Dieter Hundt „Der Feuerwehr geht das Löschwasser aus“

Arbeitgeber-Chef Dieter Hundt warnt vor dramatischen Folgen bei einem möglichen Euro-Crash. Es drohe eine schlimmere Krise als nach der Lehman-Pleite, warnte Hundt - und stärkt der Kanzlerin den Rücken.
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Dieter Hundt, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), warnt vor den Folgen eines möglichen Euro-Crashs. Quelle: dapd

Dieter Hundt, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), warnt vor den Folgen eines möglichen Euro-Crashs.

(Foto: dapd)

DüsseldorfArbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat mit drastischen Worten vor einem möglichen Scheitern des Euro-Krisenmanagements gewarnt. „Die Folgen wären dramatisch und sind nicht auszudenken“, sagte Hundt in einem Interview mit dem Handelsblatt. Es drohe dann nicht mehr nur eine Konjunkturkrise wie vor drei Jahren, „sondern eine echte Strukturkrise mit schlimmeren Folgen als nach der Lehman-Pleite 2008“, sagte er.

So weit dürfe es auf keinen Fall kommen. „Das könnte eine Situation sein, in der auch die Feuerwehr nicht mehr zuverlässig funktioniert. Vor allem weil die Feuerwehr, sprich: die Politik, mit ihren Kräften am Ende wäre.“ Auch der „Löschteich“, so der Chef des Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), „wäre leer, weil die Staaten kaum noch finanzielle Reserven für weitere milliardenschwere Rettungsprogramme hätten

Hundt wies darauf hin, dass bereits jetzt die Verunsicherung in der deutschen Wirtschaft zunehme und auf „reale Entwicklung durchschlägt“. Die Unternehmen stellten Investitionen zurück und zögerten beim Beschäftigungsaufbau. Die Risiken „sind deutlich größer geworden“. Es müsse alles getan werden, damit das konjunkturelle Klima „durch die Staatsschuldenkrise nicht in starkes Gewitter und Hagel umschlägt“.

Demonstrativ unterstützte Hundt vor diesem Hintergrund den Kurs von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Umgang mit der europäischen Schuldenkrise. „Ich bewundere, wie die Bundeskanzlerin ihre Positionen in Europa einbringt und durchsetzt.“ Dafür zolle er ihr „größten Respekt“ . Die deutsche Wirtschaft „kämpft für den Erhalt des Euros und unterstützt deshalb den Kurs der Kanzlerin“. Allerdings fordert Hundt eine harte Haltung gegenüber Griechenland. Sollte Athen die Reformauflagen der EU nicht erfüllen, dann „gibt es keine weiteren Hilfen“.

Hundt setzte sich auch deutlich gegen den Eindruck zur Wehr, die deutsche Wirtschaft sei in ihrer Haltung zum politischen Krisenmanagement zerstritten. „Das täuscht, die Spitzenverbände sind sich einig“, sagte Hundt. Auch wenn „kleinere Verbände vereinzelt etwas andere Töne angeschlagen“ hätten, seien die Gegensätze innerhalb der Wirtschaft „nicht so stark wie dies oft dargestellt wird“. Hundt forderte allerdings die deutschen Wirtschaftsverbände mehr „Geschlossenheit“ zu zeigen. Die Wirtschaft könne „nur gemeinsam und abgestimmt in Berlin und Brüssel etwas erreichen“.

Deutliche Kritik äußerte der Arbeitgeberpräsident allerdings am Kurs der schwarz-gelbe Bundesregierung im Bereich der Sozialpolitik. „Wir leben weiterhin über unsere Verhältnisse“, sagte er. „Niemand kann von anderen Ländern überzeugend Sparsamkeit und Reformbereitschaft einfordern, wenn er selbst das Gegenteil vorlebt“, warnte Hundt mit Blick auf die jüngsten Vorstöße aus der Koalition für neue Mindestlöhne und das geplante Betreuungsgeld. „Wenn Deutschland sogar in einem Jahr mit einem enorm kräftigen Wirtschaftsaufschwung keinen ausgeglichenen Haushalt schafft, wann dann?“, sagte der BDA-Chef. Zugleich lehnte Hundt weitere Einschränkungen bei der Zeitarbeit ab. Seine Botschaft an Arbeits- und Sozialministerin Ursula von der Leyen sei: „Jetzt bitte Finger weg von der Zeitarbeit und nicht weitere gesetzliche Regelungen übe unsere Tarifverträge stülpen“.

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33 Kommentare zu "Dieter Hundt: „Der Feuerwehr geht das Löschwasser aus“"

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  • Der Hundt jammert seit ewigen Zeiten über die Sozialpolitik
    in der BRD.Am liebsten wäre dem BDI und seinem Fußvolk,
    daß die Deutschen zu Hungerlöhnen arbeiten bis zum umfallen und dies 75 Jahren. Denn dann sparen wir uns auch noch die Rentenzahlungen u.die Industrie müßte nicht so hohe Einzahlungen an die Rentenversicherung leisten.Ist ja alles entgangener Gewinn.
    Die Wirtschaftvertreter führen uns ja täglich vor, wie sie es gerne hätten.
    Dies sind auch die Gründe, warum Hundt und seine Kumpane
    vor einen scheitern des Euro haben.Es war halt so bequem bisher.Im Interesse Deutschlands oder Europa handeln diese Leute nicht.Diese begriffe sind nur Mittel zum Zweck.
    gez.walterwerner.artists.de

  • Löschwasser?
    Da wird doch versucht, das Feuer mit dem Flammenwerfer auszumachen. Es fehlt derzeit in Politik und Wirtschaft an Vorstellungskraft, wie man Schuldenprobleme ohne weitere neue Schulden beseitigen kann.

