Dienstwagen
Bundesminister als Klimasünder

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ärgert die Politikprominenz seit 2007 mit der jährlichen Kohlendioxidbilanz der Dienstwagenflotte - und trägt damit zu einem Umdenken bei. Auch in diesem Jahr outen die Umweltschützer einige Bundesminister als wahre Klimasünder.

BERLIN. Wenn Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) wollte, könnte sie die meisten ihrer Kabinettskollegen lächelnd überholen. Die Spitzengeschwindigkeit ihres Dienstwagens, eines Audi A8 4.2 FSI quattro, wird erst bei 250 Stundenkilometern künstlich begrenzt. Keine Chance für Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) oder Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) - ihnen bliebe nur ein Blick auf die Rücklichter. Die Entwicklungshilfeministerin erkauft sich die Möglichkeit zum forschen Auftritt allerdings mit einem Nachteil: Ihr Dienstwagen emittiert 259 Gramm Kohlendioxid je Kilometer. Damit führt Wieczorek-Zeul - wie bereits im vergangenen Jahr - die Liste der Klimasünder unter den Mitgliedern des Bundeskabinetts an. Allerdings wurden nur die Wagen von Bundesministern unter die Lupe genommen, denen keine gepanzerten Limousinen zustehen.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ärgert die Politikprominenz seit 2007 mit der jährlichen Kohlendioxidbilanz der Dienstwagenflotte - und trägt damit zu einem Umdenken bei: "Der Zenit bei der Übermotorisierung von Politiker-Dienstwagen scheint insgesamt überschritten", heißt es bei der DUH. Allerdings sind die Politiker immer noch weit von den Standards entfernt, die sie selbst setzen. Es überwiegen Dienstwagen, deren CO2-Emissionen den bis 2008 gültigen EU-Zielwert von 140 Gramm je Kilometer um mehr als 50 Prozent überschreiten. "Trotz erfreulicher Ausnahmen und insgesamt leicht rückläufiger Spritverbräuche der Dienstlimousinen ist die Mehrheit unserer Spitzenpolitiker noch weit entfernt von einer Vorbildrolle in Zeiten des Klimawandels", sagt Jürgen Resch von der DUH.

Der Klimasünderin Wieczorek-Zeul folgen übrigens Justizministerin Brigitte Zypries (VW Phaeton mit 240 Gramm Kohlendioxidemission je Kilometer), Forschungsministerin Annette Schavan (Mercedes-Benz S320/231 Gramm) sowie Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee, Familienministerin Ursula von der Leyen, Arbeitsminister Olaf Scholz und Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner, die sich jeweils in einem Audi A8 mit 224 Gramm Kohlendioxidemissionen zu ihren Terminen fahren lassen. Es folgt Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (BMW 730 Ld/212 Gramm).

Eine Vorbildrolle nimmt Bundesumweltminister Sigmar Gabriel ein, der das Nützliche mit dem Angenehmen verbunden hat: Er reduzierte die Kohlendioxidemissionen seines Dienstwagens im Vergleich zum Vorjahr gehörig und legte bei der Motorleistung gleichzeitig deutlich zu. Bei der DUH-Erhebung im vergangenen Jahr konnte sein Dienstwagen mit einem Wert von 222 Gramm Kohlendioxidemission je Kilometer nicht wirklich überzeugen. Mit einem Kohlendioxidausstoß von nur noch 188 Gramm belegt Gabriel jetzt den Spitzenplatz unter den Bundesministern. Gabriel stieg um von einem 163 PS starken Mercedes-Benz E200 NGT auf einen Mercedes-Benz S 400 Blue Hybrid mit 299 PS. Es handelt sich dabei um ein Vorserienmodell, das regulär erst im Juni auf den Markt kommt.

Allerdings geht's noch deutlich klimaschonender: Die Umweltsenatorinnen von Berlin und Hamburg, Katrin Lompscher und Anja Hajduk, fahren einen Toyota Prius mit Hybridantrieb, der es auf CO2-Emissionen von 104 Gramm je Kilometer bringt.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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