar den Eindruck zu erwecken, dieser Trend sei gestoppt. Doch müssten dann tatsächlich mehr junge Mitglieder eintreten als alte ausscheiden, und das ist derzeit nicht der Fall. Bereits heute müssten 13 Prozent des Personalkostenbudgets für die betriebliche Altersvorsorge genutzt werden. Ginge es so weiter, stiege dieser Anteil bis 2025 auf ein Drittel.



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