  • • Das Desaster ist vollendet, wenn den Banken nicht sofort ein Stopp gesetzt wird
    Lesen Sie lesen sie lesen sie lesen sie
    Der Ökonomiker fasst in diesen Tagen alle wichtigen Ereignisse der letzten Jahre zusammen.
    http://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/03/standpunkt-191-update-enteignung.html
    ht http://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/07/stanpunkt-291-derivate-desaster.htmltp://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/07/standpunkt-300-sinn-lich-okonomenstreit.html
    Hier der Originaltext des ESM
    http://www.freiewelt.net/blog-3321/der-vertragsentwurf-zur-transferunion-ist-%F6ffentlich%28%21%29---ziel-ist-die-beendigung-staatlicher-haushaltssouver%E4nit%E4t.html
    Bitte kucken Sie das Video auf youtube: Wie funktioniert Geld:
    http://www.youtube.com/watch?v=9BrLrwbkQWQ
    Hier der Originaltext des ESM
    http://www.freiewelt.net/blog-3321/der-vertragsentwurf-zur-transferunion-ist-%F6ffentlich%28%21%29---ziel-ist-die-beendigung-staatlicher-haushaltssouver%E4nit%E4t.html
    http://farid.hajji.name/blog/2012/07/02/stupid-german-money-for-europe/1
    Den Politikern und Bankern ist das Volk vollkommen egal!
    Meine Aufforderung an alle : KEINE WEITEREN GELDER VERSCHWENDEN!!!!! UND GEHIRN EINSCHALTEN!!!
    http://www.wiwo.de/unternehmen/banken/euro-rettung-bruessel-will-deutsche-einlagensicherung-pluendern/v_detail_tab_comments/6827318.html?pageNumber=2&commentSort=debate
    http://www.mehr-demokratie.de/ können Sie Vollmacht erteilen, damit eine weitere Verfassungsklage angestrebt wird.
    http://www.handelsblatt.com/politik/international/horror-szenario-unternehmer-warnen-vor-dem-euro-kollaps/6870188.html
    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/schuldenabbau-cdu-ministerpraesident-will-zwangsanleihe-fuer-reiche-deutsche/6871498.html
    http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/:libor-skandal-ba-fin-beraumt-sonderpruefung-bei-deutscher-bank-an/70060295.html
    http://www.wiwo.de/unternehmen/banken/euro-rettung-bruessel-will-deutsche-einlagensicherung-pluendern/6827318.htm1

  • Hintergründe...

    Genial: Wie Mario den "Bustout" lernte

    http://www.youtube.com/watch?v=Tu8L3N-87mA&feature=relmfu




  • AG Präsident Hundt hat ja so Recht:
    1) Verschuldung des Steuerzahlers unvermindert weitertreibenweitertreiben
    2) Zeitarbeiter verdienen ja viel zu viel (teilweise 2,50 Euro pro Stunde) also 1 Euro-job pro Tag ist angemessen
    3) Sozialhilfe/Harz-4 ist dem Herrn Hundt also auch viel zu üppig, die Harzler schwelgen ja im Überfluß - eine Scheibe schimmliges Brot reicht doch am tag - nicht wahr Herr Hundt ?!

    Dann hat der Staat endlich mehr Geld um die Investment-Bankster zu retten. Die Bankster oder Konzernvorstände sind echt arm dran, statt 12 Mio Jahresbonus nun eventuell nur 10 Mio Euro, die müssen dann eventuell den Privathubschrauber verkaufen als Anzahlung für den Privatjet, ne ne so weit will es Herr Hundt dann gar nicht erst kommen lassen.

  • Ich wundere mich immer wieder über die Aussagen der Manager und Politiker zum Thema Euro. Man geht davon aus dass dieser Personenkreis mit etwas Inteligenz ausgerüstet ist und somit wissen müsste, dass die Bevölkerung in D nicht so dumm ist wie diese Personen es gerne hätten, damit sie ihre Spielchen weiter treiben können.

    Vor ca. 10 Jahren gab es noch keinen Euro und D war schon immer Spitzenreiter in Europa wenn es um Exporte ging. Heute gehen die meisten Investitionsgüter in den BRIC Staaten, soweit mir bekannt ist haben diese auch keinen Euro und somit kein Problem mit dem Wechselkurs. Was soll dann das dumme Geschwätz dass der Bruch der Gemeindschaftswährung zur eine Katastrophe für die D Wirtschaft bedeuten würde?

  • Eurodefizitäre sofort raus.Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.Die Banken und Staatszocker sollen sehen wie sie zurechtkommen,wenn die Milch nicht mehr rechtzeitig kommt.

  • @whoknows
    Danke für Ihren Beitrag, sie bestätigen nämlich genau meine Aussage! Bitte meinen Beitrag zweimal lesen. Target2 ist ein internes, allerdings brandheisses Problem des €-Raumes, berührt aber nicht direkt die Stellung des Euro als Weltwährung. Es ist schon so, wie im zweiten Teil ausgeführt, der Euro wurde als Knute gegen D konzipiert, was jetzt unweigerlich zum Rohrkrepierer wird, ganz gleich was da der Politik noch einfällt.

  • SoSo wir bekommen dann eine Strukturkrise. Wenn die Basis falsch ist un korrigiert werden muß ist eine solche Krise die richtige Folge denn die krankhaften Strukturen müssen dann halt angepasst werden - mit allen Folgen für jeden Einzelnen. Wei bei einem Baum - Ist der Ast faul wird er eben abgesägt. Schade für den der drauf sitzt...

  • Woher nimmt Hundt denn diese Weisheit ? Donnerwetter, der mausert sind ja zu einem richtigen Orakel.....

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