Differenzen beim Terrorschutz
Künstlicher Nebel für Atomkraftwerk Biblis beantragt

Künstlicher Nebel gegen Terroranschläge - so sieht das Sicherheitskonzept des Energiekonzerns RWE für das Atomkraftwerk Biblis aus. Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) zeigt sich indes nicht überzeugt von den Plänen.

HB BERLIN/WIESBADEN. Beim Terrorschutz für Atomkraftwerke zeigen sich zwischen Bundesregierung und Industrie weiterhin große Differenzen. So will der Kraftwerksbetreiber RWE das Atomkraftwerk Biblis ungeachtet der Berliner Einwände mit künstlichem Nebel vor Terroranschlägen mit Flugzeugen schützen. Der Antrag des Unternehmens werde derzeit geprüft, teilte das hessische Umweltministerium in Wiesbaden am Mittwoch mit. Erweiterte Planungsunterlagen seien vor kurzem eingetroffen.

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) bekräftigte dagegen seine Ansicht, dass solche Vernebelungsaktionen zum Beispiel gegen den Einschlag entführter Passagiermaschinen nicht viel Sicherheit bedeuteten. „Das Vernebelungskonzept der Betreiber reicht in der vorgelegten Form nicht aus, den Schutz der Atomkraftwerke deutlich zu verbessern“, sagte er der „Financial Times Deutschland“ (Mittwoch). „Wir haben deshalb den Landesbehörden Nachbesserungen aufgegeben.“

Es müsse ein ganzes Bündel von Maßnahmen geben. Bereits im März hatte sich Trittin ähnlich geäußert. Offensichtlich hat es bisher noch kein Einvernehmen über solche Maßnahmen gegeben. Kritiker weisen unter anderem auf moderne Satelliten-Navigationssysteme hin, die auch bei Nebel genaues Navigieren ermöglichten.

Nach einer Kabinettssitzung erklärte Trittin allgemein, es werde „keine Abstriche bei der atomaren Sicherheit“ geben. Er kommentierte damit einen routinemäßigen Bericht zur Erfüllung des Übereinkommens über nukleare Sicherheit, den das Kabinett zustimmend zur Kenntnis nahm. Es handelt sich um ein Übereinkommen bei der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) in Wien, wo die dritte Überprüfungstagung im April 2005 stattfinden wird. Ziel des Übereinkommens, das lange vor dem Terroranschlag in den USA getroffen worden war, sei es, „weltweit einen hohen Sicherheitsstandard der Atomkraftwerke zu erreichen“.

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