Dieter Hundt
Der beharrliche Anti-Henkel

Mit ausgeprägten Beharrlichkeit leitet Dieter Hundt seit nunmehr 13 Jahren den Arbeitgeberverband. Nun will der 70-jährige zwei weitere Jahre dranhängen und in der Krise "Standfestigkeit und Kontinuität" ausstrahlen. Im Wirtschaftslager waren seine Positionen nicht immer willkommen.

Vertretern des Tarifsystems wurden schon immer ausgeprägte Beharrungskräfte nachgesagt, und in gewisser Weise ist Dieter Hundt der lebende Beweis für diese These. Schon seit 1996 ist er Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Nun will er noch einmal um zwei Jahre verlängern, auf dann insgesamt 15 Jahre. Auf Bitten der Verbandsgremien erklärte sich der 70-Jährige zu einer neuerlichen Kandidatur auf der BDA-Mitgliederversammlung im November bereit.

Dabei waren Hundtsche Beharrungskräfte im Wirtschaftslager nicht immer so willkommen. Dem früheren Industriepräsidenten Hans-Olaf Henkel galt der umgängliche Schwabe stets als besonders problematischer Vertreter eines Kartells von Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften, das Unternehmen mittels starrer Flächentarife stranguliert. Beide pflegen bis heute eine engagierte Konfliktbeziehung.

Die Umstände haben sich indes im Zeitablauf verändert: Die Flächentarife sind erheblich flexibler geworden - und beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) ist inzwischen schon der dritte Nachfolger Henkels im Amt. Nur Hundt prägt im Arbeitgeberlager beharrlich weiter die Linien der Verbandspolitik.

Dass es nun noch einmal zwei Jahre mehr werden, war dagegen wohl nicht sein ursprünglicher Plan. Doch mit steigender Amtsdauer pflegt der Einschnitt eines Wechsels an der Spitze immer größer zu werden - und dafür schien den Beteiligten offenbar die aktuelle Krise doch der falsche Moment zu sein. "In schweren Zeiten sind Standfestigkeit und Kontinuität erforderlich", erklärt Hundt das Umdenken.

Aus dem operativen Geschäft seines Unternehmens, des Autozulieferers Allgaier, hatte er sich zwar bereits Anfang 2008 zurückzogen. Ein echter Ruhestand war aber ohnehin noch lange nicht abzusehen für den Multifunktionär. Als solcher ist Hundt auch Fußballfreunden ein Begriff: Er leitet seit 2002 den Aufsichtsrat des VfB Stuttgart. Dass er sich nun zudem frühzeitig auf eine Verlängerung als BDA-Chef einstellt, verbindet ihn im Übrigen mit einem anderen wichtigen Vertreter des Tarifsystems: Auch DGB-Chef Michael Sommer hat gerade angekündigt, zu verlängern - in seinem Fall sogar gleich bis 2014.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
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